Regeln

Nur Wörter mit 2 oder mehr Zeichen werden akzeptiert.

Maximal 200 Zeichen insgesamt.

Leerzeichen werden zur Trennung von Worten verwendet, "" kann für die Suche nach ganzen Zeichenfolgen benutzt werden (keine Indexsuche).

UND, ODER und NICHT sind Suchoperatoren, die den standardmäßigen Operator überschreiben.

+/|/- entspricht UND, ODER und NICHT als Operatoren.

Alle Suchwörter werden zu Kleinschreibung konvertiert.

Mitmachen!

Warum Frauen?


Warum fördert filia Frauen und Mädchen? –
Weil Frauen ihre Situation selbst am besten analysieren und Veränderungen bewirken können.

So eröffnete Prof. Dr. Angelika Henschel 2012 die Vernissage der Ausstellung „Die Hälfte des Himmels – 99 Frauen und DU“ von Annette Schiffmann mit folgenden Worten:

„Eine Frau zu sein ist eine Herausforderung.
Nicht, dass Männer es leicht hätten.
Aber Frauen haben es – fast immer und fast überall – schwerer.
Noch schwerer.
Wir müssen uns mehr anstrengen, mehr beweisen, mehr können, mehr ertragen.
Wir verdienen weniger, bekommen weniger Anerkennung, weniger Achtung, weniger Respekt.
Wir sind die Hälfte des Himmels (Lao Tse) und ‚die Nigger dieser Welt‘ (John Lennon).
Wir sind nicht besser. Aber wir sind anders.
Wir werden nicht immer Opfer. Aber wir werden es zu oft.“

So heißt es auf der Website zur Ausstellung „Die Hälfte des Himmels – 99 Frauen und Du“. Anders ausgedrückt ließe sich dazu auch vermerken: dass Gewalt gegen das weibliche Geschlecht laut Unicef weltweit zu den häufigsten Menschenrechtsverletzungen zählt. Jede dritte Frau wird in ihrem Leben einmal vergewaltigt oder zum Sex gezwungen bzw. auf andere Weise misshandelt, wobei Vergewaltigungen Verbrechen mit hoher Dunkelziffer darstellen. Allein in den USA geht man davon aus, dass jährlich 700.000 Frauen vergewaltigt werden oder andere Formen sexueller Gewalt erfahren, wobei 14,8 Prozent der vergewaltigten Frauen jünger als 17 Jahre alt sind. Auch sexuelle Übergriffe gegenüber Kindern bilden kein seltenes Verbrechen. So ergab eine peruanische Studie mit 12- bis 16-jährigen schwangeren Mädchen, dass 90 Prozent von ihnen durch Vergewaltigung bzw. Inzest schwanger geworden waren. Und Frauen und Mädchen tragen nicht nur in Friedenszeiten ein hohes Risiko, Gewalt zu erfahren, sondern sie sind vor allem in Kriegszeiten „sexualisierter Gewalt“ ausgesetzt.

Die im Namen der Religion oder Kultur verübte Gewalt gegen Frauen ist ebenfalls weltweit erschreckend verbreitet und äußert sich z. B. darin, dass 130 Millionen Frauen an ihren Genitalien verstümmelt wurden und jährlich ca. weitere zwei Millionen Frauen und Mädchen diese Form der Gewalt erleben. In Indien, so wird geschätzt, sterben ca. 15.000 Frauen durch so genannte Mitgiftmorde und sowohl in Pakistan wie auch in der Türkei werden im Namen der „Ehre“ jährlich mehr als 1000  bzw. 200 Frauen und Mädchen umgebracht.

Mehr als 60 Millionen Frauen „fehlen“ auf der Welt, aufgrund von geschlechtsselektiven Abtreibungen und Mädchenmorden. So ergab eine der letzten Volkszählungen in China, dass das Geschlechterverhältnis von neugeborenen Mädchen und Jungen bei 100 zu 119 lag (biologische Norm: 100 zu 103).

Auch Frauenhandel erweist sich weltweit als lukratives Geschäft, und so gehen Schätzungen von jährlich vier Millionen Frauen und Mädchen aus, die zum Zweck der Heirat, Prostitution oder Sklaverei ver- und gekauft werden. Der OSZE zufolge werden in Europa jährlich zwischen 120.000 und 500.000 Frauen von Ost- und Mitteleuropa nach Westeuropa „verschoben“.

