Neue Förderungen für Deutschland entschieden

Im Sommer 2025 endete die offene Ausschreibung für filias neue Förderungen im Programm RISE in Deutschland. Ganze 387 FLINTA-Gruppen bewarben sich auf die Unterstützung ihres Engagements. Das sind unglaublich viele (Und wir wünschten wir könnten noch mehr fördern!). So viele, die sich für Freiheit von Gewalt, für Teilhabe und Demokratie einsetzen. Fest steht: 42 Förderpartner*innen erhalten ab sofort ein- bis dreijährige Förderungen. Doch wie konnten solche schwierigen Entscheidungen getroffen werden?

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Rise and shine in Hamburg

Es ist Mitte Oktober, ein herbstlicher Morgen in Hamburg. Für den RISE-Beirat heißt es heute: Rise and shine! Das 13-köpfige Gremium aus Engagierten und Aktivist*innen trifft sich, um gemeinsam über die Förderungen zu entscheiden. Die ehrenamtlichen Beirät*innen bringen nicht nur fachliche Expertise, sondern auch persönliche Erfahrung mit – sie sind feministisch engagiert und repräsentieren die Perspektiven der Zielgruppe. Schon am Vorabend sind viele angereist. Einige kennen sich bereits aus vorherigen Beiratsstrukturen, einige sind ganz neu dabei. Alle haben das arbeitsreiche Wochenende vorbereitet und dutzende Anträge gelesen. Doch an diesem Samstagmorgen geht es ans Eingemachte. Zwischen Pinnwänden, Kinderecke und Kaffee wissen alle Beteiligten: Wir tragen Verantwortung und müssen richtig reinhauen, denn starke FLINTA braucht das Land.

Förderungen in Deutschland – von und für Frauen, Mädchen und LBTIQ

Von einer „Zielgruppe“ der Ausschreibung war bereits die Rede – aber wer ist damit gemeint? filia wurde vor fast 25 Jahren als Gemeinschaftsstiftung gegründet, um diejenigen zu stärken, die mehrfach benachteiligt werden. Heute sprechen wir von intersektionalem Feminismus: Feminismus, der berücksichtigt, dass Identitäten wie Geschlecht, Klasse, (zugeschriebene) Herkunft, Behinderung oder sexuelle Orientierung zusammenwirken und unterschiedliche Diskriminierungserfahrungen erzeugen. Dass Frauen, Mädchen und LBTIQ frei von Gewalt leben können, empowert werden und gesellschaftlich und demokratisch teilhaben, ist das ultimative Ziel der Stiftungsarbeit.

Keine leichte Entscheidung

Zentral ist folglich im RISE-Programm: Werden Entscheidungen von FLINTA getroffen? Ist die Zielgruppe aktiv in die Planung der Angebote eingebunden? Richtet sich das Angebot gezielt an mehrfach diskriminierte FLINTA?

Dazu stellen sich die Beirät*innen die Frage: Berücksichtigt die Gesamtheit der Initiativen möglichst viele verschiedene Gruppen in ganz Deutschland? Alle Altersgruppen, den ländlichen Raum, spezielle Themen oder akute politische Zustände – denn das Programm versucht dort zu unterstützen, wo viele andere Förderungen nicht greifen oder ankommen.

Gemäß der Forderung „Nothing about us without us” gibt filia die Entscheidungsmacht an das RISE-Gremium ab. Dieser Prozess der Mit- und Selbstbestimmung und Partizipation ist jedoch kein leichter. Am Sonntag nach zwei Tagen in Hamburg voller Diskussionen und Kompromisse rauchen die Köpfe. An allen Wänden hängen Zettel und Klebepunkte und zeugen von einem intensiven Prozess. Zweifel kurzerhand überstimmen gibt es hier nicht – alle Beirät*innen sind mit dem Herzen dabei und sollen mit der Entscheidung leben können

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Unterstützung für feministisches Engagement in Deutschland

Schließlich ist auch das letzte Handzeichen gegeben, die letzte Förderdauer besprochen. 42 neue Förderpartner*innen stehen fest. Von Köln bis an die Ostsee, von Brandenburg bis Bayern konnte filia in den vergangenen Wochen frohe Kunde überbringen. Diese Telefonate sind ein absolutes Highlight unserer Arbeit!

Mit dabei sind inspirierende Projekte: Handarbeitstreffen für ältere FLINTA mit Fluchterfahrung, Theaterangebote für queere Jugendliche im ländlichen Raum, Vereine der afrodiasporischen Community, ein Jugendforum für Innovationen, ein feministisches, palästinensisches Archiv, ein Magazin, Segelboot, Café, Bauernhöfe! Tolle Projekte aus der kurdischen oder Rom*nja-Community und so viele mehr.

Wir können noch mehr!

In einer erfolgreichen Ausschreibung liegt allerdings eine weitere Erkenntnis. Nämlich das Signal, dass es einen enormen Bedarf gibt, aber oft keine (sichere) Förderung durch öffentliche Mittel. Und den großen Wehmutstropfen: Mit noch mehr Mitteln und freien Spenden könnten noch mehr Engagierte und Graswurzelorganisationen gefördert werden (Wir kennen da noch so einige!).

Bevor wir bald begeistert alle Förderpartner*innen vorstellen, müssen wir in ihrem Sinn auf unsere große, laufende Spendenkampagne hinweisen. Noch bis zum 31. Dezember 2025 verdoppeln unsere Geber*innen jede eingehende Spende an filia, die wir wiederum in unsere Förderprogramme investieren.