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filia_news_2019_1

Liebe Leser*innen, liebe Interessierte*,

foto: Agata Kubik, Womens March in Warschau 2018

laut und öffentlich: Europa ist eine Frau*! Das wird wohl niemand bestreiten, wer sich in der Mythologie etwas auskennt. In der Gegenwart heißt es jetzt, für sie zu sorgen. Diesmal müssen wir wirklich alle zur Europawahl gehen und Familie und unsere Freund*innen mitnehmen. Das gehört doch auch zu einer aktiven, lebendigen Zivilgesellschaft. Oder wie verstehen Sie das?
Der 8. März wurde wieder zum Kampftag. Weltweit gingen Frauen* auf die Straßen, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen, so zum Beispiel in Spanien, wo diese sehr beeindruckenden Aufnahmen entstanden. Auf dem Blog des Bundesverbandes deutscher Stiftungen ist gut sichtbar filias Beitrag zum Weltfrauen*tag nachzulesen. Die Bewegung wächst, der antifeministische Gegenwind ebenso.

Unter anderem in unserem Nachbarland Polen. Deshalb hat sich filia entschlossen, den Aufbau einer neuen Frauen*stiftung zu unterstützen. Hier erfahren Sie mehr über unsere neue Schwester*stiftung in Warschau. Und hier können Sie nachlesen welche angeblichen Gefahren von Frauen*rechtsaktivistinnen* ausgehen. Deshalb werden sie diffamiert, bedroht und isoliert. Zivilgesellschaft wird unter Druck gesetzt, weil sie laut und wirkungsvoll ihre Anliegen verbreitet und umsetzt. Auch vor der eigenen Tür gehen wir auf die Straße.

Über drei Mädchen*projekte, die 2018 eine sichtbare Strahlkraft entwickelten, können Sie sich hier informieren. Und filia unterstützt FEMNET e.V. dabei, dass Frauen* aus der Textilindustrie in Bangladesch sich für ihre Rechte und gegen die alltägliche Gewalt einsetzen. Ebenfalls laut und öffentlich.

Das Jahr 2019 beginnt für uns mit gravierenden Veränderungen im Inneren, die gewiss auch bald sichtbar nach außen wirken werden. Einige haben es registriert: Die Stiftung veröffentlichte drei Stellenausschreibungen. Dahinter stehen verschiedene Entwicklungen, so auch ein Abschied nach 15 Jahren. Aus den zahlreichen Bewerbungen haben wir uns für drei neue Mitarbeiterinnen* entschieden. Sie werden sich in den nächsten Ausgaben vorstellen.
Haben Sie es bemerkt? filia probiert sich mit einer anderen Schreibweise aus. Das Gendersternchen hält Einzug in unsere Texte, weil es, „besser die Realität abbildet.“, so Stiftungsrätin* Tanja Chawla.

National (München) und international (Ariadne, FEMNET e.V.) erfahren wir Zuspruch und begegnen Menschen und Organisationen, die uns auf dem Weg zur Gleichberechtigung und einer besseren Welt für Frauen* und Mädchen* begleiten.
Also bitte nicht vergessen: Europa ist eine Frau*. Sie benötigt unsere Fürsorge – laut und öffentlich – dann erhalten wir Frieden, Gleichberechtigung und Lebensfreude als Belohnung.

Bleiben Sie uns gewogen.

Ihre Katrin Wolf und das filia-Team

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1_filia in Veränderung

2019 ist für filia ein Jahr der Veränderungen: auf personeller Ebene, aber auch in unserer Förderstruktur. 

  1. Claudia Bollwinkel feiert nach 15 Jahren ihren Abschied von filia. Sie baute seit 2004 – also seitdem die Stiftung ihre Geschäftsstelle in Hamburg eröffnet hat - das Projektmanagement bei filia auf, pflegte Kontakte zu den Partnerinnen* auf Basis gegenseitigen Vertrauens und hat die internationale Vernetzung vorangetrieben. Sie entwickelte nicht nur die partizipative Förderweise bei filia mit, sie hat sie verkörpert. Wie sie das selber sieht und wohin sie geht, lesen Sie hier. Da auch filias Förderungen sich im Wandel befinden, werden wir gemeinsam mit der neuen Programm Managerin* unsere Strategien, Aufgaben und Zuständigkeiten neu erfinden.
  2. Unser MädchenEmpowermentProgramm wird weiter ausgebaut. So begrüßen wir ab April unsere neue Kollegin* Janet Owusu, die das Programm leiten und in enger Zusammenarbeit mit dem Mädchenbeirat weiterentwickeln wird.
  3. filia ist durch die Akquise öffentlicher Mittel in die Lage versetzt worden, operativer zu agieren und zu kooperieren. Gemeinsam mit europäischen Frauen*stiftungen und Partnerinnen* aus Deutschland und dem südlichen Afrika setzen wir Projekte um – und diese wollen auch verwaltet und entsprechend abgerechnet werden. In diesem Bereich können wir uns ebenfalls auf eine neue Kollegin* freuen.


