Masakhane – Abschluss eines Großprojekts

 In Globaler Süden, Kooperation, Menschenrechte für LBT*

Ein Großprojekt nähert sich seinem Ende. Acht Jahre lang unterstützte und begleitete filia das Projekt Masakhane. Initiiert vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) und gefördert vom Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit kam filia ursprünglich als Drittmittelgeberin hinzu. Doch unsere Stiftung gab nicht nur Geld sondern auch Zeit und Herzblut in dieses wichtige Projekt. Von Anfang an stand filia gemeinsam mit dem LSVD und der Partnerin vor Ort, der Coalition of African Lesbians, in engem Austausch.

Wie es mit Masakhane begann

Waren zu Anfang lediglich vier Länder, Botswana, Namibia, Sambia und und Simbabwe, beteiligt, stieg die Anzahl der Länder in der zweiten Projektphase auf sechs an. Ab 2018 waren Organisationen und Aktivist*innen aus Botswana, Lesotho, Mozambique, Sambia, Simbabwe und Eswatini dabei. Wichtigstes Anliegen des Projekts lässt sich am leichtesten mit dem Projektnamen selbst umschreiben. „Masakhane“ ist Zulu und bedeutet in etwa „Lasst uns gemeinsam wachsen“. Masakhane ermöglichte Aktivist*innen, Netzwerke untereinander zu entwickeln und voneinander zu lernen. Die Hoffnung war, dass wenn Aktivist*innen sich gegenseitig stärken, sie umso besser für sich und ihre Communities Lobby- und Aufklärungsarbeit leisten können. Die Situation für LGBTIQ* ist in den Ländern des Südlichen Afrikas weiterhin prekär. Diskriminierungen und Gewalt sind für viele Alltag. Nun, nach acht Jahren Projektarbeit stellt sich die Frage: Sind sie denn zusammengewachsen?

Reise zum Projektabschluss

Zum Abschluss des Projekts reisten Cornelia Sperling, Begleiterin des BMZ-Projekts für den LSVD, und Sonja Schelper, ehemalige Geschäftsführerin und Projektverantwortliche bei filia, nach Johannesburg, Südafrika. Zuvor jedoch machte Sonja Schelper einen Abstecher nach Simbabwe, um vor Ort mit Projektpartner*innen zu sprechen und einen Eindruck von ihrer Arbeit der letzten Jahre zu erhalten.

Zum Beispiel Simbabwe

In Harare, Hauptstadt von Simbabwe, traf Sonja unter anderem Diana Katu, Koordinatorin des Lesbian Collective. Im Austausch mit ihr wurde deutlich, welche alltäglichen Hürden Aktivist*innen überwinden müssen, bevor sie mit ihrer politischen Arbeit beginnen können. Simbabwe ist ein teures Land. Die Infrastruktur, die deutsche Organisationen als selbstverständlich erachten, ist dort nur schwer zu finanzieren. Büroräume sind teuer. Internet ist es ebenfalls. Benzin ist teuer, das öffentliche Verkehrsnetz allerdings nur unzureichend ausgebaut. Letzteres hat vor allem die Vernetzungsarbeit erschwert. Zudem können viele der am Masakhane-Projekt beteiligten Organisationen es sich nicht leisten, ihre Mitarbeiter*innen hauptamtlich einzustellen. Viele haben neben ihrer aktivistischen Arbeit noch „richtige“ Jobs, wobei diese oft informell sind. Während der Pandemie verloren viele Aktivist*innen ihre Stellungen und mussten teilweise zu ihren Familien zurückkehren, um zu überleben. Bedenkt man, dass sie oft aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von dort geflohen sind, erahnt man, welch schwierigen Ausmaße die Pandemie für diese Menschen hat.

