Frauen in Georgien – ein Videoporträt
Das Video-Projekt Naambobi erzählt Geschichten von Frauen in Georgien – jede vielschichtig und komplex, menschlich und verbindend.
Eine Lehrerin, die Offroad-Rennen fährt.
Eine Mutter von Zwillingen mit Autismus.
Eine Frau, die sich im Exil ein neues Leben aufbaut.
Eine Überlebende zweier Kriege, die ein Kriegsmuseum gründet.
Eine Trauernde, die Trost in ihrem Garten findet.
Eine Sportlerin, die ihre Leidenschaft nie zum Beruf machen konnte, aber bis heute Marathons läuft.
Auch so kann Aktivismus aussehen
In nur wenigen Minuten Bewegtbild scheint sich ein ganzes Leben zu offenbaren. Am Kragen ein Mikrofon, die Kamera auf sie gerichtet: Das ist ihr Moment. Ihre Stimmen sollen Gehör finden in einer Gesellschaft, in der Frauen immer noch um Gleichstellung, um Ermächtigung und Freiheit von Gewalt ringen.
Als Förderpartner*in in filias Programm Osteuropa und Zentralasien hat die Initiatorin Gvantsa Kordzakhia uns einige Einblicke in die Projektarbeit, aber auch in die kritische Lage in Georgien gewährt.
Was hat euch zu diesem Projekt inspiriert?
„Die wichtigste Inspirationsquelle waren die Frauen in unserem Umfeld. Im Alltag hören wir immer wieder ähnliche Geschichten, und das hat in uns den starken Wunsch geweckt, die Stimmen gewöhnlicher Frauen – insbesondere derjenigen, die in ländlichen Regionen leben – einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Unser Ziel war es, ihre bedeutungsvollen und oft übersehenen Geschichten zu dokumentieren und zu teilen.“
Wie habt ihr die Personen für die Videos ausgewählt?
„Die Geschichten wurden nicht nach einem einzigen Kriterium ausgewählt. Denn unser Ziel war es nicht nur, den Frauen, die Gewalt erlebt haben, eine Stimme zu geben, sondern erfolgreiche, widerstandsfähige Frauen hervorzuheben, die in ihren Gemeinschaften leben und wirken.“
Wie hast du die letzten Jahre in Georgien erlebt?
Und wie hat sich euer Engagement und eure Kunst im aktuellen politischen Klima verändert?
„Nach der Verabschiedung des sogenannten „russischen Gesetzes“ durch die georgische Regierung waren wir praktisch gezwungen, die Naambobi-Plattform zu schließen. Unser Team basiert ausschließlich auf Aktivismus und ehrenamtlicher Arbeit. Infolge des Gesetzes können wir nicht einmal mehr die minimalen Finanzmittel erhalten, die für das Überleben der Organisation unerlässlich sind – insbesondere für die Feldarbeit und die grundlegenden betrieblichen Anforderungen.
Georgien befindet sich derzeit in einer schwierigen und instabilen wirtschaftlichen Lage. Unter diesen Umständen kann Naambobi nicht mehr ausschließlich mit den persönlichen Ressourcen seiner Freiwilligen arbeiten.“

Mehr über Georgien
Georgien ist ein eurasischer Staat im Südkaukasus, der an Russland, Türkei, Armenien und Aserbaidschan grenzt. Mehr als ein Viertel der 3,7 Millionen Einwohner*innen leben in der Hauptstadt Tbilisi.
Das Gesetz zur Transparenz ausländischer Einflussnahme oder auch „Agentengesetz“ nach russischem Vorbild sieht vor, dass Medien und Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die sich zu mindestens 20 Prozent aus dem Ausland finanzieren, behördlich registrieren lassen müssen. Es wurde trotz heftiger Proteste im Mai 2024 verabschiedet. Mit dem Gesetz kann das Justiz- und Finanzministerium ohne zusätzlichen Gerichtsbeschluss Informationen von NGOs und Personen, die mit ihnen zusammenarbeiten, einfordern. Dies deligitimiert ihre Arbeit und gefährdet ihre Sicherheit.
Quelle: Bpb, Wikipedia
Diese Arbeit ist etwas, in das ich mein Herz, meine Energie und mein Engagement gesteckt habe, und es schmerzt mich zutiefst, dass die sogenannte „Regierung” sich uns entgegenstellt, weil wir Anliegen von Frauen sichtbar machen. – Gründerin Gvantsa Kordzakhia