Diese Veränderungen fordern unser kleines Team: Einarbeitungszeiten, neue Prioritäten setzen, Schwerpunkte verschieben sich und jede Mitarbeiterin* bringt ihre besonderen Erfahrungen, Stärken und Fragen mit.

Anstrengend. Herausfordernd. Aufregend.


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2_Nach 15 Jahren filia – Claudia Bollwinkel verabschiedet sich

Lori mit bracelet

Wir saßen unter dem Sternenhimmel in Bahia. Unter dem Mond, der anders herum hing als in Europa. Eine Gruppe Feministinnen*, die aus Europa angereist war, um am awid Forum 2016 teilzunehmen. Wir kamen aus Serbien, Georgien und Deutschland, waren noch müde von der Reise, aber beschwingt, weil es sehr köstlich ist, die weltweite feministische Bewegung so hautnah spüren zu dürfen. Neben mir saß eine blonde Serbin*, die ich nicht kannte, bis sie sich mit einem Mal zu mir wandte und rief: “You are Claudia!!!” Es stellte sich heraus, dass sie von Biljana aus Novi Sad - genannt Lori - ein Päckchen für mich bekommen hatte mit dem Auftrag, mich unter den 2000 Menschen auf dem Forum ausfindig zu machen und es mir zu geben. Darin war ein Armband aus selbstgemachten Perlen, von Lori angefertigt, mit ihrem Dank für meine Unterstützung.
Lori hatte sich 2016 entschieden, dem lesbischen Aktivismus in Serbien den Rücken zu kehren und nach Norwegen auszuwandern, um dort von ihrer Perlenkunst zu leben. Ich sehe sie oft auf facebook mit ihrem Hund im Schnee. „Wir brauchen Veränderungen in unserem Leben, als Weg uns selbst neu zu gebären“, schrieb sie mir.
Meine Verbindung mit Lori geht weit zurück.


2007 hatten wir ihrer Gruppe eine kleine Förderung gegeben. Sie schrieb uns damals, dass filia ihnen geholfen hatte, ihren Enthusiasmus aufrecht zu erhalten: „Wir wundern uns immer noch: Wie kam es, dass sie uns vertraut hat, warum setzte sie so einfach auf uns?“ Wir konnten auf sie setzen, weil wir so frei darin waren, wen wir fördern wollten.
2010 hatten wir Lori dann als Rednerin* nach Hamburg eingeladen. Sie steckte mitten in Auseinandersetzungen um die Akzeptanz von nicht-heterosexuellen Lebensweisen in ihrer Stadt und war überwältigt davon, dass sie auf der filia-Projektparty Raum bekam, darüber zu sprechen – einfach bedingungslos Zeit und ein Mikrophon und ein Publikum, das ihr intensiv zuhörte. Weil filias Unterstützung auf Solidarität beruht.
2014 traf ich Lori in einem lauten Belgrader Straßencafé wieder. Da hatte sie sich schon entschieden, sich aus dem Aktivismus zu verabschieden. Sie sagte, dass mit uns zu arbeiten ihr immer das Gefühl von Gleichheit und Verbundenheit gegeben hatte. Wenn es gelang, unser Prinzip von Augenhöhe zwischen Gebenden und Empfangenden auch wirklich erlebbar zu machen, war ich immer besonders zufrieden.
Jetzt bin ich dann mal weg, aber nicht sehr weit – nur bis rüber zu Dreilinden und der LGBTQI Bewegung.  Da erkunde ich es dann weiter, das Geben mit Vertrauen.

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3_Welche Trends in Gesellschaft und Philanthropie zeichnen sich in Europa ab?

Seit Ende 2018 ist filia Mitglied bei Ariadne – ein Zusammenschluss Europäischer Stifter*innen für Sozialen Wandel und Menschenrechte. Ariadne versteht sich als “private Community, die europäische Spender und Stiftungsmitarbeiter vernetzt, die den gesellschaftlichen Wandel, die Menschenwürde, die Menschenrechte und die menschliche Gerechtigkeit fördern.“ Mitglied werden können Einzelpersonen oder Organisationen, die die Welt bewegen möchten. Fundraising ist dort unerwünscht, es ist ein partizipatives Netzwerk, der inhaltliche Austausch steht an erster Stelle.
Jedes Jahr gibt Ariadne eine Prognose heraus, die auf Grundlage von Umfragen und Interviews innerhalb der Ariadne-Community erstellt wird. Hier können Förder*innen erfahren, welche Entwicklungen und Herausforderungen europaweit gesehen werden.