Häusliche Gewalt wird als strukturelle Form der Gewalt in einer auf Geschlechterasymmetrie beruhenden Gesellschaft begriffen und bildet gemäß einer vom Europarat zitierten Statistik die Hauptursache für den Tod oder die Gesundheitsschädigung bei Frauen zwischen 16 und 44 Jahren, womit sie noch vor Krebs- und Verkehrsunfällen rangiert. Nach wie vor, so zeigt auch eine bundesrepublikanische Studie, ist jede vierte Frau in ihrem Leben einmal oder mehrmals von Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner betroffen, jede zweite bis dritte Frau hat in ihrem Erwachsenenleben körperliche Übergriffe und etwa jede siebte Frau hat sexuelle Gewalt durch bekannte oder unbekannte Personen erlitten (Schröttle, M., Müller, U. 2004).

Gewalt im Geschlechterverhältnis ist durch Vielschichtigkeit geprägt, weist unterschiedlichste Formen auf und vermag die körperliche und psychische Gesundheit der Opfer zu beeinträchtigen und zu schädigen, wie sie enorme finanzielle Kosten erzeugt. So werden z. B. die Folgekosten der Männergewalt in der Bundesrepublik auf jährlich 14,8 Milliarden Euro (Kosten für Justiz, Polizei, Ärzte, Ausfallzeiten am Arbeitsplatz etc.) geschätzt.

Bis heute ist es also nicht gelungen, die weltweite Männergewalt gegen Frauen zu beenden. Sie muss weiterhin als ungelöstes weltweites gesellschaftliches und soziales Problem erkannt und als Menschenrechtsverletzung bewertet werden.

Gewalt im Geschlechterverhältnis ist durch asymmetrische gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse gekennzeichnet. Sie „umfasst jede Verletzung der körperlichen oder seelischen Integrität einer Person, welche mit der Geschlechtlichkeit des Opfers und Täters zusammenhängt und unter Ausnutzung eines Machtverhältnisses durch die strukturell stärkere Person zugefügt wird“, wie Carol Hagemann-White es formuliert. Gesellschaftliche oder strukturelle Verhältnisse, die über ein traditionelles Täter-Opfer-Schema hinaus weisen, werden durch diesen Begriff beschrieben, wie auch geschlechtlich geprägte Machtverhältnisse hierdurch klar benannt werden, um die Notwendigkeit gesellschaftlicher Interventionen aufzuzeigen und die Gewalt zu beenden. Oder wie es der UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen 2007 formulierte: „Gewalt gegen Frauen ist immer eine Verletzung der Menschenrechte. Sie ist immer ein Verbrechen und niemals akzeptabel. Lassen Sie uns dieses Thema mit der entschlossenen Ernsthaftigkeit angehen, die es verdient“ (zit. n. Prasad 2011: S. 5). Die UN-Frauenrechtskonvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (Convention on the elimination of all forms of discrimination against women, CEDAW, hier für Gewaltfrage Art. 12, 19), die 1981 in Kraft trat und 1985 von der Bundesregierung ratifiziert wurde, bietet seitdem auch die Möglichkeit, mit rechtlichen Mitteln gegen Gewalt gegen Frauen vorzugehen, wie auch Politik, Staaten und Gesellschaften aufgefordert sind, die unterschiedlichen Formen der Gewalt, die Frauen tagtäglich und weltweit erfahren, zu bekämpfen sowie ausreichend finanzielle Mittel für Gewaltprävention und Intervention bereitzustellen.

Geschlechterdemokratie, also die gleichberechtigte kulturelle, gesellschaftliche und soziale Teilhabe der Geschlechter, der Aufbruch aus traditionellen Geschlechterrollen und die Veränderung der klassischen Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern, könnte eine gewaltfreiere Realität für Männer und Frauen ermöglichen. Denn solange Gewalttätigkeit automatisch mit Männlichkeit assoziiert wird, bildet Gewalt gegen Frauen in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen auch ein Mittel zur Demonstration und Bestärkung eben dieser Männlichkeit. Politik, Bildung und Erziehung sind deshalb auch gefordert, veränderte Geschlechterverhältnisse, Männer- und Frauenbilder zu vermitteln und somit einen Beitrag zur Gewaltfreiheit zu liefern.

filia.die frauenstiftung versteht sich seit 2001 nicht nur als Advokatin und Lobbyistin für die Belange, Chancen und Rechte von Frauen weltweit, sondern setzt sich auch aktiv durch die Finanzierung von Projekten für den Abbau benachteiligender gesellschaftlicher Strukturen für Mädchen und Frauen und eine gerechtere, menschenwürdigere, vielgestaltige und gewaltfreie Welt ein. Durch internationale Vernetzung mit anderen Frauenstiftungen, Wertschätzung, Respekt und Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Projektpartnerinnen versucht filia nachhaltig sozialen und gesellschaftlichen Wandel zu befördern, indem sie Frauen und Mädchen in ihrer Selbstermächtigung und Autonomie unterstützt.

