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filia_news_2020/1 | filia.die frauenstiftung


Liebe Leser*innen, liebe Interessierte,

der erste Entwurf dieses Grußwortes erwähnte den Corona-Virus noch nur im Nebensatz; als Hinweis, dass Ankündigungen zu größeren Veranstaltungen momentan mit Vorsicht zu genießen sind. Mittlerweile sind große Veranstaltungen bis in den Sommer hinein abgesagt, Kinos und andere Kulturorte gänzlich geschlossen, im Einzelhandel darf nur noch offen haben, wer zum Leben Notwendiges verkauft, und viele von Ihnen sitzen wahrscheinlich – hoffentlich – im Home-Office.
Wir machen gerade ungewisse Zeiten durch. Lassen Sie uns, wenn auch nicht in Person, doch über die verschiedenen Kommunikationskanäle, die uns zu Verfügung stehen, uns gegenseitig den Rücken stärken und so gut es geht unterstützen. Seien wir solidarisch mit all denen, die die Krise weitaus stärker trifft oder treffen wird! In diesem Sinne hat sich filia an einem Aufruf des Arbeitskreises Förderstiftungen des Bundesverbandes deutscher Stiftungen beteiligt: Siftungsengagement im Zeichen der Corona-Krise. Ein Aufruf vom Arbeitskreis Förderstiftungen. Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen! Was sich nicht ändert, ist unsere bedingungslose Solidarität mit unseren Förderpartnerinnen*.

Im weiteren Newsletter werden wir Corona nicht zum Thema machen, sondern Sie wie gewohnt über unsere Arbeit der letzten Monate, unsere Projektpartnerinnen*, unsere Erfolge und Probleme informieren. Natürlich ist es wichtig, über die aktuelle Situation gut informiert zu bleiben, dennoch stellen wir fest, dass eine Corona-Dauerbeschallung der psychischen Gesundheit nicht zuträglich ist und hoffen, dass Ihnen unsere Themen eine willkommene Abwechslung bieten.

In diesem Sinne freuen wir uns, Ihnen die erste filia_news 2020 zu präsentieren:

"Die Welt wird besser und schlechter zugleich.", schreibt die Autorin* Alice Hasters in ihrem Buch "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten". Dieser Satz erzeugt bei filia Resonanz auf vielen Ebenen. Wir von filia wollen zerstörerischen Tendenzen etwas entgegensetzen und erleben das besagte „Zugleich“ durch unsere Partnerinnen* manchmal hautnah mit: „Auf dem Rückweg nach Grozny nach einem thematischen Workshop in Kenkhi mit der bekannten Rechtsanwältin Maret“, so wird uns das Foto von unseren tschetschenischen Projektpartnerinnen* beschrieben. Aber was soll daran besonders sein? Fragen Sie sich das auch?

Nun, vielleicht haben Sie es in der letzten filia_news gelesen: Eine Frau ging, motiviert durch diesen Workshop, den ersten dieser Art in ihrem Leben, nach Hause und benannte ihr zweites Kind, wieder ein Mädchen, um. Ihre Familie hatte sich einen Sohn gewünscht und hatte dem Mädchen deshalb den Namen Yalita („Sterben“) gegeben. Die Mutter änderte nun den Namen des Kindes in Bahumisud („Goldene Blume“) um. Diese Frau, die in einem kleinen Dorf in Tschetschenien lebt, wünscht sich ein besseres Leben für ihre Töchter – und machte so den ersten Schritt. Gegen den Willen ihrer Familie. Was für ein Mut!

Unsere Partnerorganisation Vsegda Vmeste, („Immer zusammen“) aus Grozny war diejenige, die dieses Training veranstaltet hat. Die beiden Frauen auf dem obigen Foto haben es durchgeführt. Wir erfuhren von dieser bemerkenswerten Geschichte über die Auswirkung von Vsegda Vmestes Arbeit durch ihren Projektbericht. Wir sind überglücklich und auch stolz darauf, dass nun auch andere die wertvolle Arbeit von Vsegda Vmeste anerkennen. Die tschetschenische Organisation wurde gemeinsam mit den wunderbaren Hollas aus Köln und dem engagierten Udruzenje-Kas-Team aus Banja Luka (Bosnia-Herzegowina) mit dem With and For Girls Award 2019 ausgezeichnet. Am Internationalen Frauentag 2020 war die Preisverleihung in London: V. Mit und für Mädchen. filia-Partnerinnen* sind ausgezeichnet!

