Feminismus in Stiftungsarbeit – Wie kann es gehen?
Es gibt viele Wege, Feminismus in der Stiftungsarbeit und -struktur zu verankern. filia hat sich in der Förderpraxis unter anderem für das Modell der Beiräte entschieden. Dies bedeutet konkret, für Förderregionen wird jeweils ein Gremium einberufen, das möglichst gerechte Empfehlungen zur Vergabe von Fördermitteln ausspricht. Dies hat sich aus langjährigen Prozessen und Erfahrungen herauskristallisiert und mittlerweile in der Praxis bewährt.

Das Prinzip dahinter
Ein wichtiger Grundsatz von filias Stiftungsarbeit ist Partizipation. Das bedeutet filia möchte stets so arbeiten, dass die Zielgruppe eines Förderprogramms mitredet und mitbestimmt. Auf diese Weise gibt eine Stiftung Macht ab, weil sie nicht bevormundet. Partizipation signalisiert: Wir hören zu, schätzen intersektionale Perspektiven und lassen Taten folgen.
Außerdem werden durch die Beteiligung von Expert*innen gut informierte und effektive Entscheidungen getroffen, die reale und aktuelle Bedingungen vor Ort berücksichtigen. Zum Beispiel wissen die Aktivist*innen am besten, welche Angebote in ihrer Community am besten angenommen werden. Oder welche Aktivitäten in einem zunehmend autoritären Regime noch sicher sind.
Das Recommendation Committee
Für den Förderraum Osteuropa, Südkaukasus und Zentralasien hat filia deshalb dreizehn Aktivist*innen aus filias Netzwerken eingeladen, Teil vom Recommendation Committee (deutsch: Empfehlungsausschuss) zu werden. Als Expert*innen für feministische Kämpfe in ihren Ländern und Regionen, die die Herausforderungen kennen und Lösungswege aufzeigen, haben wir sie 2026 erneut um Förderempfehlungen gebeten.
Feministische Arbeit verbindet
Um sich persönlich zu beraten und zu vernetzen, haben die Mitglieder pünktlich zum 8. März in Hamburg getagt. Besonders wichtig in der Zusammenarbeit ist das sogenannte Context Sharing (deutsch: Kontextaustausch). Dieser erste Programmpunkt der drei Tage in Hamburg bildet das starke Fundament für gegenseitiges Verständnis.
„Wir möchten füreinander sprechfähig sein.“ – Mitglied des Recommendation Committees
Nacheinander teilen alle Beteiligten ihre individuellen Standpunkte: Woher sie kommen, ob sie im Exil leben, in welchen Gemeinschaften und Bündnissen sie tätig sind und wofür sie sich persönlich einsetzen. Denn auch wenn sich alle feministisch und intersektional engagieren – auch sie kennen nicht automatisch die aktuelle politische Lage und Besonderheiten einer Region. Ganz zu schweigen von den persönlichen Erfahrungen mit Diskriminierung oder Migration, die andere erfahren haben. Je mehr Vielfalt, umso mehr Umsicht und Informationen sind nötig, um rücksichtsvoll miteinander arbeiten zu können.
Aus drei Tagen intensiver Arbeit geht nicht nur die Gruppe gestärkt hervor. Sie haben sich auch auf 42 Empfehlungen für filias Förderprogramm in Osteuropa, Südkaukasus und Zentralasien geeinigt, die herausragende feministische Arbeit leisten und akute Bedarfe decken.

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Das Recommendation Committee berät filia für die Regionen Osteuropa, Südkaukasus und Zentralasien.
➜ Mehr über die aktuellen Förderungen in der Region erfahren Sie hier.
➜ Mehr über die Mitglieder des Recommendation Committees erfahren Sie hier.
Context Sharing
Natürlich wurden auch die Momentaufnahmen im Context Sharing festgehalten. Die Aktivist*innen sprachen 1. über die aktuelle Lage der Regionen, 2. über vulnerable Gruppen und 3. was derzeit helfen würde, um sie zu stärken.
Machtkritische Öffnung in der Stiftungsarbeit
filias Beiräte sind Teil eines machtkritischen Öffnungsprozesses der Stiftung. Durch vielfältige Maßnahmen werden Partizipation, Gerechtigkeit und Fürsorge in der Stiftungsarbeit gestärkt. Förderempfehlungen bzw. -entscheidungen zu übertragen ist nur eine der vielfältigen Maßnahmen, die filia aktiv verfolgt. Zu den Beispielen gehören Shared Leadership in der Programmleitung, Allyship-Workshops, Strukturen für von Rassismus betroffene Kolleg*innen oder Schutzmechanismen für Aktivist*innen. Schritte wie diese sollen Teilhabe marginalisierter Personen sicherstellen und Legitimität von Entscheidungen erhöhen. In Zukunft möchte filia diesen Prozess noch sichtbarer machen und zum Austausch mit Organisationen einladen, die ähnliche Wege beschreiten. filia entwickelt sich stetig weiter, um resiliente und inklusive Strukturen und tragfähige Netzwerke auszubauen.
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© Fotos von Claudia Höhne
© Graphic Recording von Louisa Szymorek