Als feministisch orientierte Gemeinschaftsstiftung, durch die mehr Frauen ihr Kapital und ihre Ideen investieren können, um mehr Macht, Einfluss und Geschlechterdemokratie zu erlangen, konzentriert sich filia in ihrer Förderstrategie bis zum Jahr 2016 vor allem auf die Themen „Partizipation“ und „Freiheit von Gewalt“. Hierbei werden längerfristige Partnerschaften in Mittel- und Osteuropa angestrebt.

In Kooperation mit Schwesterstiftungen unterstützt filia darüber hinaus auch Projekte im Globalen Süden, z. B. in Südafrika und Haiti.

Auch in Zentral-Ost-Europa, z. B. in Aserbaidschan, Belarus, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Georgien, Mazedonien, Moldawien, Serbien, der Slowakei, der Tschechischen Republik, Tschetschenien (Russland) und in der Ukraine, wurden Frauen und Mädchen in ihrem Recht auf körperliche und psychische Unversehrtheit durch filia unterstützt, wodurch sozialer Wandel in diesen Ländern befördert werden konnte.

Und natürlich wurden auch in Deutschland bereits viele Projekte im Themenfeld Freiheit von Gewalt gefördert, wie z. B. die autonomen Frauenhäuser in Hamburg, der AK Gewalt gegen Frauen sowie FoRum e. V. (Fortbildung und Unterstützung für Menschen mit und ohne Behinderungen). Wege aus der Gewalt und ein Ausbrechen aus der Gewaltspirale sind möglich. Wir wollen aufklären über Gewalt und sensibilisieren für die vielfältigen Gewalterfahrungen von Frauen, ohne Hoffnungslosigkeit zu erzeugen, indem wir Besucherinnen involvieren und Schulklassen mit Jugendlichen ab 14 Jahren einladen, sich dem Thema „Freiheit von Gewalt“ zu nähern. So hoffen wir, sie zu eigenen Projekten zu inspirieren und zu motivieren.

Indem wir als Frauenstiftung diese Ausstellung finanziell mit gefördert haben, haben wir unsere Unterstützung und Solidarität mit von Gewalt betroffenen Frauen sichtbar gemacht, um Mut für Aufbruch zu erzeugen und um Gewaltfreiheit denken zu können. Damit eröffnen wir auch zukunftsfähige Veränderungsperspektiven, die der Solidarität und Unterstützung anderer Frauen bedürfen. Denn ein gewaltfreies Leben kann auch bedeuten, die Opferrolle zu verlassen und sich im Sinne von Empowerment Zugänge zur Entscheidungsmacht und zu einer gerechteren Ressourcenverteilung zu verschaffen, sich also, wie es uns die Ausstellung nahelegt, die Hälfte des Himmels zu erobern.

(Frauen-)Solidarität für eine gewaltfreie Welt ist notwendig angesichts der universellen Unterdrückung und Gewalt, die Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts erfahren.

Und wir würden uns freuen, wenn auch Sie Interesse hätten, sich durch eine finanzielle Unterstützung von filia mit uns auf den Weg zu machen, mehr gesellschaftliche Partizipation von Frauen und Mädchen zu erreichen, damit die Freiheit von Gewalt nicht länger nur Utopie bleibt, sondern von Frauen und Mädchen so auch zukünftig erfahren werden kann. Oder wie es auch auf der Website zur Ausstellung heißt:

„Es ist nicht wichtig, ob die, die ich anschaue, Gewalt erlebt haben oder nicht. Wichtig ist, dass wir uns gemeinsam zeigen. Wir alle. Als Frauen.“


Literatur:
Hagemann-White, C.: Strategien gegen Gewalt im Geschlechterverhältnis. Bestandsanalyse und Perspektiven. Pfaffenweiler 1992. In: Gewalt im Geschlechterverhältnis GiG-net (Hg.), Opladen 2008, S. 8.
Jungnitz, L; Lenz, H.-J. et al (Hg.): Gewalt gegen Männer, Opladen 2007.
Prasad, N.: Mit Recht gegen Gewalt. Die UN-Menschenrechte und ihre Bedeutung für die Soziale Arbeit, Opladen 2011.
Schröttle, M.; Müller, U.: Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland, Berlin 2004.
Seifert, R.: Krieg und Vergewaltigung. Ansätze zu einer Analyse, in: Das Argument, Heft 197, S. 81–90.