Der 8. März – ein Tag, der oft seinen Charakter veränderte und der in Deutschland zwischen 1933 und 1945 verboten war – wird wieder das, was seine ursprüngliche Intention war und was immer notwendiger wird: Ein Tag, an dem Frauen*, Mädchen* und ihre Verbündeten* gemeinsam auf die Straße gehen; weltweit, laut, sichtbar, um für gleiche Rechte von Frauen* und Mädchen* zu demonstrieren, für eine bessere Welt für alle. Warum ist diese Intention des 8. März so notwendig? Weil die Errungenschaften der Frauenbewegung aktuell und in vielen Ländern als Bedrohung angesehen und zurückgeschraubt oder sogar heftig bekämpft werden. Deshalb haben wir uns gemeinsam mit anderen Frauenstiftungen IV. “On the right Track“ begeben und eine Folge von Kooperationsprojekten entwickelt, die dem Antifeminismus in Regierungsentscheidungen und im Netz etwas entgegensetzen.

Aber zurück zum 8. März: filia hat sich den Tag wieder zum Anlass genommen, um ganz besondere Frauen in den Fokus zu stellen: Frauen, mit denen wir lachen und weinen, von denen wir lernen können: II. Licht aus, Kamera läuft: Starke Frauen zum Internationalen Frauentag 2020
Doch nicht nur unsere Veranstaltungen zum Frauentag erfreuten sich großem Zuspruch, auch unser Neujahrsempfang war wieder gut besucht: I. Zum ersten Mal woanders! Neujahrsempfang bei filia

Der Projektbericht aus Deutschland beschreibt, welche erstaunlichen Gipfel unsere Projektpartnerinnen* im Rahmen ihrer Arbeit immer wieder bezwingen müssen. Mit Ausdauer – und Erfolg: III. Frauen raus… in die Berge! – Oder auch: Ist es eigentlich unhöflich, die eigenen Bedürfnisse zu benennen?

Im Juni auf unserer ProjektParty können Sie mehr über eine Frauenstiftung erfahren, die sich aktiv in Polen für Frauenrechte einsetzt – und zwei wunderbare Frauen aus unserem Nachbarland kennen lernen: VI. Nicht verpassen!

Zu den Bildern an den sogenannten Außengrenzen der EU fehlen uns die Worte. Mit dem neuen Empowermentprogramm Frauen und Flucht (EFF) versuchen wir, innerhalb Deutschlands neue Wege zu gehen. Seit einem Monat ist die neue Programmreferentin mit am Start. Mehr zum Programm und ihrer Person wird sie in der nächsten filia_news selbst schreiben. Auch eine tolle neue Zustiftung werden wir dann vorstellen. An dieser Stelle nur: Herzlichen Dank an die Frauen von Divida! Und eine Gründungsstifterin wird uns im PR-Bereich mit ihrer Unterstützung empowern. Das sind schon drei gute Nachrichten, auf die Sie sich in der nächsten Ausgabe freuen können.

Ja, und wir empfehlen das Buch von Alice Hasters. Sie nennt es „ein Servicebuch für weiße Menschen“ und möchte die Norm brechen; die Norm, alles aus der Sicht der Weißen und das dann als „selbstverständlich“ anzusehen. Lesen, zuhören, bewusstwerden und lernen. Damit das „Besser“ sich ausbreitet und stärker als das „Schlechter“ wird. Es sind schwere Zeiten. Wir sind stolz auf all die Frauen* und Mädchen*, die aktiv sind und aktiv werden. Ihnen gilt unsere ganze Wertschätzung.

Bleiben Sie uns gewogen.
Bleiben Sie gesund!

