Strategischer Plan 2017–2021

Unsere Vision

„Wir, die Gründerinnen* von filia, haben die Vision von einer gerechten, menschenwürdigen und vielgestaltigen Welt, zu der Frauen* Entscheidendes beizutragen haben. Es ist unser Interesse, dass Frauen* und Mädchen* überall auf der Welt bessere Chancen erhalten.
[…]
Frauen* sind verschieden. Sie kommen aus unterschiedlichen Kulturen und Lebensumständen, gehören verschiedenen Generationen an und sehen die Welt jeweils mit anderen Augen. Wir sind davon überzeugt, dass gerade in der Vielfalt der Erfahrungen und Kompetenzen das kreative Potential für Veränderung liegt. Wir wünschen uns eine Gesellschaft, die Migrantinnen* willkommen heißt und auf ihre lebendige Teilhabe setzt.“
Aus der Präambel 2001

+++ Welt verändern +++

Wir sehen eine für uns erschreckende Erstarkung von rechtspopulistischen Tendenzen, national und international, die viele Errungenschaften wie die Rechte von Frauen* und Minderheiten wieder in Frage stellt. Gerade deshalb müssen wir unsere Kräfte bündeln, brauchen wir eine starke Zivilgesellschaft, die sich aktiv für ihre Rechte und die Umsetzung internationaler Abkommen einsetzt. Unsere Ziele und die Arbeit unserer Partnerinnen* sehen wir im Einklang mit den Sustainable Development Goals, als aktiven Beitrag zu CEDAW, der Istanbul-Konvention und dem Gender Action Plan der EU.

Themen wie Klimawandel, demographischer Wandel und Fluchtbewegungen haben immer auch eine spezifische Auswirkung auf Frauen* und Mädchen*. filia.die frauenstiftung reagiert auf diese Veränderungen strategisch und konkret, indem sie neue Akzente in der Förderung setzt.

Seit Gründung arbeiten wir Schritt für Schritt gemeinsam daran, dass Frauen* und Mädchen* ihre Rechte durchsetzen können, ihre Handlungsspielräume erweitern und mehr Entscheidungsmacht gewinnen. Um das erreichen zu können, braucht es eine gerechtere Ressourcenverteilung.

In den Regionen Mittel- und Osteuropa (MOE) und im Globalen Süden (GS) haben wir langfristige Partnerschaften mit Frauen*organisationen und -stiftungen aufbauen können.

Das MädchenEmpowermentProgramm steht auf stabilen Füßen: Der Mädchenbeirat ist ein geschützter Raum, in dem Mädchen* eine eigene Stimme entwickeln und kompetente Entscheidungen über die Mädchen*förderung in Deutschland treffen. Im Beirat sind junge Frauen* vertreten, die verschiedene Diversitätskriterien erfüllen, entsprechend den Gruppen, die wir auch in Mädchen*projekten fördern. Die Teilhabe der Mädchenbeirätinnen wird laufend ausgebaut. Seit 2015 haben wir das Programm international erweitern können.

Innerhalb des internationalen Netzwerkes der Frauenstiftungen Prospera beteiligt sich unsere Stiftung an strategischen Entwicklungen.

In welcher Welt wollen wir leben? Einer Welt, die gerechter, vielgestaltig und zukunftsfähig ist.

filia unterstützt Projekte, die sozialen Wandel befördern. Unser Motto lautet: Change, not Charity. Der soziale Wandel, wie wir ihn verstehen, setzt bei den Ursachen der Missstände an und entwickelt Aktivitäten für strukturelle Veränderungen – im Interesse von Frauen* und Mädchen*. Auch die Einbeziehung von Männern* und Trans* in filias Arbeit ist ein Thema.

Gerechter – deshalb fördert filia Aktivitäten, die Frauen* und Mädchen* in Regionen entwickeln, in denen die Menschenrechte in besonderer Weise verletzt werden und ihnen der Zugang zu Ressourcen und Entwicklungsmöglichkeiten erschwert wird.
Vielgestaltig – daher berücksichtigt die Stiftung besonders Mehrfachdiskriminierungen aus Gründen der ethnischen Herkunft, Religion, der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität, von Behinderung und Alter.
Zukunftsfähig – wir reagieren proaktiv auf Herausforderungen wie Klimawandel und Fluchtbewegungen. Indem junge Frauen* und Mädchen* teilhaben an Verantwortung und Entscheidungsprozessen der Stiftung, indem Mädchen* Projekte selbst entwickeln und leiten und indem sie ihre Belange in der Öffentlichkeit selbst vertreten, leisten wir einen Beitrag zum Generationenwechsel.