45 Mitglieder* antworteten online, 37 Interviews wurden geführt – keine repräsentative Erhebung für Europa, aber für die Ariadne-Mitglieder*. In 5 europäischen Großstädten werden Runde Tische organisiert. Am 28. Februar fand einer in Berlin statt. Hier einige der Ergebnisse:

  • Zunehmende Akzeptanz rechtsextremer Ideologien
  • Räume für Zivilgesellschaft werden immer mehr eingeschränkt und bedroht (Shrinking Civic Spaces)
  • Mehr öffentliches Bewusstsein für Frauen*rechte stehen einer wachsenden Antigenderbewegung gegenüber
  • Interesse an Zusammenarbeit zwischen Stiftungen und NGO´s wächst. Allianzenbildungen werden angestrebt
  • Wachsende Bereitschaft die eigene Stiftungsarbeit zu reflektieren (Kritik an der Phineo Wirkungslogik)


Karin Heisecke sprach als Senior Expert von der Amadeu Antonio Stiftung über den massiven Gegenwind, der der Stiftung seit Veröffentlichung einer Handreichung für Kitas gegen Rechtspopulismus entgegen schlägt. Die Belastung für die Mitarbeiter*innen ist groß, Ressourcen sollten eingeplant werden, um Shitstorms und dergleichen verarbeiten zu können und nicht auszubrennen. Und wie schützen und stärken wir Förderpartner*innen?
Matthias Fiedler von der Bewegungsstiftung kommentierte und leitete mit diesen Problemstellungen die Diskussion ein. Was uns in der Analyse gefehlt hat: Die Situation der Geflüchteten, der Klimawandel und die Frage nach Umgang mit Geld.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse: Ja, wir sind auf einem gemeinsamen Weg und stehen vor existenziellen Fragen. Katrin Wolf hat filia dort vertreten und brachte das Kooperationsprojekt zum Thema Shrinking Spaces mit ein. Gewiss werden wir uns auf der Veranstaltung am 15. November wieder sehen, wenn Aktivistinnen* aus Armenien, Georgien, der Ukraine und Deutschland ihre Geschichten in Berlin erzählen.

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4_Europa ist eine Frau*

filia-Archiv

Das Thema Wahlen und Rechte erfreut sich seit letztem Jahr einer hohen Aufmerksamkeit: Seit 1918 gibt es in Deutschland das Frauen*wahlrecht. Im Zuge dieses 100-jährigen Jubiläums waren die Geschichte der Frauen*bewegung und der Suffragetten, die historische Entwicklung von Gleichberechtigung der Geschlechter in der BRD fast schon allgegenwärtig. Und brandaktuell: das Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung treibt Aktivist*innen auf die Straßen und bringt neue Bündnisse hervor. Mit der Dokumentation über die Verfassungsrichterin* Ruth Bader Ginsburg  „RBG – ein Leben für die Gerechtigkeit“ wurde der Fokus auf die Bedeutung von Frauen* in der Rechtssprechung und deren transformativer Kraft gelenkt.  1919, also vor 100 Jahren, konnte  das erkämpfte Frauen*wahlrecht in Deutschland zum ersten Mal genutzt werden und so bewegen  100 Jahre Frauen*wahlrecht noch immer.
Aber auch in der Gegenwart finden bedeutsame Wahlen statt: In den Landtagswahlen zeichnet sich der gesellschaftliche Rechtsruck in Deutschland ab und feministische wie auch antirassistische Projekte mit Landesförderung sind bedroht. Am 26. Mai können alle Bürger*innen der Europäischen Union ihre Stimme für das Europäische Parlament abgeben. Das beschäftigt filia als internationale Frauen*bewegungsstiftung sehr. Wie ist die Lage von Frauen* in Europa und welche Veränderungen wünschen sie sich? Wie genau bedrohen rechts-konservative und populistische Strömungen in Europa die hart erkämpften Frauen*rechte? Und welchen Einfluss hat das Europäische Parlament auf die Lage der Frauen* in den einzelnen Länder?

