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filia_news_2018_2

Liebe Leserinnen und Leser, liebe filia-Verbundene und die, die es werden wollen,

die junge Frau auf dem Foto, Mariam Topchishvili, hat im Alter von 15 Jahren in Gori, einer kleinen Stadt in Georgien, die Organisation Young Feminist Initiative Group für junge Menschen gegründet. Mit ihr und weiteren Engagierten aus Georgien kamen wir auf der filia-ProjektParty 2018 in der Hamburger Zentralbibliothek ins Gespräch – gewiss ein Höhepunkt des ersten Halbjahres.
Gemeinschaften bilden soll also dieses Mal unser Stichwort sein.
„Echter Wandel geschieht, wenn Menschen mit anderen Menschen über ihre Vision, ihre Bedürfnisse und ihre Beschwernisse sprechen“, so Ise Bosch in dem neuen Buch Geben mit Vertrauen. Lassen Sie sich nicht entgehen, wie sie die Verleihung des Stifterinnenpreises des Bundesverbandes deutscher Stiftungen zu einem menschenrechtspolitischen Ereignis gemacht hat. Sie führte vor, was Community Building bedeutet. Ganz schlicht, durch die richtigen Worte und einfach durch Anwesende. Geben mit Vertrauen stellt Claudia Bollwinkel vor, eine der Co-Autor_innen des neuen Buches.

Wir haben gerade so ein Gefühl von Erntezeit:
2017 erzielte die Stiftung das beste Jahresergebnis seit ihrer Gründung, sodass wir das Fördervolumen für 2018 um 50 % steigern konnten. Sie finden den Geschäftsbericht 2017 jetzt auf unserer Webseite.
Was Spinnen mit Frauenrechten und Frauengesundheit zu tun haben, erfahren Sie hier. Den Bericht über eine Eilförderung in Rojava, eine Region in der filia bisher nicht tätig war, finden Sie hier.
Neue Unterstützerinnen melden sich bei uns, neue Kooperationen bahnen sich an.
Die erste Unternehmenskooperation mit Benefit Cosmetics hat viele aus der filia-Community zur Teilnahme mobilisiert. Hier ist filia eindeutig eine lernende Organisation. Der Erlös wird dem MädchenEmpowermentProgramm zu Gute kommen. Da die Höhe aber noch nicht bekannt ist, werden wir erst in der nächsten filia_news die ausgewählten Projekte vorstellen.
Die jungen Frauen in unserer Stiftung übernehmen zunehmend neue Rollen und Verantwortung. So stellte sich die ehemalige filia-Mädchenbeirätin Audrey Nyirenda zum Internationalen Frauentag der Frage Was bedeutet das Wort Frau? Diesen Text möchten wir Ihnen nicht vorenthalten. Veronika Levintov-Levitan, Mädchenbeirätin seit 2018, berichtet in dieser filia_news aus ihrer Sicht über die ProjektParty und Friederike von Westernhagen beschreibt die Wirkung eines Praktikums bei filia.
Zwei Mädchenbeirätinnen arbeiteten in der Arbeitsgruppe Gendersensibel bei filia mit. Maya Marie Neumeier stellte auf der Jahresversammlung die Ergebnisse vor. Das Thema ist immer wieder Ausgangspunkt für Auseinandersetzungen innerhalb der filia-Stiftungsgemeinschaft. Der intergenerative Dialog innerhalb der Stiftung war besonders spürbar auf der filia-Jahresversammlung.
Gemeinschaften bilden, um etwas zu erreichen, eine eigene Stimme, eigenes Denken, eigene Forderungen zu entwickeln: In vielen Ländern auch ganz in unserer Nähe werden gerade diese Räume für Gemeinschaften enger. Die Errungenschaften der Demokratie und mit ihr die der Frauenbewegung werden von Regierungen und rechten Gruppen in Frage gestellt, diffamiert, beschnitten, verboten, mit Auflagen belegt. Für kleinere Organisationen kann das zum existentiellen Problem werden.
Deshalb haben wir gemeinsam mit den Frauenstiftungen aus Armenien, Georgien und der Ukraine das Projekt Zivilgesellschaft braucht sichere Räume zum Wachsen entwickelt. Die Ausschreibungen starten diesen Monat in den drei Ländern und wenn die Kooperation mit dem Auswärtigen Amt gelingt, werden wir 2019 in Deutschland eine interne Klausurtagung zur Stärkung von Frauenorganisationen durchführen und dann zu einer Abschlussveranstaltung öffentlich einladen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
Unter Nicht verpassen finden Sie noch einen wichtigen Tipp zu einer Tagung in Berlin, die filia innerhalb des Netzwerkes Wandelstiften mit organisiert.
Denn wir möchten dazu beitragen, dass Philanthropie in Deutschland stärker wahrgenommen wird als ein Gestaltungsmittel, um die Welt zu verändern. Zum Beispiel im Interesse von Frauen und Mädchen – auch gegen Widerstände.