+++ Frauen stärken +++

Frauen* machen die Hälfte der Weltbevölkerung aus. Bis zum heutigen Tag, in einigen Ländern – auch in MOE – wieder zunehmend, werden ihnen Partizipation, gleiche Rechte und Zugangsmöglichkeiten zu Ressourcen verwehrt oder erschwert, sind sie geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt ausgesetzt.filia.die frauenstiftung wurde als eine Plattform zur Stärkung von Frauen* und Mädchen* gegründet. Als Förderin* und Advokatin* unterstützen wir Frauen* und Mädchen* weltweit bei der Umsetzung ihrer Ideen und Vorhaben, die sozialen Wandel zum Ziel haben. Wertschätzung gegenüber den Erfahrungen und Lösungsansätzen der Frauen* und Mädchen* ist dabei ebenso entscheidend wie die partnerschaftliche Zusammenarbeit und das Sichtbarmachen ihrer Erfolge.

filia stärkt weiterhin Frauen* und Mädchen* im selbstbewussten Umgang mit Geld, Vermögen und Erbe. Das Modell der Gemeinschaftsstiftung und die Arbeit des Mädchenbeirates zielen in diese Richtung.

Unsere Stifterinnen* und Förderinnen* bilden eine lebendige und engagierte Gemeinschaft. Sie werden in inhaltliche Prozesse und strukturelle Entscheidungen eingebunden.

+++ Geld verwandeln +++

Wer bei filia spendet, verwandelt das Geld direkt in Aktivitäten und Projekte von Frauen* und Mädchen* für Frauen* und Mädchen* – weltweit. Besonders in Zeiten niedriger Renditen eine lohnende Investition.Wer zustiftet, verwandelt das Geld zweifach: Es fließt in das Kapital der Stiftung und wird nachhaltig angelegt. Mit den Renditen aus den Anlagen werden die Arbeit der Stiftung und die Aktivitäten der Frauen*organisationen finanziert.

Als Fundraiserin+ und Geldanlegerin* arbeitet filia daran, den Gedanken einer feministisch orientierten Philanthropie zu verbreiten und diese Geber*innenkultur in Deutschland zu entwickeln.

Im Rahmen unserer operativen Tätigkeit achten wir darauf, dass Mittel, die filia hier einsetzt oder als Drittmittel akquiriert, anderen Frauen*organisationen zugutekommen (Regranting-Anteil). Hier setzen wir Themen, die der Stiftung strategisch wichtig sind: Mädchen*-Empowerment, intergenerativer Dialog, länderübergreifender Austausch, Klimawandel. Weitere Themen werden hinzukommen.

Unsere Mission

Als Stiftung sehen wir unsere Aufgabe darin, Mittel zur Verfügung zu stellen und zu verwandeln in Aktivitäten von Frauen* und Mädchen* für Frauen* und Mädchen*.

Mit dem Modell der Gemeinschaftsstiftung ist die Stiftung strukturell auf diesen Bedarf eingegangen: Sie ist angelegt auf eine wachsende Gemeinschaft, die Kapital und Ideen investiert, damit Frauen* mehr Macht und Einfluss gewinnen können. So definiert sich filia als eine Tochter* der Frauen*bewegung.

Unsere Vorhaben:

  • 2017–2021 fördert filia unter dem Dach der Ziele Partizipation und Freiheit von Gewalt neben den bisherigen Themen auch zu folgenden Schwerpunkten: Klimawandel und Geschlechtergerechtigkeit (im Globalen Süden), Frauen* und Flucht, Förderung des intergenerativen Dialogs.
  • Innerhalb des Mädchenbeirates organisieren Mädchen* und junge Frauen* sich selbst und leiten eigenverantwortlich. Sie werden verstärkt in Entscheidungsprozesse der Stiftung einbezogen.
  • Das Fundraising wird auf weitere Zielgruppen und Institutionen ausgeweitet.
  • Die vier Rollen werden stetig weiterentwickelt, damit die Stiftung ihre Mission verwirklichen kann: Fundraiserin*, Anlegerin*, Förderin* und Advokatin*.