Ihre
Katrin Wolf und die filia-Frauen




I. Zum ersten Mal woanders! Neujahrsempfang bei filia

Bereits zum achten Mal hat filia zu Beginn des Jahres Geber*innen, Partner*innen und Unterstützer*innen eingeladen, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und gemeinsam auf das kommende Jahr mit all seinen Projekten und Plänen anzustoßen. Zum ersten Mal haben wir dazu nicht in die Räume unserer Geschäftsstelle gebeten, sondern uns mit unseren Gästen auf das fremde Terrain der cantina fux & ganz gewagt. Ein voller Erfolg! Die Cantina war bis auf den letzten Platz besetzt. Es wurde geschwatzt, getrunken und gegessen. Und ganz nebenbei ist uns allen klar geworden: 2019 war echt ein super Jahr für filia!

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Am 14. Februar 2020 war es soweit: filia lud zum Neujahrsempfang ein. Der Abend zeigte wieder einmal, wie lebendig die filia-Gemeinschaft ist: Neben vielen filia-Unterstützer*innen kamen auch zahlreiche Mitstreiter*innen aus anderen feministischen Hamburger Vereinen und Institutionen. Vorstandsvorsitzende Heike Peper erfreute alle mit dem sehr guten Jahresergebnis für 2019. Es war eines der erfolgreichsten in der Geschichte der Stiftung. Die Spenden-Kampagne zum Jahresende „Wir warten nicht, bis uns die Luft weg bleibt…“ hat dazu mit 147.997 € beigetragen. Vielen, vielen Dank an alle, die zu diesem grandiosen Ergebnis beigetragen haben!

 

Neben den harten Zahlen gab es auch etwas für Herz und Seele. Katrin Wolf erzählte vom Projekt „Zivilgesellschaft braucht sichere Räume zum Wachsen“, und dabei vor allem von der für alle Projektteilnehmer*innen empowernden Abschlusstagung in Berlin im November letzten Jahres. Ihr Bericht machte noch einmal deutlich, wie wichtig geschützte Räume und die Möglichkeit zur Selbstfürsorge für Aktivist*innen sind.

 

Im Anschluss daran stellte Nina Hälker dar, wie filia ihre Arbeit zur Stärkung von Zivilgesellschaften mit dem Projekt „On the right Track“, einer Kooperation zwischen europäischen und lateinamerikanischen Frauenstiftungen, in diesem Jahr fortsetzen wird.

Janet Owusu, die Referentin für filias MädchenEmpowermentProgramm, gab noch einmal einen Überblick über das Programm und wie es sich durch die Kooperation mit Benefit Cosmetics im letzten Jahr weiter entwickeln konnte.

 

Besonders bewegend war jedoch der Beitrag von Geschäftsführerin Sonja Schelper: Sie berichtete vom Leadership Transition Programme, welches das internationale Netzwerk der Frauenstiftungen, Prospera, im letzten Jahr ins Leben gerufen hat. Nicht nur bei filia, auch in mindestens sechs anderen Stiftungen des Netzwerkes steht in den nächsten zwei Jahren ein Führungswechsel an. Prospera begleitet mit ihrem Programm den Generationswechsel in den Frauenstiftungen. Es gibt den scheidenden Frauen* Raum sich auszutauschen sowie Rat und finanzielle Unterstützung für die Zeit nach dem Ausstieg, denn nur in wenigen Ländern gibt es Anspruch auf eine gesicherte Rente. Es ist aber vor allem die Wertschätzung für das Geleistete, für den Beitrag zu den Frauenbewegungen, so betonte Sonja Schelper, die den teilnehmenden Frauen bei ihrem ersten Treffen in Mexiko unglaublich gut getan hat.

 

Das filia-Team bedankt sich für den großen Zuspruch. Wir freuen uns über die lebendige und vielfältige Gemeinschaft, die unsere Stiftung trägt und hoffen, dass wir 2020 weitere Gelegenheiten zur Begegnung haben werden.

 

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II. Licht aus, Kamera läuft: Starke Frauen zum Internationalen Frauentag 2020

Der Internationale Frauentag ist in filias Kalender – das überrascht wohl kaum – immer ein besonderes Datum. Dieser Tag hilft uns wie nur wenige andere Tage (zum Beispiel der 11. Oktober oder der 25. November), unser Anliegen, uns selbst und unsere Arbeit in die Welt hinaus zu tragen. Um diesen Tag herum ist das Interesse für Frauenrechte und die Stiftungen und Organisationen, die sich für diese einsetzen, erfreulich groß. Wäre es doch nur während des restlichen Jahres auch so!