Unterstützen Sie diese Prozesse, wir laden Sie herzlich ein.
Ihre Katrin Wolf und das filia-Team

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1_Niemanden zurücklassen: Eine freudvolle Unterweisung in transformativer Philanthropie

Am 16. Mai 2018 erhielt Ise Bosch – Mitgründerin von filia – auf dem Deutschen Stiftungstag 2018 in Nürnberg den Deutschen Stifterinnenpreis. Von bisher 19 verliehenen Stifterpreisen, gingen bisher drei (!) an das philanthropische Schaffen von Frauen. Die Schauspielerin Gudrun Landgrebe verlas vor 2000 Gästen die Laudatio mit vielen …
                                   
… Zitaten und Details aus dem Leben und Wirken der Preisträgerin. Besonders und selten so gut prononciert hob sie die Menschen hervor, für die sich Ise Bosch seit vielen Jahren einsetzt und: „für die sie Spezialistin wurde: Für die Menschenrechte von Frauen und Mädchen und von sexuellen und geschlechtlichen Minoritäten: also von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transleuten und Intermenschen.“
Hier finden Sie die gesamte Veranstaltung, ab Minute 57 die Dankesrede von Ise Bosch, die anzusehen wir unbedingt empfehlen können:
Außerdem teilen wir gerne mit Ihnen die an die Preisträgerin gerichteten Grußworte aus aller Welt.

Am Ende ihrer Dankesrede, in der Ise Bosch den Preis als „eine ausgestreckte Hand auch zu meinen Themen“ bezeichnete, gab sie die Bühne frei für die Menschen, die sie unterstützt. Die Bühne oben füllte sich mehr und mehr, das Publikum unten im Raum erhob sich teilweise sichtbar gerührt und applaudierte im Stehen.
Gemeinschaften bilden – hier wurde sichtbar, was das bedeuten kann.
Felix Oldenburg, seit 2 1/2 Jahren Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, nahm diese Stimmung mit den Worten auf: „Ich glaube es gibt Momente, nach denen manches anders ist als vorher. Ich glaube so einen Moment erleben wir hier gerade miteinander.“ Und mit seiner Fragestellung: „Wie geschlechtergerecht sind wir in unseren Organisationen? Wie sehr schützen wir Minderheiten, wie sehr stellen wir uns die Machtfrage?“ endete dieser wirklich bewegende Abend mit Impulsen zum Weiterdenken und –handeln.
Das Netzwerk Wandelstiften möchte die angelehnte Tür noch etwas weiter öffnen. Am 18. Oktober 2018 in Berlin.

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2_Wie Philanthropie transformativ wird: Neues Buch von Ise Bosch Geben mit Vertrauen

Wie kann man wirksam fördern – so dass es die Gesellschaft ebenso transformiert wie die Gebenden? Ise Bosch hat zwanzig Jahre Erfahrung damit, Geld für mehr Gerechtigkeit einzusetzen. In ihrem neuen Buch gibt sie Einblicke in ihre ganzheitliche Arbeitsweise. Auf dem Bild zu sehen sind die Mitautor*innen Claudia Bollwinkel, Ise Bosch und Justus Eisfeld, während der Signierstunde zur Stifterinnenpreisverleihung in Nürnberg.

