Feminist Leadership: Dr. Hedda Ofoole Knoll über Frauen in Führungspositionen, Stiftungsarbeit und Intersektionalität
Was bedeutet Feminist Leadership? Und was heißt es, Organisationsstrukturen feministisch zu denken? Mit Dr. Hedda Ofoole Knoll, die im Sommer 2025 dem Vorstand beitrat, ist filia um eine starke Stimme reicher, die ihre Arbeit seit langem diesen Fragen widmet. Wer Empowerment fordert und leben will, muss Intersektionalität beherzigen. Welche zentrale Rolle Stiftungen wie filia dabei spielen, erklärt sie im Gespräch.
Geschlossene Türen einrennen
„Es braucht leider Menschen, die in Räume gehen, wo sie erstmal auffallen und anecken“, stellt Hedda fest. Wir sprechen über Frauen in der Arbeitswelt, insbesondere in NGOs und Stiftungen. Die Betriebswirtin weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie spricht. In der Diversitätsberatung oder als Beirätin bei der Initiative Black in Tech spezialisiert sie sich darauf, wie man diese Räume betreten kann. Mehrfach diskriminierte Frauen leisten Pionierarbeit, wenn sie im Berufsleben neue Türen aufstoßen. Sich erst einmal beweisen müssen, wo andere einen Vertrauensvorschuss genießen, fordert zusätzliche, unglaubliche Mühe.
Plot Twist: Repräsentation ist nur der Anfang
Angekommen in einem Raum, in dem Entscheidungen getroffen werden, ist Repräsentation allerdings nicht genug. Es ist inspirierend und bestärkend, wenn Frauen gründen oder sich in Führungspositionen hocharbeiten. Doch für Hedda reicht es nicht, als vereinzelte Schwarze Frau im immer gleichen System mitzuspielen und es somit mitzutragen. Es braucht auch strukturelle Veränderungen, die Ungleichheiten an der Wurzel packen und weitere Türen für mehrfachdiskriminierte Personen öffnen.
„Ich bin da hoffnungsvoll, dass Organisationsstrukturen und Systeme veränderbar sind.“
Keine Feminist Leadership ohne Intersektionalität
Dabei verweist Hedda auf die US-amerikanische Aktivistin Kimberlé W. Crenshaw. Sie prägte maßgeblich das Konzept von Intersektionalität, also dem Verständnis, dass mehrfache Diskriminierung aufeinander wirkt und sich verstärkt. Dass Geschlecht, Rassismus, Klasse oder Behinderung ganz gezielt in Unternehmensstrukturen, Stiftungen und vielen weiteren Bereichen der Gesellschaft beachtet werden sollten, sei Kern der Theorie für mehr Gleichstellung und soziale Nachhaltigkeit. Ein konkreter Schritt ist, Diskriminierungserfahrungen in Organisationen zu adressieren, aber auch individuelle Perspektiven zu schätzen und sie als Stärke zu begreifen und dies strukturell aufzuarbeiten.
Feminist Leadership in der Praxis
Feminist Leadership geht darüber hinaus, Führungsrollen für Frauen zu fordern. Vor allem will diese Strategie systematisch die Weichen für gerechte Chancen auf Erfolg stellen. Feminist Leadership strebt danach, Ungleichheiten in Organisationen abzubauen und intersektionale Lösungen zu finden.
Unter den vielen Beispielen sind Arbeitsmodelle, die unterschiedliche Care-Verantwortungen berücksichtigen. Oder Strukturen, die Entscheidungsmacht auf mehrere kluge Köpfe verteilen: Angebote für Mitarbeitende mit Diskriminierungserfahrungen. Anti-Rassismus-Protokolle, die tatsächlich praktikabel sind. Solidarität für Mitarbeitende mit Migrationsgeschichte, die Familien ohne Absicherung außerhalb von Deutschland mitversorgen. Verträge, die Sicherheiten schaffen und Altersarmut vorbeugen. Und. Und. Und.
Hedda ruft auf zu einem zukunftsgewandten Feminismus, der sich nicht scheut, über das Zusammenspiel von Diskriminierung und finanziellen Sicherheiten zu sprechen und den Finger in die Wunde zu legen.
„Vielfalt ist keine Nische, sondern die Zukunft.“
Stiftungsarbeit: Was macht filia einzigartig?
Eine Öffentlichkeit für Feminist Leadership und Intersektionalität zu schaffen, ist eines der großen Anliegen, die Hedda in ihr Engagement und somit bei filia einbringt. Dieser Hebel für Empowerment ist in der Stiftungswelt noch keine Selbstverständlichkeit. Über eine Gender Pay Gap-Debatte gehen die Bestrebungen von Organisationen oft nicht hinaus. Für Hedda ist klar: 2026 und darüber hinaus müssen feministische Stimmen in Deutschland und weltweit lauter, sichtbarer und wirksamer werden. Gerade diese polarisierende Zeit versteht sie als Aufforderung und als Chance, demokratische Prozesse nicht nur zu verteidigen, sondern sie intersektional feministisch mitzugestalten. Dafür braucht es eine starke, solidarische und strategisch vernetzte Gemeinschaft von Feminist*innen, die Ressourcen bündelt und Einfluss, Macht und Geld bewusst, gerecht und verantwortungsvoll einsetzt. Wenn Allianzen gestärkt und Verantwortung geteilt werden, können demokratische Strukturen nachhaltig gerechter verändert werden: Women4Democracy.
Dabei werden „Stiftungen immer relevanter in unserer Demokratie“, denn sie treiben viele gesellschaftliche Prozesse voran, haben Strahlkraft und Einfluss. filia ist Akteurin in einem eng gestrickten, globalen Netzwerk aus Philanthropie und Aktivismus. Genau deshalb kann filia auf zwei Ebenen wirken: als gutes Beispiel für den Aufbau von machtkritischen Strukturen in der Stiftungsarbeit, in Gremien, der Geschäftsstelle und mit Förderpartner*innen. Dieser Prozess ist längt in Gange. Als auch weltweit mit Investitionen in solidarische Zusammenarbeit und Gleichstellung für alle.
In diesem Sinne: Herzlich Willkommen bei filia und auf die Zukunft!
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