filia unterstützt Frauen, Kinder und LGBTQI in und aus der Ukraine

 In Allgemein, Mittel- und Osteuropa

Seit Russland in der Ukraine Krieg führt, sind wir mit den Kolleg*innen unserer Schwesterstiftungen vor Ort – mit dem Ukrainian Women’s Fund und mit FemFund in Polen – in regelmäßigen Gesprächen. Die Kolleg*innen berichten über ihre Aktivitäten zur Unterstützung von Frauen als die vom Krieg am stärksten betroffene Gruppe, und teilen mit uns, welche Art von Unterstützung dringend benötigt wird. Während es weiterhin auch um akute Nothilfe und die unmittelbare Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten geht, haben unsere Partner*innen in den Gesprächen einen Wunsch besonders stark gemacht: Die Unterstützung für die Ukraine, aber auch für die Nachbarländer, die gerade Hauptzufluchtsort für viele Ukrainer*innen sind, muss auch mittel- und langfristig gewährleistet werden. Direkt zu Beginn des Kriegs hatte filia der LGBTQI-Organisation Insight Ukraine und dem Ukrainian Women’s Fund finanzielle Unterstützung zukommen lassen – als unmittelbare Nothilfe.

filias neue Förderpartnerinnen in Polen und in der Ukraine

filia hat sich darüber hinaus für die Unterstützung von drei weiteren Organisationen mit je 20.000 Euro entschieden: Organisationen in Polen und der Ukraine, die aus der Ukraine geflüchteten Frauen mit behinderten Kindern, Frauen aus Roma-Communities sowie LGBTQI in der Ukraine sichere Orte und psychologische Unterstützung bieten und Zukunftsperspektiven eröffnen.

Patchwork aus Krakau, Polen

Die Organisation Patchwork ist eine kollektive Selbstorganisation von Frauen mit Kindern mit Behinderungen. Fünf der sechs Gründer*innen haben selbst Kinder mit Behinderungen. Patchwork ist in Krakau aktiv und unterstützt Mütter, die mit ihren behinderten Kindern aus der Ukraine, Weißrussland, Russland, Armenien und Moldawien nach Polen gekommen sind, beim Ankommen.  Die Aktivist*innen versorgen die Familien mit speziell benötigten Dingen wie Windeln, Diätprodukten, Rollstühlen oder orthopädischen Schuhen und unterstützen bei behördlichen Antragstellungen.

„Derzeit betreuen wir 84 ukrainische Flüchtlingsfamilien mit Menschen mit Behinderungen, von denen die meisten in Krakau und in der Region Malopolskie wohnen. Bei vielen handelt es sich um alleinstehende, geschiedene oder verwitwete Mütter, die ihre Kinder allein aufziehen.“, berichten die Kolleg*innen von Patchwork.

Mit der finanziellen Unterstützung von filia baut Patchwork ein Integration & Support Center (ISC) auf: In angemieteten Räumen gibt es einen Ort zum Austausch ebenso wie für Sprachkurse, psychologische Beratung und für Qualifizierungskurse. Eine parallele Betreuung der Kinder bietet den Müttern die Gelegenheit, sich selbst zu stärken. Das Center soll auch als Ort für Therapie für die Kinder und als Begegnungsort für Angehörige genutzt werden..

Insha aus Cherson, Ukraine

Die Organisation Insha ist in der Stadt Cherson im Süden der Ukraine aktiv. Sie setzt sich für die Rechte von Frauen und LGBTQI ein, indem sie einerseits sichere Räume schafft und andererseits laut und sichtbar Gleichberechtigung fordert. Die feministische Organisation ist seit ihrer Gründung im Jahr 2014 eine wichtige Akteurin in der Zivilgesellschaft von Cherson und arbeitet aktiv mit verschiedenen Gruppen und Organisationen zusammen, die sich für die Abschaffung von Ungleichheiten einsetzen.

Durch die russische Besatzung der Stadt Cherson ist die Arbeit von Insha vor Ort kaum noch möglich. Bis auf zwei Mitarbeiter*innen haben alle die Stadt und das Land verlassen und arbeiten aus dem Exil. Ein*e Mitarbeiter*in von Insha berichtete uns von den katastrophalen Bedingungen in Cherson:

„Die Eingänge zur Stadt sind seit vier Monaten von den Besatzungstruppen blockiert. Es mangelt an Lebensmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln. Die Lieferung all dieser Güter nach Cherson ist schwierig. Daher sind die Preise erheblich gestiegen.“

Während der viermonatigen Besetzung von Cherson hat Insha über 100 Menschen geholfen, die besetzte Stadt zu verlassen. Weitere 150 Menschen erhielten Unterstützung für den Kauf von Medikamenten, Lebensmitteln und die Bezahlung anderer lebenswichtiger Dinge. Die Förderung von filia kommt zum richtigen Zeitpunkt. „Wir werden der queeren Community sowie den Frauen, die sich im besetzten Cherson in einer schwierigen Situation befinden, weiterhin Hilfe leisten. Das heißt, materielle Hilfe und Unterstützung bei der Evakuierung in kontrollierte Gebiete oder ins Ausland. Außerdem werden wir für Frauen und queere Menschen, die vom Krieg betroffen sind, phsychologische Begleitung organisieren.“

Roma-Poland-Ukraine-Group aus Krakau, Polen

Die Organisation „Foundation towards Dialogue“ setzt sich für Roma-Communities in Polen und Europa ein und macht sich stark gegen Hassreden, Diskriminierung und Gewalt. Sie stärkt außerdem das gesellschaftliche Bewusstsein für die intersektionelle Diskriminierung, die insbesondere Roma-Frauen erleben.

Unmittelbar nach dem Angriff auf die Ukraine wurde die Gruppe Roma-Poland-Ukraine ins Leben gerufen, die ukrainischen Roma-Flüchtlingen – Kindern und Frauen – psychologische Unterstützung, rechtliche Unterstützung, Mentoring, und Bildung ermöglicht. Frauen und Kinder erhalten Unterstützung sowohl im Hinblick auf ihre psychische und physische Gesundheit als auch im Hinblick auf ihr zukünftiges Leben in Polen, damit sie soziale Kontakte knüpfen können und auf das polnische Schulsystem vorbereitet werden. Die Roma-Poland-Ukraine-Group bietet ihnen und ihren Familien außerdem einen sicheren Raum, der sie auf ihrem Weg zur Genesung vom Kriegs- und Flucht-Trauma unterstützt.

 

Danke!

filia dankt allen Spender*innen, die unserem Spendenaufruf #standwithukraine gefolgt sind und dadurch unsere Arbeit ermöglichen.

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