„Gesellschaften sind menschlicher und stärker, wenn Geschlechterrollen weniger stark binär ausgerichtet und weniger hierarchisch sind“, sagt Ise Bosch. Die sozialen Bewegungen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans, intergeschlechtlichen und queeren Menschen verschieben weltweit Machtverhältnisse. Geben mit Vertrauen schafft dafür nachhaltige Grundlagen.
Im Buch kommen diejenigen zu Wort, die Ise Boschs Arbeit aus nächster Nähe kennen: Geförderte, Gebende und andere Partner*innen. Justus Eisfeld führte dafür Interviews in den USA, Deutschland und Südafrika. Claudia Bollwinkel analysierte die Ergebnisse der Förderung von Dreilinden aus zehn Jahren. Besonders schön wird das Buch durch die abgebildeten Fotografien von Zanele Muholi (Südafrika), deren Fotos und Aktivismus vielfach ausgezeichnet wurden.
Philanthropie setzt Geld dafür ein, mehr gesellschaftliche Gerechtigkeit zu erzielen. Michael Alberg-Seberich von Active Philanthropy beschreibt in seinem Vorwort, wie kleine Veränderungen zusammengenommen eine große Wirkung haben. Ise Bosch wirft einen autobiografischen Blick auf ihre Sozialisation, ihre politische Meinungsbildung und ihre Erbschaft. Denn Geben hat eine eigene Logik und spielt eine Rolle in der Biografie der Gebenden. Den Unterschied, den Geben mit Vertrauen bewirkt, fühlen die Menschen am deutlichsten, denen das Geld dienen soll. Mit der Unterstützung von Dreilinden konnten sie Dinge machen, die noch nie getan wurden. Justus Eisfeld und Claudia Bollwinkel beschreiben holistische Förderweisen, die jede gebende Person und Institution im eigenen Kontext verwirklichen kann. Zwei wichtige Zutaten: Respekt für die Expertise der Geförderten und verlässliches und ungebundenes Geld. Ungleichheit tut allen weh. Ise Bosch gibt im Gespräch mit Justus Eisfeld Hinweise aus ihrer eigenen philanthropischen Reise, wie Gebende verantwortlich handeln und Macht weitergeben können. Risiko erhält dabei eine neue Bedeutung: das Risiko, eine Förderung NICHT zu machen.
Ise Boschs Geld hat die Arbeit des International Fund for Sexual Minorities der Astraea Lesbian Foundation for Justice (USA) angestoßen und macht sie weiterhin möglich. Darüber bezieht das Forum for the Empowerment of Women (FEW) in Südafrika seit langer Zeit Gelder. Die Künstlerin Muholi hat diese Organisation mitgegründet – hier wurde aus der Fotografie visueller Aktivismus.
www.geben-mit-vertrauen.de
Video von einem Gespräch zwischen Ise Bosch und Justus Eisfeld hier

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3_Gelebte Frauensolidarität: Der Mädchenbeirat 2018

Der Mädchenbeirat hat am 23.-25. März 2018 im Mädchentreff Neu-Allermöhe in Hamburg getagt und aus 128 Anträgen aus ganz Deutschland die vielversprechendsten herausgesucht.
Im Mädchenbeirat 2018 sind 11 Mädchen* und junge Frauen* zwischen 16 und 21 Jahren aus sieben Bundesländern (Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, dem Saarland und Sachsen-Anhalt).  Es sind Schwarze junge Frauen und junge Frauen of Colour, mit Handicap, mit muslimischen, christlichen und jüdischen Wurzeln und lesbische und bisexuelle junge Frauen dabei. Wie der Mädchenbeirat war?

Hier sprechen die Beirätinnen selbst
„Warum ich Mädchenbeirätin bin? Weil es ein unglaubliches Gefühl ist zu wissen, dass man etwas verändern / verbessern kann!“ (Vani)

„Ich war dieses Jahr zum ersten Mal Mädchenbeirätin. Ich wurde herzlich in der filia-Familie empfangen und habe tolle, starke Mitstreiter*innen kennengelernt. Wir haben gelacht, geredet, diskutiert und auch ganz viel einander zugehört. Der Mädchenbeirat bedeutet für mich gelebte Frauensolidarität.“ (Veronika)

„Nach dem ersten gemeinsamen Abend und dem Kennenlernen fühlt es sich so an, als würde man sich schon Jahre kennen. filia unterstützt einfach so wunderbare Projekte mit denen Frauen und Mädchen gestärkt werden und sie einfach so sein können wie sie sind.“ (Rabea)