Im EU-Parlament werden richtungsweisende Debatten um die Rechte von Frauen* und Minderheiten geführt. Hier sehen sie zum Beispiel eine Debatte zum Gender Pay Gap in der Europäischen Union. Erschreckend darin zu sehen, wie der EU-Abgeordnete* Janusz Korwin Mikke offen sexistische Scheinargumente gegen die gleiche Bezahlung von Männern* und Frauen* ohne Bedenken äußert. Es zeigt sich auch die Bedeutung von Abgeordneten wie  Gracia Perez, die solchen regressiven Tendenzen in der EU klare feministische Positionen entgegenhalten. Apropos Gender Pay Gap: Wussten Sie, dass sich Deutschland im europäischen Vergleich im hinteren Drittel bewegt?  Frauen* verdienen durchschnittlich 21,5% weniger als Männer*.  
Wenn Sie sich genauer mit der Frage beschäftigen möchten, welchen Einfluss das EU-Parlament auf Gleichberechtigung hat, empfehlen wir den Artikel Warum die Europawahl entscheidend für die Gleichberechtigung von Frauen ist.  

Der alltägliche Respekt gegenüber Frauen* in Deutschland, progressivere Gesetzgebungen, Quotenregelungen und die tatsächliche Chancengerechtigkeit kommen dennoch nur schwerfällig voran. Die verinnerlichte Verachtung und Herabsetzung gegenüber Frauen* und Mädchen* ist strukturell und kulturell zu fest verankert. Umso wichtiger ist es, internationale Frauen*solidarität zu unterstützen und zu stärken. Wie sich am Beispiel unserer neuen Schwester*stiftung FemFund zeigt, ist es durch die gute Vernetzung der Europäischen Frauen*stiftungen möglich, ganz konkret Frauen* in Europa, auch in den ländlichen Regionen zu stärken. Denn für Europa sind alle Frauen* wichtig.

Was können Sie tun?

Feministische Aktivist*innen  brauchen nachhaltige Unterstützung und solidarische Partner*innen:
Stärken Sie mit uns gemeinsam Aktivist*innen in Europa:
Bis zur EU-Parlamentswahl am 26.Mai läuft unsere Spendenkampagne: Europa ist eine Frau*.
Oder Spenden Sie jetzt  für filia, denn wir stärken Frauen*.

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feministische Aktivistinnen* in Armenien
Avangard in Armenien

5_Kooperation mit Osteuropa: Shrinking Spaces – ein unvertrauter Begriff?

Seit Herbst 2018 arbeiten in Armenien, Georgien und der Ukraine je 3 Frauen*organisationen innerhalb unsere Kooperation Zivilgesellschaft braucht sichere Räume an unterschiedlichen Projekten, die unter diesem Begriff versammelt sind: Shrinking oder sogar Closing Spaces. Eine Kurzbeschreibung der Projekte in Deutsch und Englisch finden Sie hier.
Auch in Deutschland ist das Thema hochaktuell geworden. Was soll hier eingeengt oder gar geschlossen werden? Wer fühlt sich von wem bedroht?
Aus Armenien erreichte uns ein Foto. Es zeigt unverblümt, aber mit bunten Blüten, dass es gefährlich ist, in der Öffentlichkeit ein Gesicht für Frauen*rechte zu zeigen. Nur die jungen Leiterinnen* scheinen das nicht zu fürchten. Welche Gefahr geht von diesen 11 Frauen* aus, die laut unserer Partnerin* Gohar eine Aktion zu Frauen*rechten planen?

Oder von der Gruppe Avangard? Sie bringt in der Konfliktzone Abchasien im Süden Georgiens Leiterinnen* aus 4 Frauen*organisationen zusammen - wie Sie auf dem zweiten Foto sehen können. Hier arbeiten sie gemeinsam daran, die Ziele und Visionen ihrer Gruppen klarer zu formulieren und ihren Zusammenhalt zu stärken. Gerade in dieser Konfliktregion ist der Zusammenhalt der Frauen*gruppen überlebenswichtig. Die Anfeindungen kommen von allen Seiten. Gender ist inzwischen ein Tabu-Wort in Georgien. Es bedrohe „unsere Tradition und unsere Kultur“, so wird es in zahlreichen Hassattacken, aus kirchlichen Kreisen und auch in offiziellen Medien verbreitet.

In der Ukraine versammeln sich Rechtsanwält*innen, um zu beraten, wie die Frauen*rechte verstärkt zu sichern sind. Sie entwerfen Strategien, wie sie den körperlichen und verbalen Attacken gegen sich und Kolleg*innen besser begegnen können. Insgesamt soll die Akzeptanz ihrer Arbeit in der Gesellschaft bekannter und anerkannter werden. Sie sollen Solidarität und Unterstützung erleben – und zurückgeben.
Es geht auch um das gegenwärtige Klima innerhalb von gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Harmony of Equals, frei übersetzt die Harmonie Gleichgesinnter, lautet der Titel eines Projektes aus der Ukraine. Er benennt die Sehnsucht, in Ruhe und ohne Anfeindungen neue Menschen für ihre Ziele zu gewinnen, Bündnisse zu schmieden, sich zu unterstützen.