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In diesem Jahr haben wir die Strahlkraft des 8. März genutzt, um ganz besondere Frauen, Vorkämpferinnen* und Wegbereiterinnen* in den Vordergrund zu rücken. So zum Beispiel mit der fiktiven Geschichte einer studierten Historikerin, die mit einem Sprung ins kalte Wasser überholte religiöse Traditionen in Frage stellt; oder mit der realen Geschichte jordanischer Klempnerinnen, die darum kämpfen, in einem männlich dominierten Beruf Fuß zu fassen.

 

In bewährter Kooperation mit dem Landesfrauenrat Hamburg, der TERRE DES FEMMES Städtegruppe Hamburg sowie der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg präsentierte filia am Internationalen Frauentag den mazedonischen Spielfilm „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“ im Metropolis-Kino in Hamburg. Gut besucht bot der Berlinale-Hit von 2019 den vielen Besucher*innen reichlich Austauschstoff beim anschließenden Filmgespräch und danach in der Kinolounge.

 

Für alle, die leider keine Gelegenheit hatten, ins Metropolis-Kino zu kommen, hier zwei kleine Schmankerl zum Film:

Trailer von „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“

Beitrag zum Film beim Heute Journal

 

Eine echte Entdeckung war für uns die Dokumentation „Waterproof“ und ihre Regisseurin Daniela König. Zusammen mit der W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik e.V. und mit freundlicher Unterstützung von Zusammen Leben und Arbeiten e.V. zeigten wir am 11. März im Lichtmeß-Kino in Hamburg ihre erste Dokumentation in Spielfilmlänge. Danielas klare feministische Positionierung, ihre Wertschätzung für die Protagonistinnen und ihre behutsame Herangehensweise an diesen Film beeindruckten uns stark. So ist sie für ihren Film nach Jordanien gezogen und hat ihre Protagonistinnen in den ersten drei Monaten ganz ohne Kamera begleitet. Sie wollte einfach nur dabei sein, stille Beobachterin ihrer Leben.

 

Sie habe sich und ihre Kunst den starken Frauen verschrieben, erzählte Daniela im Anschluss an den Film. Deren Geschichten sein es, die sie auf die Leinwand bringen will. Ihre Protagonistinnen Khawla und Aisha sind nicht nur eben das, starke Frauen; sie räumen auch mit den gängigen Klischees auf, die in deutschen Köpfen zu arabischen Frauen herumspuken. Sie sind selbstständig, anpackend, verdienen ihr eigenes Geld.

 

Unter den derzeitigen Umständen ist sehr zu hoffen, dass diese Dokumentation bald auf einem der gängigen Streaming-Dienste verfügbar ist, damit ihn sich möglichst noch viele Menschen ansehen können. Sollten wir dementsprechende Informationen erhalten, werden wir darüber auf unseren Social-Media-Kanälen berichten.

 

Trailer von „WATERPROOF“

 

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Petrunya am Fluss



III. Frauen raus… in die Berge! – Oder auch: Ist es eigentlich unhöflich, die eigenen Bedürfnisse zu benennen?

„Das war das schönste Erlebnis, seit ich in Deutschland bin“, sagt F. (22 Jahre alt), nachdem sie das erste Mal dreißig Meter hochgeklettert ist. Im Rahmen des MädchenEmpowermentProgrammes MEP förderte filia 2018 Bayerns beste Gipfelstürmer. Das engagierte kleine Team in München wollte Outdoor-Abenteuer für Mädchen* und junge Frauen* möglich machen, die aufgrund einer Fluchterfahrung oder persönlicher Beeinträchtigung oft isoliert sind. Doch das war gar nicht so leicht…

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Der geplante Auftakt, eine Kletterausfahrt in die Berge, schwamm im Dauerregen davon. Bei den drei alternativ angebotenen Terminen in einer Kletterhalle kamen aber weit mehr Mädchen*, als zur eigentlichen Ausfahrt angemeldet waren, und wollten an das Klettern herangeführt werden. Alle erkannten schnell, dass es beim Klettern darauf ankommt, sich ganz aufs eigene Tun zu konzentrieren und das eigene Potential zu erkennen.