Rollen, Aufgaben und Ziele

1. Fundraiserin*

filia ist eine Geldgeberin* für Frauen*rechte. Die Herausforderung besteht darin, mehr Menschen zu gewinnen, neue private und öffentliche Geldquellen zu erschließen, um mehr Frauen*organisationen fördern zu können, die relevante Arbeit für gesellschaftlichen Wandel leisten. Wir sehen unsere Aufgabe auch darin, unseren Partnerinnen* Zugang zu weiteren Geldquellen durch Vernetzung und Empfehlungen zu ermöglichen und mit dem Einsatz von filia-Eigenanteilen öffentliche Mittel für unsere Zielgruppen verfügbar zu machen.

filia prüft Quellen im In- und Ausland.

Den Schwerpunkt sieht filia im eigenen Land. Das Kapital von filia soll durch Zustiftungen stetig wachsen. filia bemüht sich zudem verstärkt um Vermächtnisse und Erbschaften, die auch als Unterstiftungen und Themenfonds umgesetzt werden können.
Parallel dazu soll unsere Basis an Spender*innen deutlich wachsen. Regelmäßige Spenden geben Planungssicherheit und tragen zunehmend die Projektförderung von filia.

Außerdem werben wir vermehrt Drittmittel ein – national und europaweit. filia recherchiert und akquiriert Mittel bei öffentlichen Institutionen und größeren Stiftungen. Durch die Nutzung unserer internationalen Vernetzung sollen besonders Geldquellen (z. B. EU-Mittel) erschlossen werden, die kleineren Frauen*organisationen nicht offenstehen.

Die erfolgreiche Akquise von Drittmitteln verändert die Stiftung: Partnerorganisationen müssen entsprechend den Mittelzugeber*innen abrechnen, der Anteil an operativer Arbeit innerhalb der Stiftung wird größer, die Unabhängigkeit der Stiftung kann darunter leiden.

Wir sind uns dieser Prozesse bewusst, werten die Erfahrungen aus und steuern entsprechend unserer Mission Recherchen und Akquise

2. Anlegerin*

Geld ist ein wichtiges Gestaltungsmittel und so nutzen wir unsere Kapitalanlagen im Sinne unserer Vision. Deshalb haben wir eine ökologische Universalbank als Hausbank gewählt und ein ganzheitliches Verständnis im Umgang mit Geld entwickelt. Wir schauen darauf, wo und wie investiert wird und wem das nützt oder schadet. Wir schließen nicht nur Atomkraft, Rüstung und Kinderarbeit aus, sondern es ist uns auch wichtig, dass unsere Kriterien der Nachhaltigkeit, der sozialen wie ethischen Verträglichkeit und besonders auch der Gendergerechtigkeit erfüllt werden. Dabei versuchen wir auch Banken und Anbieter*innen für diese Kriterien zu sensibilisieren.

3. Förderin*

Seit 2001 unterstützt filia weltweit das Empowerment von Frauen* und Mädchen* mit dem Ziel, benachteiligende gesellschaftliche Strukturen zu verändern. Wir streben an, unsere Förderungen deutlich auszubauen.

Die Themen „Partizipation“ und „Freiheit von Gewalt“ beschreiben die Ziele unserer Vision: Frauen* und Mädchen* sollen gewaltfrei leben und sich den Zugang zu Entscheidungsmacht und gerechter Ressourcenverteilung verschaffen können.

Unter dem Dach dieser beiden Bereiche berücksichtigt die Stiftung besonders drei Querschnittsthemen: Klimawandel und Geschlechtergerechtigkeit, Frauen* und Flucht sowie die Förderung eines intergenerativen Dialoges. Dabei achtet filia darauf, dass die begrenzten Mittel für den Ansatz des strukturellen Wandels eingesetzt werden.

filia fördert auf drei Weisen:

Die strategische Förderung, die längerfristig mit höherem Fördervolumen Frauen*organisationen und ihre Projekte unterstützt, hat sich bewährt und wird ausgebaut. Die Frauen*organisationen können diese Förderung flexibel und nach ihrem Bedarf einsetzen. Hier geht filia auf Partnerinnen* zu.

Die Impulsförderung, mit der wir durch offene Ausschreibungen Impulse geben und neue Partnerinnen* kennenlernen wollen. filia achtet hier besonders auf Erstförderungen für kleine Frauen*organisationen (Graswurzel) sowie auf die Unterstützung eher unkonventioneller Aktivitäten.