Trotz der widrigen Umstände – der grundsätzlichen sowie der Pandemie-bedingten – ist es erstaunlich was die simbabwischen Organisationen auf die Beine gestellt haben. Trotz Covid, trotz Armut haben sie in vier Regionen des Landes Aktivitäten durchgeführt. Da Corona physische Treffen unmöglich machte, verlagerten sich Austausch und Empowerment auf WhatsApp. Über 200 Menschen sind über WhatsApp-Gruppen des Collective verbunden. Natürlich sind nicht alle gleichermaßen aktiv, aber die Reichweite des Netzwerkes für LBTQ+ ist in Simbabwe dadurch enorm gewachsen.

Masakhane während der Corona-Pandemie

In den letzten zwei Jahren wurden die Projektaktivitäten enorm von der Corona-Pandemie erschwert. Zum einen vergrößerten sich die wirtschaftlichen Sorgen vieler Aktivits*innen. Zum anderen waren die Kontakt- und Reisebeschränkungen in vielen der teilnehmenden Länder deutlich schärfer als in Deutschland. An physischen Treffen oder das Vernetzen unterschiedlicher Landesregionen war nicht mehr zu denken.

Doch Not macht erfinderisch. Wie bereits erwähnt, verlagerte sich der Austausch vielfach online. Dadurch wurden vielen Menschen aus den LBTQ+ Communities während der Lockdowns Safe Spaces geboten, um sich über schwierige Dinge wie Depression, Ängste, Selbstmord-Gedanken auszutauschen. Das verhinderte das die vor Covid entstandenen Netzwerke wieder verschwanden. Doch auch praktische Dinge halfen. Das BMZ stimmte zu, dass Projektgelder für Esspakete und Hygiene-Artikeln genutzt werden konnten.

Erfolge in anderen Masakhane-Ländern

Zum Launch der Projektwebseite im südafrikanischen Johannesburg kamen dann Vertreter*innen aller Projekte zusammen. Dieses Treffen war nicht nur für Sonja Schelper und Cornelia Sperling eine gute Gelegenheit einmal alle kennen zu lernen. Auch unter den Projekten erfüllte es einen wichtigen Zweck. Das gemeinsame Wachsen und Vernetzen, das Hauptanliegen Masakhanes, konnte so auch über Landesgrenzen hinweg gefördert werden.

Die Aktivist*innen tauschten ihre Erfahrungen, Pleiten und Erfolge aus. Mit am meisten inspirierte ein wichtiger Meilenstein für die LBTQ+ Communities in Botswana: Dort wurde 2019 Homosexualität entkriminalisiert. Natürlich ist dieser Erfolg nicht alleine den Masakhane-Partner*innen zu verdanken. Aber sie haben ihren entscheidenden Anteil daran. Für Länder wie Sambia und Simbabwe ist das Vorgehen der botswanischen Aktivist*innen schon jetzt eine wichtiges Best-Practise-Beispiel. Es gelang ihnen, die Haltung der Bevölkerung zu Homosexualität zu ändern. Sie sprachen mit verschiedenen gesellschaftlichen Institutionen, von Dorfvorstehern über Kirchenoberhäupter hinzu Parlamentarier*innen, und konnten so eine breite Unterstützung für die Entkriminalisierung gewinnen.

Was bleibt?

„Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Die lesbischen und queeren Frauen haben ihre Stimmen verstärkt und stehen in den sozialen und demokratischen Bewegungen ihrer Länder an vorderster Front,“ so formulierte es zum Abschluss Botho, die Projektkoordinatorin bei Coalition of African Lesbians. Es bleibt zu hoffen, dass das, was nun gewachsen ist, die Zeit überdauert. Dafür braucht es vor allem finanzielle Unterstützung. Damit die Erfolge Masakhanes nachhaltig ausgebaut und fortgesetzt werden können.

Unsere Projektpartner*innen über Masakhane

Webseite zum Projekt von Coalition of Afrikan Lesbians : www.autonomy.cal.org.za
Berichte zum Projekt vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland: https://blog.lsvd.de/

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