Feminist Joy – Wie Freude feministische Bewegungen stärkt

… und was das mit filia zu tun hat.

Enjoy the Fight – wirklich? In Zeiten, in denen autoritäre Kräfte lauter werden und Aktivist*innen unter enormem Druck stehen, wirkt dieser Satz fast provokant. Was sollen wir am Kämpfen bitte genießen?

Vom Augenblick zum Aufbruch

Doch genau da beginnt unsere Geschichte. Beim Kämpfen und Aufbegehren. Wir erkennen Unrecht, manchmal schleichend, manchmal plötzlich. Jäh offenbart sich ein Missstand, den wir vielleicht schon länger erahnen, der uns aber jetzt regelrecht ins Gesicht springt. Wir schauen uns beim Elternabend um und sehen wieder nur Frauen. Wir werden im Meeting erneut unterbrochen und es fällt uns wie Schuppen von den Augen: Das muss diese Gläserne Decke sein. Wir bezeugen Gewalt und sehen uns um: Fällt es denn niemandem auf? Dass es kein Zufall ist, wer von Gewalt betroffen ist und wer sie ausübt.

Was in diesen abrupten Augenblicken passiert, nennt die Geschlechterforscherin Sara Ahmed „Snap“. Der Puls kocht hoch und es bricht aus uns heraus: Wie kann das sein?! Das darf nicht sein!

Und wenn die Umstände es zulassen, wird aus „Snap“ eine Antriebskraft für Emanzipation, die uns vereint: Die einen nennen es feministischen Kampf. Die anderen nennen es Aufstehen, Fordern, Engagieren, sagen, was Sache ist – zu Hause oder auf der Straße, am Gartenzaun, in der Gemeinde und in den Parlamenten. Ganz schön heftig, wie viel Energie so viele aufbringen, die eigentlich eine Pause brauchen. Doch einen Lichtblick lehren uns die Jahrzehnte um Jahrzehnte mutiger und kluger Frauen, Mädchen und LBTIQ+.

Auftritt: Feminist Joy

In Enjoy steckt Joy, jene kraftvolle, nährende Freude, die nicht naiv ist, sondern bewusst. Freude, die Audre Lorde einmal als „reservoir of strength“ beschrieb –eine Quelle, aus der wir Stärke und Mut schöpfen, gerade dann, wenn der Gegenwind rau wird.

Feminist Joy ist mehr als ein gutes Gefühl. Sie ist Überlebensstrategie, politische Haltung und kollektive Praxis. Die feministische Vordenkerin Audre Lorde erkannte diese transformative Kraft der Freude bereits in den 1980ern. In A Burst of Light schreibt sie über Frauen, von denen sie lernte, dass Freude ihre stärkste Waffe sei. Ein Alleinstellungsmerkmal – unbegrenzt, verbindend, unübersehbar. Lorde schreibt auch: Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern Selbsterhaltung und Schutz – und das ist ein Akt politischer Gegenwehr. Self-Care, nicht im Sinne von Duftkerzen und Schaumbad, sondern als Fürsorge, schafft die Basis für langfristiges Engagement. Sich freuen und sich erholen sind – grade im leistungsgetriebenen Kapitalismus – Formen des Widerstands.

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Aktivist*innen bei einem Netzwerktreffen in Belgrad

Feminist Joy als kollektive Praxis

Doch Feminist Joy hört nicht bei einzelnen Personen auf. Joy entsteht in Gemeinschaft – überall dort, wo Solidarität gestärkt und Räume für Verbindungen geschaffen werden. Partnerinnen wie Black Justice Poland sprechen von „Joy and Rest in Community“ und zeigen wie das in der aktivistischen Praxis gehen kann.

BJP ist eine schwarz geführte Stiftung in Polen, die sich für die Rechte, Würde und das Wohlergehen von schwarzen, afrikanischen und afro-stämmigen Communities in Polen einsetzt. Ursprünglich als Notfallmaßnahme nach der umfassenden Invasion Russlands in die Ukraine im Februar 2022 gegründet, arbeitet die Gruppe heute zusätzlich strukturell für Menschenrechte, Antirassismus und Antidiskriminierung.

Sie fördern Solidarität und Zugehörigkeit durch Interessenvertretung oder direkter Unterstützung in den Bereichen Wohnen, Rechtsberatung und materielle Hilfe. Ob lockere Zusammenkünfte oder strukturierte Workshops – Black Justice Poland setzen unter anderem auf die unersetzliche Freude im Miteinander und erreichen so Großes. filia konnte Black Justice Poland 2025 mit der ersten Förderung seit ihrer Eintragung als Stiftung unterstützen.

Der Treibstoff feministischer Bewegungen

Bei filia-Projekten weltweit sehen wir: Resilienz ist kein Zufallsprodukt. Sie entsteht, wenn Menschen sich gegenseitig ermutigen. Freude wirkt dabei wie ein sozialer Klebstoff – sie hält Bewegungen zusammen, nährt Mut und schützt vor Erschöpfung. filias Resilienz-Programm setzt an diesem Kollektivgedanken an und wird mit einer Kollaboration mehrerer Stiftungen eine Feministische Akademie auf die Beine stellen, um Aktivist*innen nachhaltig zu vernetzen und zu stärken.

Fortschritt braucht Wut über Ungerechtigkeit – aber er braucht genauso Freude. Freude darüber, dass Veränderung möglich ist. Freude über kleine Siege. Freude über Gemeinschaft.

Und genau darum sagen wir: Enjoy the Fight. Nicht, weil die Anstrengungen leicht fallen. Sondern weil wir wissen, dass wir sie gemeinsam unternehmen.

Lesetipps

Feminist Joy Toolkit (engl.)
https://prevention-collaborative.org/Feminist-Joy-Toolkit (PDF)

Sara Ahmed Blog (engl.)
https://feministkilljoys.com (LINK)

Sara Ahmeds Buch „Feminist Killjoy. Das Handbuch für die feministische Spaßverderber:in“
https://unrast-verlag.de/feminist-killjoy (LINK)

Audre Lordes Buch „Ein strahlendes Licht“
https://akiverlag.com/books/audre-lorde (LINK)

Mehr über Audre Lorde
https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/audre-lorde (LINK)

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