Empowerment von geflüchteten und migrantischen Frauen*

 In Allgemein, Empowerment

„Wir sehen Frauen als Heldinnen, die leider nicht immer für ihre großen Leistungen, ihr Engagement und ihren Beitrag gesehen und anerkannt werden.“ Dass gerade Frauen* mit Migrationsbiografie und Fluchterfahrung, die politisch aktiv sind, andere unterstützen und gesellschaftliche Verbesserungen erstreiten, oft übersehen werden, wollte die Organisation MeineWelt aus Lampertheim nicht länger hinnehmen. Ihr Projekt „Unsichtbare Heldinnen“ nimmt diese Frauen in den Fokus. Die Projektinitiatorinnen* bringen mit ihrem Zitat und ihrer Projektidee auf den Punkt, worum es filia zum Teil auch im Empowerment-Programm Frauen* und Flucht (EFF) geht. Neben der praktischen finanziellen Unterstützung wollen wir das Empowerment von geflüchteten und migrantischen Frauen* sowie Inter*, Trans*, queeren und nicht-binären Geflüchteten und Migrant*innen sichtbarer machen. Im Weiteren stellen wir das Projekt von MeineWelt und einige andere Projektpartnerinnen* der ersten Förderrunde von EFF vor.

Geschützte Räume für Frauen* sind wichtig

Und wie ging MeineWelt an diese Aufgabe? Das geschah auf zweierlei Weise. organisierten sie digitale Begegnungscafés für die Aktivistinnen*. Hierbei war es ihnen vor allem wichtig, geschützte Räume zu bieten, in denen die Teilnehmenden die Möglichkeit hatten, sich frei und „ohne männliche Präsenz“ auszutauschen. Diese Cafés wurden sehr gut angenommen und MeineWelt plant, weitere Begegnungscafés in weiteren Sprachen anzubieten. Zum anderen interviewte MeineWelt zehn Aktivistinnen*. In den Gesprächen ging es u. a. um Frauen* in der politischen Bildungsarbeit, Leben zwischen zwei Heimaten und die politische Partizipation von Migrantinnen*. Die Interviews können auf der eigens für dieses Projekt eingerichteten Webseite angeschaut werden.

Empowerment-Workshops und Multiplikatorinnen*

Auch andere Gruppen schufen, z. B. durch Workshop-Angebote, sichere und empowernde Räume für geflüchtete und migrantische Frauen*: die Break Isolation Group (BIG) der Berliner Organisation International Women Space (IWS) konzentrierte sich dabei auf Frauen*, die in Lagern leben und sich im Asylprozess befinden. In den Workshops wurden diese Frauen* mit Informationen versorgt, die sie selten oder gar nicht von offizieller Stelle erhalten. Durch die Corona-Pandemie konnten diese Workshops nur mit begrenzter Teilnehmerinnen*-Zahl stattfinden. Allerdings agierten die teilnehmenden Frauen* in ihren Lagern als Multiplikatorinnen*, sodass das Wissen aus den Workshops weiter verteilt wurde und weitere Vernetzung stattfand. IWS spricht hierbei von holistic empowerment (deutsch: ganzheitliche Stärkung) und betont „One empowered woman means many empowered women” (deutsch: Eine gestärkte Frau bedeutet viele gestärkte Frauen). Bemerkens- und absolut hörenswert sind auch die so genannten Lager Reports, die Teilnehmerinnen* während des Lockdowns über die Situation in ihren Lagern einsprachen und selbst produzierten: https://iwspace.de/lager-reports/.

Intersektion von Isolation und Diskriminierung

Die Themen Diskriminierung und Isolation wurde nicht nur von BIG/IWS thematisiert, sondern waren auch bei Migrant Mom‘s Mic ein wichtiges Thema. Mit ihren Workshops wollte die Gruppe geflüchtete und migrantische Mütter inspirieren ihre eigenen Geschichten öffentlich zu teilen und ihre Stimmen zu erheben, denn „[…] ein genaues Bild von Migrantenmüttern*, ihren Kämpfen, Fähigkeiten, Leidenschaften […] kann es uns ermöglichen, in der Gesellschaft mehr Gehör zu finden und ernst genommen zu werden“ (Zitat aus dem Projektbericht von Migrant Mom’s Mic; aus dem Englischen übersetzt). Dementsprechend fanden u.a. zwei Workshops zu Kreativem Schreiben und einer zu Podcasting statt. Die Gruppe veranstaltet auch Workshops zu anderen Themen, insbesondere zum Thema Rassismus und wie Mütter ihre Kinder vor rassistischer Diskriminierung in Kindergarten und Schule schützen können.

Unterstützung queerer Geflüchteter*

Die Arbeit des Vereins Rainbow Refugees Mainz Vereins Rainbow Refugees Mainz wurde ebenso wie die aller anderen EFF-Projektpartner*innen massiv durch die Corona-Pandemie erschwert: Externen war der Besuch der Lager oder Heime, in denen geflüchtete Menschen leben, teilweise verboten. Da diese Orte meist kein WLAN haben, war auch die Kommunikation nach außen beeinträchtigt und die geflüchteten Menschen wurden noch stärker vom Rest der Gesellschaft isoliert.

Rainbow Refugees Mainz betreuten im Rahmen ihres Projektes vier queere geflüchtete Frauen* sowie zwei Trans-Frauen*. Im Rahmen der Betreuung werden die Frauen* zum Beispiel auf Behördengänge und -interviews vorbereitet: „Es ist allgemein bekannt, dass die Behörden queeren Menschen oftmals das Asylverfahren sehr schwer machen. Hier leiden lesbische Frauen* besonders, denn ihre Sexualität wird von den Behörden oft völlig ignoriert“ (Zitat aus dem Projektbericht von Rainbow Refugees Mainz). In den mehrstündigen Anhörungen während des Asylverfahrens müssen die Frauen* häufig intimste Fragen, beispielsweise zu häuslicher Gewalt nach ihrem Outing, beantworten. Hier setzt die Mainzer Organisation auf Gruppen- und Einzel-Coachings, um ihre Klientinnen* möglichst gut vorzubereiten.

Empowerment von geflüchteten und migrantischen Frauen* weiter stärken!

Die Rückmeldungen, die wir von den Organisationen der ersten Förderrunde des Empowerment-Programms Frauen* und Flucht erhalten haben, zeigen, dass all diese und weitere Aktivitäten dringend notwendig sind. filias Unterstützung trug dazu bei, wichtige Angebote für geflüchtete und migrantische Frauen* sowie Inter*, Trans*, queeren und nicht-binären Geflüchteten und Migrant*innen zu schaffen. Diese Angebote dürfen nicht zu Eintagsfliegen werden. Es braucht größere Kontinuität bei der finanziellen Förderung ihrer Arbeit. filias Beitrag kann nicht alle Bedarfe decken. Es bedarf eines gesamtgesellschaftlichen Umdenkens, dass die Erfahrungen und Kämpfe, das Engagement und die Arbeit von geflüchteten und migrantischen Frauen* wertschätzt und in den Fokus nimmt.

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