filia in den Zeiten des Corona-Virus

 In Allgemein, Intern

Nach über einem Jahr mit der Pandemie ist noch nicht abzusehen, wann unser Alltag wieder an Normalität gewinnt. Auch die Sorge um die Folgen von Corona vereint uns weltweit. Aber die Corona-Pandemie betrifft die Menschen sehr unterschiedlich – entsprechend ihrer Wohn- und Arbeitssituation, entsprechend der Verteilung der Ressourcen in ihren Ländern, ob sie Geflüchtete oder Obdachlose sind – oder ob sie Frauen* sind.
Denken wir nur an die Menschen, die unermüdlich Care-Arbeit leisten, an den Kassen sitzen, in den Pflegeberufen bereits seit Jahren unterbezahlt und unterbesetzt arbeiten. Laut Weltgesundheitsorganisation leisten weltweit in den sozialen und pflegenden Berufen zu über 70 % Frauen* diese Arbeit. Gleichzeitig steigt Häusliche Gewalt in der Isolation der Haushalte und es gibt kaum Ausweichmöglichkeiten. Frauen* halten den Laden zusammen. Jetzt werden sie „Heldinnen*“ genannt. Wie wird es „danach“ weiter gehen?

All diese Fragen beschäftigen eine feministische Stiftung wie filia sehr. filia bleibt in Kontakt mit ihren Partnerinnen*, unterstützt sie auch in diesen schwierigen Zeiten. Und wir planen für die „Zeit danach“!

Situation unserer Projektpartnerinnen* – einige Schlaglichter

Die von uns geförderten Frauen- und Mädchenprojekte in Deutschland und auf der ganzen Welt arbeiten jetzt von zu Hause aus. Aber Home-Office kann Vieles nicht ersetzen. Beratungen und Seminare können meist nur digital stattfinden, öffentlichen Demonstrationen sind selten möglich.

Eine Organisation aus dem Kaukasus schreibt uns: „[…] Die Coronavirus-Situation in unserer Republik ist sehr beunruhigend geworden. Fast alle Geschäfte sind leer, die Preise sind zwei- bis dreimal angestiegen, diejenigen, die Geld haben, haben alles gekauft, und die ärmsten Menschen, zu denen unsere Projektteilnehmerinnen gehören, sind noch anfälliger geworden, weil sie nicht das Geld haben, um Lebensmittel und Desinfektionsmittel, um sich vor möglichen Infektionen zu schützen, zu kaufen. Vor diesem Hintergrund hat die Gewalt gegen Frauen und Mädchen dramatisch zugenommen […]“

Auch das, was wir jetzt „soziale Distanz“ nennen, hat unterschiedliche Dimensionen. Hierzu Women in Exile:
„[…] In den Lagern ist es sehr offensichtlich, dass Social Distancing ein Privileg ist. Deshalb ist unsere Forderung „No Lager for Women and Children! Abolish all lagers“ immer noch sehr präsent. […] Es ist sehr offensichtlich, dass es unmöglich ist, die Regeln der „sozialen Distanzierung“ einzuhalten, da in den Lagern soziale Einrichtungen wie Badezimmer, Toiletten und Küchen- / Speisesäle geteilt werden. […]“

Mit unseren Schwesterstiftungen aus Armenien, Georgien und der Ukraine  arbeiten wir gemeinsam an einer Kampagne gegen Rechtspopulismus und Antifeminismus. Alle stecken jetzt im Home-Office fest. Das Bedürfnis nach Austausch und Kommunikation ist sehr groß, sie telefonieren und mailen ununterbrochen mit den Aktivistinnen*, oft laufen dabei ihre Kinder mit durchs Bild, wenn Videokonferenzen anstehen.
Olesia berichtete aus Kiew, dass sie auf die Ausschreibung ihres kleinen Corona Urgent Action Funds, der nur zehn Organisationen unterstützen kann, 148 Anträge erhalten haben.  Gohar aus Armenien erzählte uns, dass Menschen nur mit ihrem Pass auf die Straße gehen dürfen und einen Arbeitsnachweis dabeihaben müssen. Die Häusliche Gewalt nimmt exorbitant zu. Das berichtet auch Salome aus Georgien.

Erreichbarkeit von filias Geschäftsstelle

filias Geschäftsstelle ist weiterhin für Sie erreichbar. Um die Situation in den Büroräumen zu entspannen, arbeiten wir wechselnd im Home-Office und Sie erreichen uns am besten per Mail. Wir bitten um Verständnis, sollten die Beantwortung Ihres Anliegens etwas länger dauern.
Wer für Ihre Anfrage zuständig ist, entnehmen Sie bitte unserer Teamseite.

Wie ist filia von Corona betroffen?

Viele Veranstaltungen und Netzwerktreffen wurden abgesagt, die für unsere Arbeit von immensem Wert sind und uns die notwendige Sichtbarkeit bieten. Die Corona-Pandemie bedeutet für uns auch finanzielle Einbußen – zum Beispiel weil unsere Unternehmenskooperation, die das MädchenEmpowermentProgramm ermöglicht, pausieren musste.
Wie sich diese Einbußen auf unsere Fördertätigkeiten auswirken werden, können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht einschätzen. Derzeit sind wir mit vielen unserer Partner*innen noch im Gespräch und versuchen gemeinsam, die bestmöglichen Lösungen zu finden. Wir empfinden gegenüber den vielen kleinen Organisationen, Vereinen und Initiativen in Deutschland und weltweit eine besondere Verantwortung. Wie können jetzt besonders diese Graswurzelorganisationen unterstützt werden, damit sie nach dem Ende der Corona-Krise ihre wichtige feministische Arbeit fortsetzen können?
Viele unsere Projektpartnerinnen mussten ihre Einrichtungen schließen, können derzeit keine Workshops etc. anbieten. Für vielen entstehen dadurch Unsicherheiten, wie sie mit genehmigten Projektgeldern nun umgehen sollen. Als eine Geberin solcher Projektgelder setzt filia ein klares Zeichen. Wir haben den Aufruf des Bundesverbandes deutscher Stiftungen und den Aufruf des European Foundation Centre als eine der Erstunterzeichnerinnen unterstützt. Beide Aufrufe betonen unsere Verbundenheit mit den Förderpartnerinnen*.

Aussichten

Mehr als zuvor rückt die Welt zusammen – denn alle sind betroffen. Die Rolle von Frauen* in überlebenswichtigen Bereichen ist unübersehbar geworden. Wir alle brauchen ein Umdenken der Rollenbilder, ein Umbewerten von Arbeit, die für die Gesellschaft unverzichtbar ist – und entsprechende Bezahlung. All dies sind Forderungen der feministischen Bewegung, die jetzt in der Krise ins Bewusstsein auch der Allgemeinheit zu rücken scheinen.
Change, not Charity! Lassen Sie uns gemeinsam an dem gesellschaftlichen Wandel arbeiten – für eine gerechtere Gesellschaft, in der Frauen* Entscheidendes beizutragen haben.

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