Wie wichtig ist eine lebendige Zivilgesellschaft für die Demokratie?  Welche Art Engagement soll steuerlich unterstützt, sprich als gemeinnützig anerkannt werden? Diese Fragen sind auch in Deutschland hochaktuell. Wo fängt politische Propaganda an und wo hört gesellschaftliches Engagement auf? Und wer bestimmt darüber? Wie deuten wir den Entzug der Gemeinnützigkeit von Organisationen in Deutschland, die sich politisch engagieren – bisher vor allem im linken systemkritischen Spektrum - zum Beispiel Attac? Die Allianz für die Rechtssicherheit politischer Willensbildung geht diese Fragen an mit dem Ziel, ein moderneres Gemeinnützigkeitsrecht zu erarbeiten. Im Netzwerk Wandelstiften werden wir über Unterstützungsformen beraten.
Und im November können Sie gerne mitdiskutieren, wenn aus den 3 Ländern und aus Deutschland je 12 Frauen* in Berlin zusammenkommen und am Ende ihrer Austauschwoche, am 15. November im GLS-Campus Kastanienallee darüber berichten werden. Laut und öffentlich.

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6_Die Glut anfachen

„FemFund ist wie ein Ventilator, der eine Glut anfacht ...  der Keimlinge von Ideen in die Welt hinausschickt ...“ sagt eine Aktivistin* über die polnische Frauen*stiftung in einem Imagevideo. FemFund wurde im Januar 2018 gegründet und entstand aus dem Traum, einfach zugängliches Geld für feministische Community-Aktivitäten zu haben. Die Stiftung ist aber mehr als eine Geldgeberin* – sie ist selbst eine vitale Community. In der Facebook-Gruppe des FemFund sind über 60.000 Menschen, die Stiftung hat 300 private Unterstützer*innen.

40 Mini-Förderungen wurden in dem einen Jahr vergeben – von den Antragstellenden selbst! Denn der FemFund hat eine partizipative Herangehensweise: Die Beantragenden selbst stimmen ab, wer die Förderung bekommt. Das Modell hat FemFund von FRIDA The Young Feminist Fund übernommen. „Wir sind uns sicher, dass es keinen besseren Weg gibt, über Geld für feministischen Aktivismus zu entscheiden. Und wir vertrauen diesen Entscheidungen einfach“, schreiben die Frauen* vom FemFund in ihrem ersten Jahresbericht. Bei den Förderungen steht nicht das Geld im Vordergrund, sondern die Wirkung, die es entfalten kann: sichere Räume für feministisches Denken zu öffnen und Frauen* und Mädchen* zusammen zu bringen, die die gleichen Werte teilen. In Polen geschieht beides: der massive Angriff auf Frauen*rechte und kraftvolle feministische Gegenwehr.
FemFund wird von einem Managing Collective geleitet. Neue, feministische Organisationsstrukturen zu finden und zu entwickeln verstehen die Frauen* als einen Teil ihrer Mission. filia unterstützt die polnische Schwesterstiftung mit einer Förderung für den Aufbau ihrer Infrastruktur.

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7_Frauen*rechte in der Textilindustrie: FEMNET e.V.

Aus der Kampagne gegen GBV = Gender Based Violence = Geschlechtsbezogene Gewalt

Erst beim vierten Treffen brach das Schweigen

Kalpona Akter lächelt offen in die Kamera, als filia sie im November 2018 in Hamburg trifft.  Alle Frauen* in der 20 köpfigen Frauen*gruppe in Bangladesch erlebten sexuelle Gewalt in der Textilarbeit – doch keine wollte die Tabugrenze überschreiten und reden. „Obwohl das die Kämpferinnen* sind, die täglich mit ihren Chefs um Sicherheit und Löhne streiten“, scheint sich Kalpona selbst zu wundern. „Erst beim vierten Treffen waren sie bereit, von ihren bedrängenden Erfahrungen zu erzählen.“

