“Thank you for your true feminist solidarity!” – Schnelle Unterstützung für Frauen* und Kinder in der Situation des Krieges in Armenien

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In unserem letzten Newsletter filia_news Ende 2020 hatten wir es angedeutet: Unsere Partnerinnen* aus Armenien mussten ihre Beteiligung an unserer Workshop-Reihe des Projektes „Basisfrauen für Demokratie“ im Herbst abbrechen. “Die Situation ist grauenhaft, mir fehlen die Worte, um die Ungerechtigkeit und das Leid auszudrücken, dass die Menschen in Armenien jetzt erleben müssen wegen der Aggression durch die Türkei und des totalen Schweigens der übrigen Welt.“, So beschrieb es Gohar Shahnazaryan, Leiterin* vom Women’s Fund Armenia WFA am 16. 10. 2020.
Über Nacht war der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach wieder ausgebrochen.
Die Frauen* der armenischen Frauenstiftung und vom Women’s Resource Center Jerewan bemühten sich, existenzielles Leid zu mindern. Eine spontane Spendensammlung von filia-Frauen* und eine Eilförderung wurde von ihnen so genutzt: “Wir haben bereits 80.000 Vertriebene, meistens Frauen* und Kinder. … Wir können das Geld nutzen für Notfallpakete (Hygieneartikel für Frauen*, Babynahrung, warme Sachen und Decken…) und für sozialpsychologische Unterstützung, denn unsere mentale Gesundheit verschlechtert sich von Tag zu Tag.“

Dazu kam die Pandemie-Situation: „Die Anzahl von Covid-Erkrankten steigt so schnell. Viele in meiner Umgebung sind erkrankt. Der Virus hilft uns nicht in dieser Kriegssituation.“, so Lara Aharonian, feministische Friedensaktivistin in ihrem Tagebuch, das sie täglich während der Kriegshandlungen über Facebook veröffentlichte.

Frauenpolitischer Protest und Analyse

Die Frauen* protestierten vor verschiedenen Botschaften und einem EU-Büro. Die politische Einschätzung durch Gohar: „Aber was kaum jemand versteht: Dieser Krieg ist das Resultat der Revolution. Zwei korrupte Diktatoren greifen eine sich gerade neu etablierende Demokratie an, weil sie befürchten, dass eine Revolution auch ihr Land verändern könnte.“

Dieser Artikel entsteht an dem Tag, an dem der Präsident Nikol Paschinjan zurücktritt (25.4.2021). Er tritt zurück, um Neuwahlen im Juni 2021 zu ermöglichen, denn als er sich 2020 auf den Waffenstillstand einließ, der Gebietsverluste für Armenien beinhaltete, kam es zu Protesten. In Folge dessen votierte Paschinjan für vorgezogene Wahlen im Juni 2021 und räumt daher seinen Platz, um diese Wahlen zu ermöglichen.

Das scheint die Analyse von Gohar zu bestätigen. Paschinjan hatte im April 2018 die revolutionäre Bewegung in Armenien angeführt und war dann bei Parlamentswahlen mit über 70 % zum Präsidenten gewählt worden. Die Bevölkerung hatte sich einen Machtwechsel durch andauernde Demonstrationen und klare Forderungen erkämpft. An der „samtenen Revolution“ waren auch viele Frauen* beteiligt. Dann setzte – wie so oft – Ernüchterung ein: Nur wenige Frauen*, die vorher so aktiv und sichtbar mit gekämpft hatten, wurden in die Besetzung und Konzeption politischer Strukturen einbezogen.

Immerhin konnte die bekannte feministische Menschenrechtsaktivistin* Lara Aharonian sich während einer Parlamentsdebatte für Frauenrechte* und gegen Homophobie stark machen. Die darauf folgenden Bedrohungen in den sozialen Medien und direkt auf der Straße lösten internationale Solidarität aus.

Basisfrauen für Demokratie

Das führt uns wieder zurück zum Ausgangspunkt: Denn das Projekt „Basisfrauen“ ist eine direkte Reaktion auf Antifeminismus und Bedrohungen von Aktivistinnen*. Das Armenische Resource Center nutze die Gelegenheit innerhalb des Projektes, ihre Recherchen zu dem Thema zu veröffentlichen. Sie untersuchen Antigenderkampagnen, ihre Rhetorik und Ziele im postrevolutionären Armenien. Hier finden Sie die Ergebnisse in englischer Sprache.

Im April 2021 luden die Frauen* vom WFA Nina Hälker und Katrin Wolf von filia zu einem life talk ein. Hier können Sie auch auch Gohar und ihre Kollegin* Siran Hovhannisyan von der armenischen Frauenstiftung erleben.

*alle Zitate sind aus Mails von Gohar Shahnazaryan bzw. aus dem Facebook-Tagebuch von Lara Aharonian.

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