Maja Göpel über Feminismus und Klimaschutz
„Es ist wirklich Showdown gerade“: Maja Göpel im Interview über Klimaschutz und Feminismus
Was hat Klima mit Frauen zu tun? Zum 25-jährigen Jubiläum freut sich filia.die frauenstiftung über den Zuspruch von Prof. Dr. Maja Göpel. Die Politökonomin ist Nachhaltigkeitsexpertin und eine der wichtigsten Stimmen für Klima und Transformation. Uns verrät sie, warum Klimaschutz und Feminismus zusammen gedacht werden müssen, was ihr Mut macht und was sie filia jetzt wünscht.
Liebe Frau Göpel, warum ist Feminismus für alle Menschen gut?
Weil Feminismus ein regeneratives Gegenkonzept zum extraktiven Patriarchat ist und damit von Dominanzverhältnissen auf partnerschaftliche Verhältnisse hinwirkt – ganz egal welchem Geschlecht ich angehöre.
Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen intersektionalem Feminismus und Klimaschutz?
Ausbeuterische Systeme zeichnen sich durch strukturelle Gewalt aus – sei es gegenüber Frauen, schwächeren Gruppen oder der Natur mit ihren Lebewesen. So lange sich technisch-maschinelle Befriedigungstrategien für die Bedürfnisse der Mächtigen finden, rutschen Würde, Respekt und Demut ob der eigenen Fehlbarkeit in den Hintergrund. Genau diese Werte machen aber lebendige Systeme aus; sie sorgen für co-evolutionäre Entfaltung, Sicherheit und Gesundheit. Deshalb passt der Begriff „System Change“ für mich sehr gut, wenn es um die Frage geht, wie wir diesen beiden Herausforderung begegnen können: es braucht ein Update unserer Umgangsformen, dann können wir auch mehrere Fehlstellungen auf einmal korrigieren.

Prof. Dr. Maja Göpel, was macht Ihnen aktuell Mut?
Die Gespräche, bei denen eine Frage in den Mittelpunkt rutscht und ernst genommen wird: Worum geht es eigentlich? Da kommen Gemeinsamkeiten nach vorne und geteilte Wünsche nach einer sicheren Zukunft und intakten Natur.
Was wünschen Sie filia, Deutschlands größter feministischer Stiftung, zum 25. Geburtstag?
Ganz viel Kraft! Es ist wirklich Showdown gerade und wir brauchen starke Allianzen, um der rechtsautoritären Shitshow mit klarem „Nein-Und“ zu begegnen: Nein, wir drehen Errungenschaften nicht wieder zurück – und auch für dich ist ein Platz in der Zukunft, für die wir stehen.
Vielen Dank für Ihre Zeit und den Zuspruch Prof. Dr. Maja Göpel! Das Interview findet im Rahmen von filias Jubiläumskampagne „Mutfunken“ statt, in der wir all jene feiern, die Gleichstellung, Gerechtigkeit und Freiheit von Gewalt fordern und fördern. In diesem Sinne laden wir Sie herzlich ein, weiter Mut zu versprühen und andere anzustecken – denn jetzt ist die Zeit, der feministischen Bewegung den Rücken zu stärken.
Welche Umweltprojekte fördert filia?
filia fördert zum Beispiel mehrere Gruppen in Brandenburg, die sich in der Landwirtschaft betätigen und für Ernährungssouveränität einsetzen. Sie stärken FLINTA*, BIPoC, queere, behinderte und migrantische Menschen, die sich oft keine Bio-Lebensmittel leisten können und keinen sicheren Zugang zum ländlichen Ostdeutschland haben. Sie bewahren indigene Anbaumethoden, schaffen Bildungsangebote und ein Netzwerk für Community-orientierte Agrar-Gruppen.
Mehr über alle Förderungen in Deutschland erfahren Sie hier.
Und auch international unterstützt filia Initiativen im Bereich Klimaschutz und -gerechtigkeit. Die Gruppe Osoba Odra aus Umweltaktivist*innen, Wissenschaftler*innen und Bewohner*innen in der Grenzregion wollen die Oder vor weiteren Katastrophen schützen, indem sie dem Fluss eine eigene Rechtspersönlichkeit zusprechen lassen möchen. Ein Erfolg wäre bahnbrechend für den Umweltschutz. Und zeigt: Frauen und queere Personen haben Perspektiven und Lösungen, die konstruktiv und ganzheitlich sind und noch viel mehr Gehör in politischen Entscheidungen finden sollten.
„Es geht darum, die Art und Weise zu verändern, wie wir über den Fluss und die umliegende Natur denken, sprechen und sie wahrnehmen. Dieser Wandel bedeutet, die Natur nicht länger als Ressource oder Müllhalde zu betrachten, sondern vielmehr als Partnerin und Lebensraum“, fordert das polnische Bündnis. Mehr dazu lesen Sie bald unter Aktuelles.