Kalpona Akter ist Arbeitsrechtlerin* und Aktivistin* beim BCWS – dem Bangladesch Center for Workers Solidarity.  Jetzt.  Früher war sie Textilarbeiterin* und hat neben den harten Arbeitsbedingungen in den oft informellen Textilfabriken die alltägliche Gewalt dort erlebt. Mit Anzüglichkeiten, Beleidigungen und Schlägen bis zu sexuellen Übergriffen und Erpressung sehen sich die Arbeiterinnen* konfrontiert.
Im selben Jahr als filia gegründet wurde – tat sich auch Kalpona Akter mit einigen Textilarbeiter*innen zusammen und trat mit der Gründung des BCWS 2001 dafür an, menschenwürdige Behandlung und angemessene Löhne zu verhandeln. Es ist inzwischen Bangladeschs prominenteste Interessensvertretung.
Es ist von entscheidender Bedeutung, dass auch in den textilimportierenden Ländern wie Deutschland Verbündete gefunden werden. FEMNET e.V. hat darin jahrelange Expertise.

filia ist jetzt mit 64.000 € als Drittmittelgeberin* in eine Multi-Akteurs-Partnerschaft eingestiegen und hat damit ermöglicht, dass diese Arbeit vertieft werden kann. Die Projektkosten 2018 – 2020 werden zu 75 % vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) finanziert und zu je 12,5 % von FEMNET und filia.
FEMNET arbeitet mit den Organisationen BCWS (Bangladesch) und SAVE (Indien) daran, Frauen* in den Textilfabriken zu unterstützen sich zu organisieren und sie in Trainings über ihre Rechte aufzuklären. Sie setzen sich für gesetzliche Regelungen ein, die Frauen* vor Gewalt am Arbeitsplatz schützen können und kommen mit den Arbeiterinnen* ins Gespräch – auch über Tabus. Kalpona Akter war in November anlässlich von 20 Jahren Clean Clothes Campaign (ccc) in Hamburg und filia-Stiftungsrätin* Tanja Chawla hatte die Chance, sie zu interviewen. Hier ein Ausschnitt.

In Deutschland tritt filias Kooperationspartnerin* Femnet mit Textilunternehmen in Dialog um sie für das Thema Gewalt gegen Frauen* in den Textilfabriken zu sensibilisieren. Sie können als Einkäufer*innen Einfluss auf die Bildung von Kommittees gegen Gewalt (ICC) in den Fabriken nehmen. Vor wenigen Wochen startete auf facebook eine länderübergreifende Kampagne unter den Hashtags #gegengewalt und #stopGBV (GBV steht für Genderbased Violence, also Geschlechtsspezifische Gewalt). Ein Erfahrungsaustausch der Aktivistinnen* aller 3 Länder ist geplant.

Aktuell ist die Lage in Bangladesch sehr angespannt, wie Sina Marx von FEMNET nach einem Vor-Ort-Besuch berichtet: Nach den Streiks für mehr Lohn und nach den Wahlen Ende 2018 sind 5.000 bis 7.000 Textilarbeiter*innen entlassen und zahlreiche der informellen Fabriken geschlossen worden. Es gab verleumderische Klagen gegenüber unliebsamen Arbeiter*innen (u.a. Frauen*, die in Kürze in den Mutterschutz gegangen wären), und mehr als 1.000 Arbeiter*innen sind untergetaucht, um einer Verhaftung zu entgehen. Sie schlafen bei Bekannten oder halten sich versteckt, denn aus den Gefängnissen kämen sie nur durch eine Kaution frei…
Die Arbeit von Kalpona Akter und ihren Kolleg*innen ist derzeit anders priorisiert als geplant – aber ihr Ziel verlieren sie nicht aus den Augen.

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8_filia-Neujahresempfang: Marienkäfer für 2019

Am 31. Januar öffneten wir wieder unsere Türen für den jährlichen filia-Neujahresempfang.
Zur Eröffnung verschenkte filia-Vorstandsfrau* Heike Peper ein uraltes Glückssymbol: Marienkäfer. Natürlich keine echten, sondern die aus Schokolade. Die kleinen Freundinnen* aus dem Insektenreich, werden in Österreich Frauenkäfer, und auf Englisch ladybug genannt und passen so sehr gut zu einer Frauen*stiftung. Sie bringen Glück, denn sie ernähren sich von Insekten und lassen so jeden Garten, in dem sie sich niederlassen, erblühen. Ebenso wie filia, die Gleichberechtigung der Geschlechter weltweit zum Erblühen bringen möchte.  Wie das im vergangenen Jahr gestaltet wurde,

zeigten wir ausschnittweise im Projektsalon:
Zur  Situation der Näherinnen* in Bangladesch wurde ein Videointerview, das filia mit Kalpona Akter aufnehmen konnte gezeigt und durch einen Input von Svenja Genthe gerahmt. Über die Lebensrealität von Frauen* in Serbien und die verschiedenen Projekte vor Ort, berichtete Dr. Heike Pfitzner anhand ausdrucksstarker Bilder von der Geberinnenreise* 2018 (wir berichteten hier). Außerdem warfen wir gemeinsam einen Blick ins Projektjahr 2019.

