„Ich bin eine Roma-Frau. Ich kann alles tun!“

Die Foundation Towards Dialogue setzt sich in Polen seit Jahren für die Rechte von Rom*nja ein. Mit Bildungsarbeit, politischer Interessenvertretung und gezieltem Empowerment, insbesondere von Frauen. In einer Zeit, in der internationale Förderungen stark zurückgehen, bleibt ihre Arbeit wichtiger denn je. filia unterstützt die Organisation auch weiterhin dabei, ihre Angebote aufrechtzuerhalten.

Als Anfang 2022 Russland die Ukraine angriff, waren rund 100.000 ukrainische Rom*nja gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Viele flüchteten nach Polen. Was sie dort nicht immer fanden: Sicherheit, Schutz, Unterstützung. Denn während die meisten Geflüchtete offene Arme erlebten, wurden Rom*nja weniger freundlich begrüßt. Aus rassistischen Vorurteilen, strukturellem Ausschluss und fehlendem politischen Willen.

Doch es gab Organisationen in Polen, die in dieser Situation halfen. Unter ihnen die Foundation Towards Dialogue. Seit 2012 unterstützt sie Rom*nja-Commuities in Polen. Mit dem Beginn des Krieges hat die Organisation ihre Arbeit ausgeweitet – hin zu akuter humanitärer Hilfe, langfristigem Empowerment, gezielter Bildungsarbeit und politischer Interessenvertretung.

Politik bewegen durch Dialog und Expertise

Der Ansatz der Foundation Towards Dialogue steckt im Namen: Dialog statt Spaltung zu schaffen. Die Foundation führt Gespräche mit Ministerien, sitzt in beratenden Gremien zur Schulbildung von Rom*nja-Kindern und bringt ihre Perspektive direkt in staatliche Entscheidungsprozesse ein. Denn nur wenn politische Entscheidungen die Lebensrealität von Rom*nja mitdenken, können Integration und Chancengleichheit gelingen. Inzwischen leitet die Präsidentin der Foundation Towards Dialogue den Unterausschuss für Bildungsfragen ukrainischer Rom*nja-Kinder beim polnischen Bildungsministerium.

Neben politischer Advocay Arbeit setzt die Foundation auf Kommunikation. Sie ist mit ihren Themen in zahlreichen Medien, Podcasts, auf Panels und Kulturveranstaltungen präsent. Rom*nja-Frauen erzähle ihre Geschichten von Stärke und werden zu Rollenvorbilder. Sie bringen Perspektiven in den öffentlichen Raum, die zu lange ausgeblendet wurden. So entsteht ein neuer gesellschaftlicher Dialog – nicht über, sondern mit der Community. Die Rom*nja-Aktivistin Olena Vaidalovych erschien auf dem Titelblatt von Wysokie Obcasy – der meinungsstärksten Wochenzeitschrift in Polen, die sich vor allem an Frauen richtet. Das Bild trägt die Überschrift: „Ich bin eine Roma-Frau. Ich kann alles tun!“.

Internationale Förderung bricht weg – filia bleibt

Unmittelbar nach Beginn des Krieges war die finanzielle Unterstützung für Geflüchtete aus der Ukraine enorm. EU-Gelder, private Spenden und Mittel von der amerikanischen Entwicklungsbehörde USAID ermöglichten der Foundation Towards Dialogue, ein Team von bis zu 60 Mitarbeitenden aufzubauen. Heute, über drei Jahre nach dem Angriff, ist nicht nur die mediale Aufmerksamkeit abgeschwächt. Auch die finanzielle Unterstützung für geflüchtete und in Polen lebende Rom*nja ist eingebrochen. Die nachlassende Spendenbereitschaft, das Auslaufen von EU-Förderungen und der plötzliche Wegfall der US-amerikanischen Gelder brachten die Foundation Towards Dialogue in massive finanzielle Schwierigkeiten.

„Wir mussten unser Team verkleinern und Leute entlassen und mussten in ein kleineres Büro ziehen und teilen uns die Räumlichkeiten mit einer andern NGO.“, berichtet eine Kollegin der Foundation Towards Dialogue. Dass filia die Foundation Towards Dialogue in dieser Situation mit einer weiteren Förderung in Höhe von 20.000 Euro unterstützen kann, freut uns sehr. Wir danken der Geber*in, die uns das ermöglicht.

Headerfoto: Mateusz Jaskot, Feier zum International Roma Community Day im Roma Community Center der Foundation Towards Dialogue in Warschau

Fotonnachweise:
oben links: Noemi Łakatosz / Foundation Towards Dialogue – Workshop mit geflüchteten Rom*nja-Kindern
oben recht: Cecylia Jakubczak / Foundation Towards Dialogue – “Games of Freedom” Konferenz in Łódź
unten links: Ada Omylak / Foundation Towards Dialogue – Abschlusszeremonie der „Academy of Roma Leaders“ in Warschau
unten rechts: Noemi Łakatosz / Foundantion Towards Dialogue – Workshop mit geflüchteten Rom*nja-Kindern

Button IconNewsletter anmelden!Button IconJetzt spenden!