 

Bestärkt von den gemeinsamen Stunden in der Kletterhalle wollten die Organisatorinnen* erneut eine Ausfahrt anbieten, stellten jedoch bald fest, dass für den Erfolg der Sache weitere vertrauensbildende Schritte und eine gehörige Portion Flexibilität nötig waren. Deshalb verstärkten sie den direkten Kontakt mit geflüchteten Frauen* und Mädchen* in verschiedenen Vereinen, Unterkünften oder schulischen Zusammenhängen; und sie akzeptierten – entgegen der ursprünglichen Planung – die Teilnahme von Brüdern und Cousins bei der ersten Ausfahrt. Denn einigen der interessierten Mädchen* wäre das Mitfahren ohne eine männliche „Aufsichtsperson“ nicht erlaubt gewesen. Nach dieser ersten Ausfahrt konnte sich die entstandene Gruppe allerdings darauf verständigen, dass zukünftige Veranstaltungen und Ausfahrten ausschließlich für Mädchen* und junge Frauen* angeboten werden.

 

Im Vereinsheim der Naturfreunde und in einer Hütte am Maserer Pass wurde gemeinsam übernachtet, geklettert, gekocht, Lagerfeuer gemacht, musiziert, getanzt und geratscht. Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen* vermitteln einen Eindruck davon, wie wichtig die gemeinsam verbrachte Zeit für alle Teilnehmerinnen* war:

 

„.. eigentlich bin ich gar nicht so anders, als die Frauen hier…“, stellte M. (19 Jahre) fest.

 

„…es ist ganz egal, welche Hautfarbe wir haben, solange wir Spaß haben miteinander“, ergänzte S. (22 Jahre).

 

Insgesamt nahmen 88 Teilnehmerinnen* zwischen 10 und 26 Jahren an den Aktivitäten teil. Für manche Teilnehmerin* stellte das Angebot eine Überforderung (vor allem psychisch und kulturell) dar und der Kontakt konnte nicht gehalten werden. Als großen Erfolg sehen die Gipfelstürmer jedoch zwei Dinge: Drei von ihnen wollen im Jahr 2020 Scout (Anleiterin*) werden und zwei Mädchen haben den Kontakt zu ihrer Schule hergestellt, sodass es dort jetzt eine wöchentliche Klettergruppe aus geflüchteten und einheimischen Mädchen gibt.

 

Dieses bemerkenswerte Projekt bot auch den Organisatorinnen* viel Lernstoff, den sie mit uns teilten und für den wir sehr dankbar sind. An dieser Stelle zitieren wir auszugsweise aus dem Bericht der Münchener Projektleiterin Ulli Dietrich:

„Wir haben vor allem bei den Ausfahrten viel gelernt, wie anders Kommunikation unter den sehr unterschiedlichen Frauen ablaufen kann. Inzwischen verstehen wir mehr, wie wichtig es ist, langsam aufeinander zuzugehen und die Teilnehmerinnen in jede Planung einzubeziehen, so gut es sprachlich geht.

Wir brauchen alle einen guten Rahmen, gute und transparente Strukturen und Orientierung. Immer wieder wurde deutlich, wie wichtig es ist, alles – tatsächlich

alles – miteinander zu besprechen.

Dies kostet vor allem in der Planung und Vorarbeit sehr viel Zeit. […] Auffällig war bei vielen die Angst, „etwas falsch zu machen“. Ist es erlaubt, zu klettern – darf ich das Kopftuch unter dem Helm anlassen – darf ich nur mit Hose klettern? Ist es ok, wenn ich sage, was ich brauche, damit ich mich trauen kann, zu klettern? Darf ich sagen, was ich essen will/kann/darf? Ist es unhöflich, eigene Bedürfnisse zu benennen? […]

 

Es wird noch viele Jahre dauern, bis unsere Teilnehmerinnen sich in Deutschland – in München – zu Hause fühlen. Wir einheimischen Frauen (Organisatorinnen*, Projektleiterinnen*, Trainerinnen*, ehrenamtliche Unterstützerinnen*, etc.) haben wesentlichen Anteil daran, diesen Prozess zu einem gemeinsamen Weg zu machen, mit- und voneinander zu lernen. […]