Unsere Online-Kampagne faces and voices of filia konnte in der Vernissage endlich auch in Printform bewundert werden. Die vielen Geschichten der mutigen und mit filia verbundenen Frauen*  aus verschiedenen Teilen der Welt berührten unsere Gäste und führten zu inspirierten Gesprächen.  Die Bilder und Geschichten finden Sie hier.
Die filia-Freund*innen von Olivero Feinkost aus Mecklenburg spendeten uns ein fabelhaftes Büffet, bei dem geschlemmt und angeregt diskutiert wurde.
Wir bedanken uns von Herzen bei allen, die diesen Abend ermöglicht und ihn durch ihr Dabeisein mit gestaltet haben!

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9_In die Welt strahlen - Ergebnisse aus unseren Mädchen*projekten

Sticker in Leipzig
Sticker in Leipzig
Comics in Frankfurt

Eins der Kriterien, die filias Mädchenbeirat bei der Projektauswahl anwendet, ist, wie ein Projekt in die Öffentlichkeit strahlt und Bewusstsein für die Lebenssituationen von Mädchen* und jungen Frauen* schafft.
Gleich drei Projekte aus dem letzten Jahr haben Räume geschaffen, in denen Mädchen* und junge Frauen* ihre eigenen Perspektiven erst auf‘s Papier und dann in die Welt bringen konnten…

Sticker in Leipzig

„Am coolsten fand ich die ganzen Sticker, die dabei rausgekommen sind, und ich warte sehnsüchtig auf meine Zusendung“, schrieb Mädchenbeirätin* Francesca an das filia Büro.
Sie hatte gerade am Projekttag zu Schönheitsidealen teilgenommen, den der kleine Leipziger Verein querblick e.V. organisierte.

9 Mädchen* und junge Frauen* zwischen 14 und 20 Jahren dachten dort gemeinsam über Bilder aus der Werbung nach: Welche Bilder von Männern* und Frauen* in unserer Gesellschaft verbreiten sie, und zu welchen Erwartungen an uns selbst und an andere Menschen führen sie? Was machen diese Bilder mit uns? Was ist Sexismus - und gibt es eigentlich  Beispiele für feministische Poster und Sticker? Dann produzierten die Teilnehmerinnen* eigene Sticker. 500 Stück gingen in die Welt und wurden an vielen verschiedenen Orten verteilt.

Die Teilnehmerinnen* hatten unterschiedliche Hautfarben und sexuelle Orientierungen, eine war gläubige Katholikin*, zwei waren aus Syrien geflohen. „In dieser Diversität sein zu können, nur unter Mädchen und Frauen, das hat vermutlich ein tiefes Gefühl des Vertrauens und der Verbundenheit, der gemeinsamen Stärke bei vielen hinterlassen“ schreibt Projektleiterin* Luzia Walsch. Für einige der jungen Frauen* war es die erste Auseinandersetzung mit Feminismus. Für Luzia war es das erste Projekt, bei dem sie komplett den Hut aufhatte für Antragstellung, Organisation, Abrechnung und Bericht.

Comics in Frankfurt

Wilma hat genug von dem heteronormativen Scheiß, steigt aus der Kinoleinwand und stößt mit der attraktiven Frau* von der Kasse im Park mit Sekt an.
Kampflesbe beginnt ihren Arbeitstag. Gut, dass sie endlich da ist und den Typen, die die jungen Frauen* mit ihren beleidigenden Sprüchen nerven, ordentlich auf die Nase gibt.

Das sind zwei der acht Comic-Geschichten, die die Teilnehmerinnen* an drei Comicworkshops bei LIBS, der Lesben Informations- und Beratungsstelle in Frankfurt am Main im Oktober 2018 erfunden und gemalt haben.
Entstanden ist ein Comicheft mit 4 Geschichten über die Alltagsprobleme von queeren Mädchen* und jungen Frauen*. 1000 Stück davon gingen in die Welt.