„Wir sind eine bunte Truppe von Mädels, die unterschiedlicher nicht sein können und doch so viel gemeinsam haben - die sich gegenseitig unterstützen und dafür akzeptieren, dass jede anders und trotzdem perfekt ist - perfekt sie selbst! Und wenn man es richtig kitschig formulieren möchte - einen (un-)perfekten Kreis des Zusammenhaltes und der Diversität bilden!“ (Maryam)

„Wichtig in diesem Kreis ist, dass jede Meinung zählt und zum Ausdruck gebracht werden kann. Jede Einzelne ermöglicht sich den Zugang zu einer womöglich „anderen“ Sichtweise, was den Grundstein für eine kontroverse und reflektierte Diskussion legt. So schaffen wir es eine Rangfolge der uns am meisten überzeugenden Projekte festzulegen.“ (Zilan)

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4_intergenerativer Dialog auf der Jahresversammlung 2018

Die Jahresversammlung bringt Förderinnen, Gremienfrauen und –mädchen sowie alle Mitarbeiterinnen zur Rückschau auf das vergangene Jahr und zum Diskutieren ausgewählter Themen zusammen. Das Angebot, dieses Mal die Versammlung etwas kompakter zu gestalten – also kürzer und die ProjektParty gleich anschließen zu lassen – wurde unterschiedlich aufgenommen. Da sind wir noch auf der Suche nach dem Format, das für alle stimmig ist und wo Aufwand und Wirksamkeit in einem guten Verhältnis stehen.
Dieses Jahr begann die Versammlung mit einer freudvollen Beglückwünschung …          
                            
… von Ise Bosch zur Verleihung des Stifterinnenpreises siehe Beitrag 1_, die auch in der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit fand. Wir hatten Beispiele aus der Presse ausgelegt, die filia mit vorstellten. Die Für Sie veröffentlichte das Foto mit der lesbischen Menschenrechtlerin Dawn Cavangh aus Südafrika, die Jolie machte die Kampagne mit Benefit Cosmetics bekannt und bildete ebenfalls Projektbeispiele ab; im Missy Magazin beschrieb Stefanie Lohaus, wie wunderbar und wirksam es ist, wenn „eine von uns“ aus der Community Geld hat und das politisch arbeiten lässt.
Katrin Wolf berichtete über das internationale operative filia-Projekt Zurück in die Zukunft: 10 Projekte in 3 Ländern, die einen intergenerativen Dialog unter Aktivistinnen organisiert und auf unterschiedliche Weisen sichtbar gemacht haben. Das Projekt ist die dritte erfolgreiche Kooperation mit dem Auswärtigen Amt. Über die Abschlusskonferenz in Kiew, Ukraine – zu der auch 7 Förderinnen im Rahmen unserer zweiten Geberinnenreise angereist waren – gibt es ein kurzes und ein längeres Video. Auf vielfachen Wunsch an dieser Stelle noch einmal der Link zu der Playlist, wo alle Ergebnisse des Projektes Zurück in die Zukunft – intergenerativer Dialog zur Partizipation von Frauen und Mädchen in 3 Ländern von 2017 zu finden sind.

Claudia Bollwinkel und Annette Heise präsentierten Einblicke in das MädchenEmpowermentProgramm und die Unternehmenskooperation anhand vieler Stimmen anwesender Mädchenbeirätinnen und Förderinnen. Viele hatten dazu beigetragen, innerhalb des Kampagnenmonats Mai von Benefit Cosmetics filia bekannter zu machen. Die Erfahrungen, die sie dabei machten, klangen überwiegend positiv. Für eine feministische Stiftung ist die Kooperation mit einer Kosmetikfirma eine Herausforderung. Hier begegnen sich zwei Welten, die sich sonst eher aus dem Weg gehen. Die Diskussion entfachte sich daran, welches Bild von „Weiblichkeit“ und „Schönheit“ hier transportiert wird. Die Meinung der direkt Beteiligten war einhellig: Sie haben auf den Veranstaltungen erlebt, dass das Empowerment junger Frauen im Vordergrund steht, dass die Benefit-Mitarbeiterinnen für die Arbeit von filia zu begeistern waren und dass sie selbst sich wohl gefühlt haben in ihrer Rolle als Advokatin für Frauenrechte. Jetzt sind alle gespannt auf das Ergebnis dieser Kooperation und wie sie gemeinsam weiter entwickelt werden kann.
Die Vorstellung der Gedanken, die sich die Arbeitsgruppe “gendersensibel bei filia“ gemacht hat, übernahm Maya Marie Neumeier anhand einer grafischen Darstellung, die wunderbar die vielfältigen Meinungen der Arbeitsgruppe verdeutlichte und sofort eine kontroverse Diskussion auslöste: Wie weit möchte sich filia.die frauenstiftung anderen Geschlechtern öffnen? Ist der Ausschluss von Männern noch zeitgemäß? Und geht es nicht eher darum, Verbündete in allen Geschlechtern und gesellschaftlichen Ebenen zu finden? Deutlich wurde bei der Diskussion, dass die Fragestellungen auch intergenerative Spannungen und unterschiedliche Lebenswirklichkeiten innerhalb der filia-Gemeinschaft sichtbar und hörbar machen.
Zwei Frauen, die das erste Mal an einer Jahresversammlung teilnahmen, sagten abschließend: „Wir kommen wieder. Uns gefällt die Kommunikationskultur hier.“

