„Jede*r sollte Feminist*in sein“ – 3 Jahre FemFund in Polen

 In Allgemein, Kooperation, Mittel- und Osteuropa

Foto: agata kubis / .kolektyw

Die polnische Frauenstiftung FemFund ist gerade einmal drei Jahre alt. filia durfte die Stiftung von der Gründung 2018 bis heute begleiten. Von der Arbeit unserer polnischen Kolleg*innen sind wir beeindruckt – besonders vor dem Hintergrund der politischen Lage in Polen.

Das politische Klima in Polen wird schwieriger

„FemFund arbeitet in einem schwierigen politischen Umfeld.“, beschreibt Magdalena Pocheć die Situation. „Im Oktober 2020 wurde ein fast vollständiges Verbot der Abtreibung eingeführt. Besorgniserregend ist auch die fortschreitende Schließung des Spielraums für gemeinnützige Vereine und Stiftungen (…) Ein weiterer Risikofaktor ist die möglicherweise zunehmende Repression der staatlichen Behörden gegenüber Aktivist*innen und Bürger*innen, die sich der staatlichen Politik widersetzen.“

Empowernde Projekte und öffentliche Debatten

Trotzdem kann FemFund auf ein erfolgreiches und empowerndes Förderprogramm schauen, mit dem sie die kreativen und aktiven Frauenprojekte im Land fördern können. Zwei der Förderpartner*innen stellen wir hier vor:

MenstrUlka aus Wroclaw

Ada, Bożena und Lucyna kämpfen gegen Menstruationsarmut und die Tabuisierung der Periode in Polen. Die Idee für ihre „Pink Box“, die kostenlose Menstruationsprodukte enthält, kam, als sie über obdachlose Frauen sprachen: „Sieh mal, auch diese Frauen menstruieren, sie bekommen ihre Periode. Wann waschen sie sich, wo waschen sie sich, wie wechseln sie Binden und Tampons?“ Sie erfanden die Heldin MenstrUlka und installierten die erste „Pink Box“ an einem öffentlichen Ort in Wroclaw. „Wir möchten, dass Binden, Tampons und Menstruationstassen für alle Menschen, die menstruieren, zugänglich sind, unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten. An öffentlichen Orten, genauso wie Seife oder Toilettenpapier.“ Inzwischen gibt es überall in Wroclaw MenstrUlkas pinke Boxen.
MenstrUlka möchte aber noch mehr: Es geht den Gründerinnen nicht nur um die Versorgung mit Hygieneprodukten, sondern auch darum, das Thema Menstruation zu enttabuisieren. In Workshops sprechen sie mit Mädchen und jungen Frauen über ihre Körper und ihre Periode. „41 % aller Personen sprechen zuhause nicht über Menstruation“, wissen die Frauen. Die Workshops nehmen dem Thema das Schambehaftete und ermutigen zu einem selbstbewussten Umgang mit der eigenen Periode. Danke, MenstrUlka!

Hier gibt ein Video von MenstrUlka.

Brave Girls aus Walbrzych

„Es schmerzt mich, dass Frauen, auch wenn sie die gleichen Rechte haben, nicht gleich behandelt werden.“ Diese Ungerechtigkeit möchten Emilia und neun weitere Jugendliche der Gruppe „Brave Girls“ nicht länger hinnehmen. Sie gründeten die „Brave Girls“ und organisierten ein Sommer-Camp, in dem sie sich mit anderen jungen Frauen zu feministischen Themen austauschten und fortbildeten. Auch Projektbesuche bei feministischen Organisationen stehen auf der langen To-Do-Liste der Brave Girls. „Viele junge Frauen haben ähnliche Themen und Probleme. Sie verstehen sich untereinander und deshalb ist es eine große Unterstützung für uns, wenn wir die Möglichkeit haben, miteinander zu sprechen und Wissen zu teilen.“ Auch Jungen werden von den „Brave Girls“ angesprochen, „um ihnen ein paar Dinge zu erklären“. Denn davon sind die jungen Frauen überzeugt: „Feminismus ist wie eine rauschende Feier. Jede*r sollte Feminist*in sein!“

Hier gibt es ein Video der Brave Girls.

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