Rechte Allianzen? Feministischer Widerstand!

Zusammenkunft in Warschau: Die Initiative On The Right Track hat in Warschau das zweite europäische Regionaltreffen veranstaltet.

Weltweit gibt es mächtige und gut finanzierte rechtspopulistische Bewegungen. Dabei verfolgen sie oft trotz ihrer Differenzen eine gemeinsame Agenda und finanzieren Kampagnen über Kontinente hinweg. Vom populistischen Wahlkampf, systematischer Meinungsmache gegen Abtreibung bis zu Schachzügen gegen Säulen der Demokratie – rechte und autoritäre Kräfte organisieren sich immer besser. Und wer hätte je gedacht, dass wir sowas schreiben: Was die können, das können wir auch!

So nämlich

Elf Uhr an einem Mittwochvormittag im September. Nach einem ersten Tag des Kennenlernens strömen die Teilnehmenden in die Workshops. „Queerer arabischer Widerstand“ oder „Verbindungen zwischen Klimagerechtigkeit und sexuellen und reproduktiven Rechten“ werden angeregt debattiert. Auf die Kleidung werden Namensschilder geklebt. Viele zücken ihre Notizbücher, randvoll mit Gedanken aus ganz Europa und darüber hinaus.

In der Gruppe um Jennifer Kamau versammeln sich rund zwanzig Aktivisti*innen. Und während diskutiert wird, welche Strategien derzeit Aufwind erfahren, um zum Beispiel Migration zu bekämpfen, zu kontrollieren und zu kriminalisieren, entwickelt sich in dem Stuhlkreis in Warschau auch ein kraftvoller Gruppenprozess.

Feministischer Widerstand in Europa

Uns gut organisieren können auch wir – aber eben feministisch und solidarisch. Seit sechs Jahren bringt die Initiative On The Right Track Aktivist*innen und Stiftungen aus Europa und Lateinamerika zusammen. OTRT ist in mehr als 30 Ländern vertreten. Ihr Ziel? Die Erfahrungen mit dem Widerstand gegen Autoritarismus, Anti-Gender- und rechten Kräften miteinander teilen und gemeinsam davon lernen. Seit Beginn ist auch filia Teil der Initiative.

Vom 16. bis 19. September 2025 brachte das zweite europäische Treffen 60 Aktivist*innen aus mehr als einem Dutzend Ländern zusammen. Vom Women’s Fund bis zur Graswurzelgruppe sind unterschiedliche Organisationen vertreten und arbeiten in thematischen Arbeitsgruppen zum Beispiel zu Anti-Rassismus, sexuelle und reproduktive Rechte, politische Gewalt und LGBTIQANB+-Rechte.

Organisieren heißt Differenzen verstehen

Zwei Stunden in dem Tagungsraum in Warschau später hat die gemischte Gruppe „Common Ground“, Gemeinsamkeiten gefunden. Eine Teilnehmerin schildert ihr Erlebnis. Die eigene Fluchterfahrung sei bisher ausschließlich negativ behaftet und gelte oftmals als Schatten auf ihrem Lebensweg. Doch im Austausch während des Treffens erlebe sie ihre Erfahrung erstmals als etwas Gemeinschaftliches, das die Bewegung stärken kann.

Ein weiterer Schritt, um zusammen zu rücken – ob Aktivist*innen aus Georgien und Italien, Armenien oder Ungarn. Denn für viele ist dies die erste persönliche Begegnung miteinander. Was entsteht ist ein Forum, in dem man auch über Differenzen konstruktiv spricht. Zum Beispiel wie zahlreich die Perspektiven auf Kolonialismus allein in einem Raum aussehen können. Für die Gruppe gehört zum Bilden starker Allianzen und Strategien, Dissens zu akzeptieren. Und obwohl es schon mehrere Online-Treffen gab, zeigt die Zusammenkunft: Persönlich sind Brücken schneller gebaut und womöglich stabiler.

Der letzte Tag war der Zukunft gewidmet. Mit kollektiven Visionen wurden Strategien für die weiteren Wege der Bewegung entwickelt, die immer weiter zusammenwachsen sollen. Das zweite europäische Treffen in Warschau machte in jedem Fall deutlich: On the Right Track in Europa und Lateinamerika ist mehr als ein Netzwerk, es ist eine verlässliche Quelle für Resilienz und feministische Kooperation, die dem globalen Rechtsruck entgegentritt.

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