Was es allerdings bedeutet, dass wir das erste Mal nicht daran gedacht haben, ein gemeinsames Gruppenfoto zu machen, bleibt eine offene Frage.

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5_Feminismus auf Georgisch: Menschen, Bilder, Gesang und Gespräche

Text von Veronika Levintov-Levitan

Bei der diesjährigen ProjektParty standen georgische Frauen im Mittelpunkt, sowohl thematisch als auch wortwörtlich auf der Bühne und da tat es auch nichts, dass einer der eingeladenen Gäst*innen ein Mann war. Irakli Khvadagiani von SOVLAB erforschte im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung Südkaukasus das Leben historischer Frauenfiguren in Georgien. Daraus entstand die Ausstellung „50 Frauen aus Georgien“. filia zeigte einen Teil als Auftakt unserer ProjektParty „Emanzipation im Südkaukasus – auf den Spuren georgischer Frauen“ in und mit der Zentralbibliothek Hamburg. Nino Haratischwili, eine aus Georgien stammende Theaterregisseurin, Dramatikerin und Romanautorin,

schenkte filia für die Veranstaltung ein Grußwort.
 
Dann stellte Nino Lejava, Leiterin des Südkaukasus Büros in Tbilisi einige der ausgestellten Biographien vor: Georgische Frauen des 19./20. Jahrhunderts aus Wissenschaft, Politik, Literatur, Sport und anderen Bereichen, die große Beiträge zur gesellschaftlichen Entwicklung geleistet haben. Sie baute Brücken zur heutigen Situation von Frauen.
    Der Einblick in das Leben und das Wirken dieser Frauen war äußerst interessant und inspirierend. Trotz Unmut der Mitmenschen, öffentlicher Missbilligung und Repressalien, scheuten sie sich nicht, ihren Weg zu gehen, erfolgreiche Karrieren zu haben und für ihre Gleichberechtigung zu kämpfen. Zugleich stellt sich wie so häufig die Frage, weshalb diese Persönlichkeiten nicht bekannter sind, obgleich ihr Einfluss in der Geschichte unverkennbar ist. Deutlich wird, wie wichtig es ist, für mehr Sichtbarkeit von Mädchen und Frauen außerhalb der üblichen Geschlechterstereotypen zu sorgen. Des Weiteren ist es bemerkenswert und spannend, dass inmitten der männlich dominierten Gesellschaft ganze fünf Frauen in die Gründungsversammlung der Georgischen Demokratischen Republik 1919 gewählt wurden, wie Irakli herausgefunden hat. Entgegen weit verbreiteter Annahmen, dass feministische Kämpfe nur in sehr begrenztem Rahmen ausgetragen wurden, zeigt diese Information auf, dass auch Georgien viele Aktivistinnen hervorgebracht hat, die das Leben ihrer Mitmenschen maßgeblich beeinflusst haben und nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Angesichts der Tatsache, dass der Bundestag im Jahre 2018 den niedrigsten Frauenanteil seit 1998 hat, ist die Repräsentation von Frauen im öffentlichen Leben immer noch ein großes Problem und da bietet es sich an, sich ein Beispiel an den starken, zielstrebigen und resilienten Frauen der Geschichte zu nehmen, um unsere Ziele voranzutreiben.
Nachdem wir einiges über die Errungenschaften georgischer Frauen gelernt hatten, war es umso interessanter, sich mit einer georgischen Feministin über ihren Aktivismus zu unterhalten. Mariam Topchishvili, Gründerin der Young Feminist Initiative in Gori und Projektpartnerin von filia erzählte in einem Interview von ihrer Motivation, Feministin zu werden.