„Ich kann nicht so gut malen“ sagte jede am Anfang. Für die Referentin* Ka Schmitz gibt es kein Nichtkönnen beim Zeichnen - jede kann auf ihre Art eine grafische Umsetzung ihrer Geschichte darstellen. Die jungen Frauen* haben storytelling und grafische Umsetzung gemeinsam geübt: „Wir haben uns verschiedene Gefühle vorgestellt und uns überlegt, wie diese reduziert auf ein, zwei Striche im Gesicht und in der Körperhaltung bei den Figuren dargestellt werden können und haben hier experimentiert, bis wir das gewünschte Ergebnis hatten. Außerdem haben wir drei verschiedene Kategorien gebildet: Wer - Wo - Konflikt und hierzu jeweils auf Kärtchen alles notiert, was uns spontan eingefallen ist. Daraufhin wurde jeweils von einer eine Karte von jedem Stapel gezogen und sie hat versucht, daraus eine kurze Story zu erzählen.“

Film in der U-Bahn in Berlin

Ein Mann* beschimpft seine Frau*, drei weitere Frauen* kommen zu ihr und entrollen ein Banner Gemeinsam sind wir stark.
Der kleine Animationsfilm wurde im November an drei Tagen für je zwei Stunden im Berliner U-Bahn-Fernsehen auf allen Linien des Berliner Netzes gezeigt. Erfunden hatten die Story eine Gruppe Mädchen* zwischen 16 und 22 Jahren aus dem Charlottenburger Mädchen*Laden LISA. Sie wollten zeigen: auch mit Worten und Gesten kann Gewalt ausgeübt werden.

Migrantas e.V. hat bereits Erfahrung damit, das Thema Häusliche Gewalt mit bunten Piktogrammen in eine visuelle und für alle verständliche Sprache in die Öffentlichkeit zu bringen. Aus den Zeichnungen der Mädchen* wurden neue Piktogramme gemacht, die im Film, auf Stickern, Taschen, Postkarten und einem 10 Meter langen Banner zu sehen sind.

Vor dem Banner am Bahnhof Zoologischer Garten standen die Mädchen* am 23.11.2018 stolz gemeinsam mit der filia-Mädchenbeirätin* Zilan. Danach fuhren sie mit der U-Bahn und sahen sich den Animationsfilm an. In der Alice Salomon Hochschule gab es einen Infostand zum Projekt, bei dem die Taschen bemalt werden konnte.

Den Animationsfilm gibt es hier zu sehen.

Und hier eine Dokumentation des ganzen Projekts.

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10_filia in München

bild: pixabay/ freie Bildplattform

Die sehr aktiven Münchner filia-Unterstützerinnen* haben den Weg für einen ganzen Strauß von Aktivitäten geebnet, um filia bekannter zu machen:
Den Auftakt bildete ein Interview mit Sonja Schelper im Bayrischen Rundfunk zum 8. März. Gefolgt von einer Abendveranstaltung im KOFRA vor vollem Haus.


Mit aktiver Beteiligung von 5 filia Stifterinnen* und Förderinnen* wurden sowohl Förderprojekte wie auch die Lobbyarbeit von filia und die nachhaltige Anlagepolitik vorgestellt und fanden regen Zuspruch.
Hinzu kamen ein Treffen mit einer Münchner Stiftungsexpertin*, um weitere Vernetzungsmöglichkeiten auszuloten, ein Interview für das schwullesbische Radio Uferlos und zahlreiche neue Kontakte beim großen Frauenfest unter dem Motto
#sieINSPIRIERTmich.
Es wurde sichtbar, wie viele filia bereits kannten, weil die Münchnerinnen* so oft und begeistert über filia sprechen.

Großer Dank geht an alle Münchner filialistinnen* für ihr tolles Engagement!

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11_Nicht verpassen

17.5.2019 Internationaler Tag gegen Homo-, Trans*- und Biphobie (IDAHOT)
Zum 11. Mal  findet am 17.05.2019 zum IDAHOT der Rainbowflash in Hamburg statt. filia unterstützt diese Aktion.
Wo: Beantragt ist der Rathausmarkt

26.5.2019 Europawahl
In Deutschland wird am 26.5.2019 das Europäische Parlament gewählt. Die Aktion Diesmal wähle ich   informiert über die wichtigsten Fakten zur Europawahl.

5.-7.6.2019 Deutscher Stiftungstag in Mannheim
Unter dem Motto Unsere Demokratie findet der diesjährige Stiftungstag in Mannheim statt. Unsere Mädchenbeirätinnen* werden filia dort vertreten und Geschlechterdemokratie vor Ort stark machen. Wer sich für den Stiftungstag interessiert, findet hier mehr Informationen.

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12_Ihre Daten sind unser Schatz!

Dieser Schatz erlaubt es filia, Sie regelmäßig über die Entwicklung der Stiftung zu informieren, uns für feministische Themen stark zu machen, weltweit die Projekte von Frauen und Mädchen zu unterstützen.
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