Lessan e.V. kämpft gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C)

LESSAN. Ein Wort der Yoruba-Sprache, die in Benin und anderen Ländern Westafrikas von mehr als 30 Millionen Menschen gesprochen wird. Es heißt in etwa: „Niemand ist perfekt. Sei die Veränderung, die du sein möchtest.“ LESSAN – zwei Silben, die es in sich haben. Dass ein einziges Wort so viel Bedeutung haben kann, ist für Menschen, die mit Deutsch als Erstsprache groß geworden sind, überraschend. Für Dr. Gwladys Awo, Gründerin von LESSAN, ist es ein Aufruf. LESSAN! Der Verein kämpft gegen weibliche Genitalverstümmlung (FGM/C) und klärt auf, berät, arbeitet präventiv. Vor allem begleitet Lessan nach Deutschland geflüchtete Frauen und Mädchen, die von FGM/C, aber auch von anderen geschlechtsspezifischen Gewaltformen und Rassismus betroffen sind.

Ganzheitliche Unterstützung für Frauen und Mädchen

„Wenn eine von FGM betroffene Frau in Deutschland Asyl beantragt, ist es wichtig, dass sie von Menschen beraten und begleitet wird, die sich mit dem Thema auskennen. Deshalb arbeiten wir nur mit Übersetzer*innen, die mit den nötigen Vokabeln vertraut sind. Wir sensibilisieren Sozialarbeiter*innen. Und vor allem helfen wir der Frau, ihre traumatisierende Geschichte erzählen zu können.“ Oft seien die Frauen jahrelang auf der Flucht gewesen und kommen gebrochen in Deutschland an. „Ihr ganzer Körper, jede Zelle, hat die traumatisierenden Erlebnisse aufgenommen. Viele lehnen eine klassische Gesprächstherapie ab. Denn über das Erlebte zu sprechen, ist für sie unmöglich.“ LESSAN arbeitet deshalb mit ganzheitlichen Methoden, zum Beispiel mit Klangräumen: Die Frauen können sich den Raum nehmen, Musik zu machen, Klänge zu erfahren und ihren ganzen Körper durch die Musik zu aktivieren. Für viele sei das ein erster Schritt, sich wieder zu spüren, Dinge wahrzunehmen und sich öffnen zu können. „Es ist wie eine Heimat, die verborgen geblieben ist.“ Beschreibt Dr. Gwladys Awo das, was die Frauen sich mit der Musik schaffen.

Gut zu wissen

Der 6. Februar ist der Internationale Aktionstag gegen weibliche Genitalverstümmelung. Aktivist*innen und Organisationen weltweit machen (nicht nur) an diesem Tag darauf aufmerksam, dass FGM eine Menschenrechtsverletzung ist. Nach Schätzungen von UNICEF leben gegenwärtig mindestens 230 Millionen Frauen und Mädchen mit den Folgen weiblicher Genitalverstümmelung. Jedes Jahr sind weitere drei Millionen Frauen und Mädchen bedroht.

Infos über FGM https://lessan.eu/weibliche-genitalverstuemmlung

Tabu brechen, ohne zu stigmatisieren

Über die Beratung- und Unterstützungsangebote für betroffene Frauen hinaus, betreibt LESSAN in Deutschland und mit europäischen Partner*innen Aufklärungsarbeit. In Deutschland sind laut Schätzung des Bundesfamilienministeriums etwa 123.000 Mädchen und Frauen betroffen oder bedroht. „Wir gehen in die Communities und klären auf. Wir besprechen das auch mit den Männern, denn oft sind sie die Entscheider.“ Auch daran, dass es seit 2021 einen Schutzbrief gibt, hat LESSAN beratend mitgearbeitet. „Der Schutzbrief hilft, darauf aufmerksam zu machen, dass weibliche Genitalverstümmelung gegen deutsches und internationales Recht verstößt und schwere strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.“ Frauen und Mädchen, aber auch andere Familienmitglieder können den Schutzbrief bei Reisen ins Ausland im Pass mit sich führen. Dieses offizielle Dokument ist glaubwürdig und kann zum Beispiel Verwandten gezeigt werden. Das schreckt ab. Der Schutzbrief kann auch als Sensibilisierungswerkzeug genutzt werden, um das Tabu rund um FGM/C zu brechen, ohne zu stigmatisieren.

Wieder lachen können

Woher nimmt Dr. Gwladys Awo die Kraft, den Verein seit 2009 zu leiten und voranzutreiben – trotz des belastenden Themas, trotz der immer knappen finanziellen Mittel, trotz des riesigen Berges an Aufklärungsarbeit, der noch nötig ist. „Mein Ziel ist es, die Frauen wieder über das ganze Gesicht lachen zu sehen.“ Zum Beispiel, wenn sie Hobbies entwickeln oder eine Ausbildung anfangen. Das mit dem Lachen passiere dann zum Glück sehr oft.

Hinweis: filia fördert Graswurzelgruppen, die sich für Freiheit von Gewalt und Empowerment einsetzen. LESSAN e.V. haben wir im Rahmen unseres Empowerment-Programms Frauen* und Flucht (jetzt Teil von RISE) gefördert. Auf unserer Website und in unserem Newsletter informieren wir regelmäßig über das Engagement und die Erfolge unserer Partner*innen.

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