 

Wir entdecken in unserer Arbeit immer wieder auch unsere eigenen Vorurteile, können uns diesen stellen und daran lernen. Besonders wenn ein Plan, eine Aktion, ein Angebot nicht funktioniert und die Enttäuschung darüber groß ist, sind wir versucht, Schuld zuzuweisen. Erst auf den zweiten Blick entdecken wir, wo es schieflief – und können es dann auch ändern. Diese „gute Fehlerkultur“ gilt es zu entwickeln und weiter zu tragen…“

 

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Frauen raus… in die Kletterhalle! Frauen raus…



IV. “On the right Track“ oder „Lateinamerikas und Europas Frauen gefährden die Familien?!“

Im Februar reisten Sonja Schelper und Nina Hälker zu einem Koordinierungstreffen nach Barcelona. Bei dem Treffen ging es um das Projekt mit dem unglaublich langen Namen „On the right track. Establishing a European-Latin American Alliance of Women’s Funds to defend human rights and the values of democracy, freedom and diversity from attacks of the rising religious conservatism and the right-wing“. Was verbirgt sich dahinter? Die zusammengekommenen Frauenstiftungen planen, gemeinsam Strategien gegen den zunehmenden antifeministischen Rechtsruck zu entwickeln.

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Die Berichte und der Austausch unter den Teilnehmerinnen* aus Argentinien, Armenien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, Deutschland, Frankreich, Georgien, Niederlande, Kolumbien, Mexico, Nicaragua, Polen, Serbien, Slowakei, Spanien und der Ukraine zeigten einmal mehr, wie „effektiv“ Strategien und Koalitionen der Rechten und Antifeministen hinsichtlich der gezielten Diffamierung von und der Angriffe gegen Frauenorganisationen sind. Darüber hinaus zeigten sie auf, wie sehr sich die rechten Argumente ähneln: In Polen ebenso wie in Nicaragua sagen Fundamentalisten und Rechte den Feministinnen* nach, „Familien und Traditionen zu zerstören“. In Westeuropa wird dieses Bild oft durch die Dämonisierung der „Anderen“ ergänzt; zum Beispiel mit der Behauptung, migrantische Männer seien eine Gefahr für „weiße“ Frauen.

 

Diesen Argumenten und Lügen wollen wir auch in Zukunft etwas entgegensetzen: Ja, Feministinnen* rütteln an Traditionen und an einer binären Weltordnung – für eine gerechtere, demokratischere Welt!

 

Ein Highlight des Treffens – und eine gute Ergänzung zu den intensiven Diskussionen in der Gruppe – war ein Vortrag der brasilianischen Feministin Sonia Correa. Sie gab einen Überblick über die Brüche und den politischen Backlash lateinamerikanischer Demokratien in den vergangenen Jahren. Sie berichtete über die einschneidenden Folgen für Frauen- und Menschenrechte. Der Vortrag und die Diskussionen zeigten auf erschreckende Weise auf, wie fundamental intersektional Anti-Gender-Politiken sind: Konservative Kreise verbinden sich ideologisch mit der extremen Rechten in ihren Anstrengungen gegen Abtreibungsrechte, gegen Lesben, Schwule und Transsexuelle und andere Minderheiten. Dass hier Parallelen erkannt wurden, brachte aber gleichzeitig die Erkenntnis, wie wichtig es ist, sich dem Rechtsruck gemeinsam entgegenzustellen und zivilgesellschaftliche Allianzen zu bilden und zu stärken.

 

Ein nicht unwesentlicher Aspekt dabei ist Kommunikation. Deshalb wurde bei dem Meeting auch über Kommunikationsstrategien gesprochen. Es wurde darüber diskutiert, in was für einer Welt wir leben wollen, welche unsere Werte sind und was uns als Feministinnen*, die sich für Frauen*- und Menschenrechte einsetzen, verbindet.

 

Fragen wie diese beschäftigen uns auch in einem anderen laufenden Projekt, über das bereits in der filia_news berichtet wurde: Im Projekt „Basisfrauen mobilisieren gemeinsam für Demokratie“, bei dem Frauenorganisationen in Armenien, Deutschland, Georgien und der Ukraine derzeit Material über antifeministische Aktivitäten und die Veränderung von Narrativen aufbereiten, wird eine gemeinsame Medienkampagne entwickelt werden. Die Kampagne soll ins Zentrum rücken, wie wichtig zivilgesellschaftliche Organisationen für Demokratien sind.