Die Eilförderung ermöglicht Frauen*organisationen weltweit eine zeitnahe Förderung für besonders dringende Vorhaben.

filia fördert in:

Mittel-Ost-Europa (50 Prozent des Förderbudgets)
Wandel braucht Zeit. Strategische Förderungen in Zusammenarbeit mit ausgewählten Frauen*organisationen und Frauen*stiftungen werden ausgebaut. Aus Impulsförderungen können strategische Kooperationen entstehen. Wir erweitern unsere Feldkenntnis und vertiefen die Beziehungen zu den Partnerinnen*.

Deutschland (20 Prozent des Förderbudgets)
Wir sehen Mädchen* und junge Frauen* als Akteurinnen* für gesellschaftliche Veränderung. Deshalb wird die Förderung von Mädchen*projekten in Deutschland fortgesetzt, die Mädchen* und junge Frauen*, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind, modellhaft in ihrer Selbstvertretung stärken. Der Mädchenbeirat befasst sich mit den Ergebnissen der Förderung und besucht ausgewählte Projekte.

Länder des Globalen Südens (20 Prozent des Förderbudgets)
Die Zusammenarbeit mit Frauen*stiftungen und Frauen*organisationen in den Ländern des Globalen Südens ermöglicht es filia, solidarisch zu handeln: Durch Unterstützung der Förderprogramme der Schwesterstiftungen stärkt filia die Frauen*bewegungen vor Ort in ihrem Einsatz für Partizipation und Freiheit von Gewalt. Ein Schwerpunkt wird ab 2017 das Thema Klimawandel und Geschlechtergerechtigkeit sein.

Eilförderung (10 Prozent des Förderbudgets)
Mit einer schnellen Förderung bis 5000 Euro unterstützt filia eilige Aktionen von Frauen*gruppen weltweit, die eine Gelegenheit zu gesellschaftlicher Veränderung in einer unvorhergesehenen Situation nutzen wollen.

Bis 2021 wird die Weiterentwicklung von filias Evaluationspraxis angestrebt. Evaluation spielt eine wichtige Rolle dabei, Veränderungsprozesse und ihre Wirkungen sichtbar zu machen.

4. Advokatin

filia versteht sich als Advokatin* für Frauen*rechte und Philanthropie mit einer Gender-Perspektive. Wir zeigen, wie Frauen* und Mädchen* die Welt verändern. Mit dem intergenerativen Dialog initiiert die Stiftung eine Verständigung zwischen jungen Interessierten/Aktivistinnen* und seit Jahrzehnten aktiven Feministinnen*. Damit investieren alle Beteiligten in die Nachhaltigkeit und Zukunft der Frauen*bewegungen in Deutschland und anderen Partnerinnenländern.

Als aktiver Teil der Frauen*bewegung gestaltet und beteiligt sich filia an Veranstaltungen und ausgewählten Kampagnen.

Mit diesen Aktivitäten wollen wir filia als Gemeinschaftsstiftung bekannter machen, neue Geber*innen gewinnen, Erfolge und Fragestellungen der Frauen*bewegung sichtbar machen und an globalen Fragestellungen mitarbeiten.

In nationalen und internationalen Zusammenhängen bringt filia sich als Advokatin* aktiv ein.

In Deutschland bemühen wir uns darum, beim Bundesverband deutscher Stiftungen, seinen Mitgliedsstiftungen und wichtigen Multiplikator*innen gendergerechte Standards zu vermitteln und mehr Geld für Gendergerechtigkeit zu mobilisieren.

Philanthropie mit dem Anspruch, die Gesellschaft strukturell zu verändern und Geld nachhaltig anzulegen, vertritt filia gemeinsam mit anderen deutschen Stiftungen im Netzwerk Wandelstiften.

Durch unsere Mitarbeit und Aktivitäten in internationalen Zusammenhängen verbinden wir die lokale mit der globalen Perspektive. Das inspiriert unsere Arbeit und lässt uns teilnehmen an den globalen feministischen Fragestellungen, die wir bei der Association For Women’s Rights in Development (awid) mit Aktivistinnen* aus der ganzen Welt diskutieren. Als Mitglied des International Network of Women’s Funds Prospera verfolgt filia gemeinsam mit anderen Frauen*stiftungen weltweit das Ziel, die Ressourcen für die Arbeit von Frauen*- und Mädchen*organisationen zu vergrößern.

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