Vererben für Gleichberechtigung

Wenn Testamente Frauen und Mädchen stärken

Wie enterbe ich meinen Ehemann? So hätten wir diesen Artikel fast genannt, weil seien wir ehrlich: Das googeln doch mehr Leute, als man denkt, oder? Es geht aber nicht ums Enterben. Und die Ehemänner, die wir aus unserem Umfeld kennen, sind sowieso ganz wunderbar. Aber das Schmunzeln wollten wir uns nicht verkneifen – gerade in diesen Zeiten. Es geht darum, sich Gedanken zu machen, welche Wirkung ein Nachlass entfalten kann. Eben über den persönlichen Radius hinaus. Ganz handfest und strukturell. Denn dass das Ringen um Gleichberechtigung noch eine Weile nötig sein wird, wissen wir alle. Aber beginnen wir von vorn.

400 Milliarden Euro – so viel wird in Deutschland 2026 vererbt oder verschenkt. Diese Summe hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW anhand von Modellen berechnet. Die Generation der Babyboomer, geboren rund um die 1950er Jahre, gibt ihr Vermögen nun an die nachfolgenden Generationen weiter. Die Hälfte des Vermögens haben die Babyboomer übrigens selbst geerbt oder geschenkt bekommen, die andere Hälfte ist erarbeitet, berechnet das DIW. Noch ein interessanter Fakt: Nur etwa die Hälfte der Babyboomer hat ein Testament verfasst und bestimmt aktiv mit, was mit ihrem Vermögen passieren soll.

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400 Milliarden Euro für Geschlechtergerechtigkeit?

Was könnten man mit 400 Milliarden Euro tun? Die KI unserer Wahl behauptet, man könnte davon 5,7 Millionen vollständige Jurastudienplätze für junge Frauen finanzieren. Oder 26,67 Milliarden feministische Bücher kaufen und an Bildungseinrichtungen verschenken. Oder 16 Millionen Pride Paraden im ländlichen Raum finanzieren – inklusive eines umfassenden Sicherheitskonzepts. Wow!

Dass das Träumereien bleiben werden, ist sehr wahrscheinlich, denn aus einer eigenen Studie wissen wir, dass in der Philanthropie nur etwa 0,6 Prozent der Gelder für Geschlechtergerechtigkeit aufgebracht werden. 0,6 Prozent – das ist reichlich wenig für mehr als 50 Prozent der Gesellschaft. Andererseits wären 0,6 Prozent von 400 Milliarden Euro immerhin 2,4 Milliarden Euro.

Als feministische Organisation könnten wir das mehr als gut gebrauchen, denn die Finanzierungslücken für Geschlechtergerechtigkeit, gegen Gewalt, für demokratische Teilhabe sind enorm. Es ist also im Interesse von allen, die in einer gerechten und demokratischen Gesellschaft leben möchten, dass Organisationen wie wir zumindest einen Bruchteil des weiterzugebenden Vermögens der jetzigen Babyboomer vererbt oder geschenkt bekommen.

Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung

Die Generation der Babyboomer hat erlebt – und einige haben es aktiv erkämpft – wie Gleichberechtigung in Gesetzestexte Einzug erhalten hat. 1977 wurde die „Hausfrauenehe“ in der BRD abgeschafft. Frauen durften endlich einen Beruf ausüben, ohne dafür die Zustimmung ihres Ehemannes einholen zu müssen. Homosexualität wurde Ende der 1960er Jahre straffrei und 1994 legal. 1997 wurde sexualisierte Gewalt in der Ehe strafbar. Was Ende des 20. Jahrhunderts erkämpft wurde, haben viele von uns als selbstverständlich erleben dürfen.

Mit dem Vermögen die eigenen Werte weitergeben

Umso besorgter schauen wir auf das, was wir aktuell erfahren: Regenbogenfahnen werden von höchster politischer Ebene als Zirkusfahnen abgetan; auf Wahlkampfplakaten und Sozialen Medien schauen kinderreiche Hausfrauen bewundernd zu ihrem Ehemann auf; geschlechtsspezifische Gewalt nimmt zu. Diese Rückwärtsbewegung möchten wir stoppen. Wie? Indem wir diejenigen stärken, die heute für unsere Rechte und unsere Freiheiten kämpfen. Die sich dafür engagieren, dass wir leben, lieben, arbeiten können, wie wir möchten. Mit einem kleinen Teil der 400 Milliarden können wir viel ausrichten. Wir danken denjenigen, die uns bereits zugesagt haben, filia in ihrem Testament zu berücksichtigen. Alle, die noch überlegen, wie sie mit ihren Vermögen auch ihre eigenen Werte weitergeben möchten, laden wir herzlich zu einem Austausch darüber ein.

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Ihre Ansprechpartnerin

Sie wollen mehr über filia und die Möglichkeit, der Stiftung etwas zu vererben, erfahren? Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Constanze Claus
Stellvertretende Geschäftsführerin
c.claus@filia-frauenstiftung.de
+49 (0)40 380 381 992

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist ein Testament?

Ein Testament ist ein schriftliches Dokument, in dem Sie festlegen, wer Ihr Vermögen nach Ihrem Tod erben oder bestimmte Dinge aus Ihrem Nachlass erhalten soll. Ein Testament kann handschriftlich verfasst und an einem sicheren Ort hinterlegt werden. Oder es kann notariell begleitet und verwahrt werden.

Welche Rechte und Pflichten haben Erb*innen?

Wer erbt, übernimmt grundsätzlich die Rechtsposition der verstorbenen Person. Mit dem Vermögen können deshalb auch Schulden und bestimmte Verpflichtungen auf die Erb*innen übergehen. Zum Beispiel können zu einem Nachlass neben einem Bankguthaben auch Schulden gehören. Auch laufende Verträge oder die Verantwortung für Haustiere gehen auf die erbende Person/Organisation über.

Was ist ein Vermächtnis?

Ein Vermächtnis ist eine bestimmte Sache oder ein bestimmter Geldbetrag, den jemand im Testament einer anderen Person oder Organisation schenken möchte, ohne dass diese Person/Organisation Erbin ist.

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