 

Auch im Rahmen von „On the right Track“ wird filia Projekte in Deutschland fördern, die sich gegen den Rechtsruck positionieren.

 

Wer mehr über internationale Anti-Gender-Politiken erfahren möchte, dem sei u. a. Sonia Correas Videovortrag, in dem sie eine Vogelperspektive auf Gender-Politiken wirft, empfohlen!

 

Und wer sich positiv und stärkend mit feministischen Realitäten auseinandersetzen will, die*der kann gut einen Blick in das Feminist Realities Toolkit werfen: „Our Power in Action“

 

Das Projekt „On the right Track“ wird von Open Society Foundations gefördert.

 

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V. Mit und für Mädchen. filia-Partnerinnen* sind ausgezeichnet!

Seit mehreren Jahren schon ist es uns eine Ehre und ein Vergnügen, einige unserer Projektpartnerinnen* für den WITH and FOR Girls Award vorzuschlagen. Natürlich wissen wir, dass nicht immer alle unsere Vorschläge berücksichtigt werden können; schließlich gibt es weltweit unzählige inspirierende, mutige und wahrhaft bahnbrechende Organisationen von und für Mädchen*. Um so seliger sind wir, wenn unsere Vorschläge Erfolg haben…

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2019 hatten wir und unsere Projektpartnerinnen* unglaubliches Glück: Alle drei Vorschläge, die wir eingereicht haben, wurden für die Auszeichnung ausgewählt. Die glücklichen Gewinnerinnen sind Vsegda Vmeste aus Tschetschenien, Udruzenje Kas aus Bosnien-Herzegowina und Holla e.V. aus Deutschland.

 

Die Gewinnerinnen* werden von dem WITH and FOR Girls Award zu einer Woche mit Workshops und Vorträgen eingeladen, an deren Ende die Preisverleihung stattfindet. Diese Preisverleihung findet jeweils zum Internationalen Frauentag des folgenden Jahres statt. So haben unsere 2019-Preisträgerinnen* ihren Award im März 2020 erst in Empfang nehmen können.

 

Leider ist es für unsere Partnerinnen* nicht immer ganz unproblematisch, solche Gelegenheiten wahr zu nehmen: Für Vsegda Vmeste stellte die Reise nach London eine Herausforderung dar. Da ihre Organisation in letzter Zeit Inspektionen und Razzien über sich ergehen lassen musste, konnte nur eine einzige Mitarbeiterin nach England fahren. Am Flughafen wurde diese Mitarbeiterin stundenlang verhört, bevor sie ausreisen durfte. Doch trotz der Anstrengungen überwog bei ihr die Freude, an der Austauschwoche teilgenommen zu haben. Der WITH and FOR Girls Award bietet damit eine wertvolle Plattform, die es Aktivistinnen* aus allen Teilen der Welt ermöglicht, sich zu begegnen und von einander zu lernen.

 

Das With and For Girls Kollektiv besteht aus elf Geber*innen. Sie alle eint die Überzeugung, dass Mädchen* wichtige Protagonistinnen* gesellschaftlichen Wandels sind. Seit 2014 wurden mit den Awards sechzig Organisationen aus 41 Ländern ausgezeichnet. Diese Organisationen erhalten ein Preisgeld, werden Teil des WITH-and-FOR-Girls-Netzwerkes und kommen zu einer gemeinsamen Preisverleihung in London zusammen. In der Vergangenheit wurden bereits die filia-Partnerinnen* Junglesbenzentrum Hamburg, der Mädchentreff Bielefeld und Doveriye aus Tschetschenien mit diesem Preis ausgezeichnet.

 

filia gratuliert Holla e.V., Vsegda Vmeste und Kas sehr herzlich zu diesem großartigen Erfolg! Wir freuen uns mit unseren Projektpartnerinnen* über die Anerkennung ihrer notwendigen Arbeit und natürlich über den sehr willkommenen Geldregen. Macht weiter so, ihr drei!

 

Mehr über die Awards und die vielfältigen Gewinnerinnen* lesen Sie auf der Webseite der WITH and FOR Girls Awards

 

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VI. Nicht verpassen!

Aufgrund der aktuellen Situation weisen wir daraufhin, dass unsere Angaben zu den hier veröffentlichten Aktionen und Veranstaltungen unter Vorbehalt sind. Wir halten Sie auf unseren Sozialen Medien darüber auf dem Laufenden, ob diese Aktionen und Veranstaltungen stattfinden, verschoben oder gänzlich abgesagt werden.



Jederzeit

Podcast „Tea with Mama Cash“

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In ihrem Podcast „Tea with Mama Cash“ bespricht die niederländische Frauenstiftung Mama Cash Feminismus und andere, damit zusammenhängende, politische Themen. Moderiert von Zohra Moosa (Geschäftsführerin) and Happy Mwende Kinyili (Programmdirektorin) präsentiert jede einzelne Folge ganz wunderbare Gäste und Interviewpartner*innen. Mehr als hörenswert!

 

Link zum Podcats „Tea with Mama Cash“

Der Podcast ist auf Englisch. Niederländisch-Kenntnisse sind nicht notwendig.

 

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17. Mai

Rainbow Flash

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Wie auch in den letzten Jahren beteiligt sich filia wieder am Rainbow Flash anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo-, Trans*- und Biphobie. Der vom LSVD Hamburg organisierte Flash setzt ein Zeichen gegen Stigmatisierung und Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*- und Intersex-Menschen, denn alle Menschen haben ein Recht darauf, ihre Talente frei und voll zu entwickeln und sich in unserer Gesellschaft sicher und wertgeschätzt zu fühlen.

Der Flash beginnt um 19.30 Uhr. Seien Sie dabei und setzen Sie mit uns ein regenbogenfarbenes Zeichen für Gleichberechtigung!

 

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30. Mai bis 5. Juni

Internationaler Workshop im Projekt „Basisfrauen mobilisieren gemeinsam für Demokratie“ in Armenien

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Die Projektteilnehmerinnen* aus Armenien, Deutschland, Georgien und der Ukraine treffen sich, um die erste Phase des Projektes abzuschließen und die gesammelten Informationen zu den Kräften, die in ihren Ländern die Zivilgesellschaft bedrohen, miteinander zu teilen. Weiterhin wird es bei diesem Workshop darum gehen, mit der Unterstützung von Medien-Expert*innen Ideen zu entwickeln, wie wir sichtbar und wirkungsvoll auf die Bedrohungs- und Einschüchterungsversuche reagieren können. Gemeinsam soll zum International Women Human Rights Defenders Day am 29. November 2020 eine Kampagne gestartet werden, die die Bedeutung und die Stärke zivilgesellschaftlicher Frauenorganisationen für eine funktionierende Demokratie deutlich und öffentlich sichtbar machen soll.

Wir werden in der nächsten filia_news über diesen Workshop berichten. Erfahren Sie mehr zu diesem Projekt auf unserer Webseite!

 

 

 

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12. Juni

ProjektParty 2020: „I want a better world for her!“ – Feministische Strategien und Projekte wider den Nationalismus und Fundamentalismus in Polen

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In einer Zeit, in der sich mehr als 80 Städte in Polen als sogenannte „freie Zonen“ gegen Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle positionieren, setzt die noch junge, feministische Stiftung FemFund ein klares politisches Signal: FemFund stellt niedrigschwellig Fördergelder für Frauen*- und queere Projekte zur Verfügung, vernetzt diese untereinander und beteiligt Aktivist*innen an der Entscheidung über die Vergabe von Fördermitteln – für die Schaffung einer besseren Welt für alle.

Die beiden Gründerinnen der Stiftung, Magda Pocheć und Marta Rawłuszko, geben Einblicke in die Situation für Frauen im Nachbarland und berichten von ihrer Arbeit, bei der sie junge Frauen als Akteurinnen* sehen, die ihr Leben selbst gestalten und nicht als Opfer stehenbleiben. Die Veranstaltung findet auf Englisch mit deutscher Übersetzung statt.

Eine offizielle Einladung wird noch verschickt.

 

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