Sie gründete ihre feministische Organisation im Alter von 15 Jahren, was an sich schon beeindruckend ist. Zudem muss aber auch erwähnt werden, dass die Bedingungen, unter denen die mittlerweile 20-köpfige Gruppe arbeitet, sich deutlich von denen unterscheiden, die wir in Deutschland aus Großstädten kennen und viel zu häufig als Orientierungspunkt für ‚den Feminismus‘ nehmen. Angefangen bei der Namensgebung der Gruppe, die sich klar nach außen hin als feministisch gibt, über die Inklusivität bezüglich ihrer Mitglieder und der Positionierung im politischen Kontext.
Während es in den meisten feministischen Kreisen in Deutschland üblich ist, als Aktivistinnen und Mitglieder nur Frauen, keine Männer, aufzunehmen, gibt es auch hier schon zahlreiche Gruppierungen, die sogenannte FLTI* Schutzräume sind (FLTI* steht für Frauen, Lesben, trans* und inter* Menschen). Bei uns kommt es teils zu großen Diskussionen diesbezüglich. Mariam dahingegen hat erzählt, dass ihre Gruppe inklusiv für alle ist, sodass auch zwei junge Männer mitarbeiten und sich aktiv an der Seite der Frauen für Gleichberechtigung einsetzen. Dies ermöglicht es der Gruppe zum jetzigen Zeitpunkt, mehr junge Menschen für ihre Vorhaben zu akquirieren und zu mobilisieren.
Das alles sind Aspekte, die auch bei politischer Arbeit in Deutschland aufkommen, aber nicht genug hinterfragt werden, da Eindimensionalität den Diskurs bestimmt und abweichende Positionen für nicht modern genug oder nicht feministisch gehalten werden. Durch eben diesen interkulturellen Austausch wird nochmal deutlich, wie wichtig Perspektivenwechsel in der feministischen Arbeit sind, denn nur zusammen sind wir stärker und können mehr erreichen. Wenn eben versucht wird, verschiedene Perspektiven einzubeziehen und die Erfahrungswerte einzelner mitzudenken und nicht von lediglich einer einzigen Dimension, was Unterdrückung bedeutet, auszugehen. In kleineren Gruppen konnte mit Nino und Mariam weiter diskutiert werden, Irakli machte eine exklusive Führung durch die Ausstellung.
Unser Dank geht auch an Heike Pfitzner, filia-Stifterin und Trainerin im deutsch-russischen Kontext. Sie meisterte auch schwierige Situationen (es waren zu unserer großen Freude so viele Besucher_innen gekommen, dass mehr Stühle gestellt und Kopfhörer besorgt werden mussten) mit Bravour und freundlicher Leichtigkeit.
Das Programm wurde ergänzt durch georgische Lieder vom Kleinensemble des Weltmusik-Chores Hamburg, dem es unter der Leitung von Nathaniel Damon am Ende sogar gelang, um die 60 Menschen zu einem dreistimmigen georgischen Lied zu animieren. O-Ton eines Besuchers der Bibliothek: „Was ist denn das für ein toller großer Chor.“
Zum Abschluss der ProjektParty gab es ein leckeres georgisches Buffet samt angenehmer Atmosphäre für den Austausch und das Ausklingenlassen des Abends.
Insgesamt war es eine äußerst informative, bereichernde und anregende Veranstaltung, die einen kurzen, aber intensiven Einblick in filias Arbeit lieferte.
Die Veranstaltung wurde gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung und zahlreichen Partnerinnen, deren Logos auf den Plakaten zu sehen sind: Plakat 1 und Plakat 2

Nachtrag: Wir haben zahlreiche Anfragen erhalten, ob die Tafeln der Ausstellung auch als Katalog oder PDFs erhältlich sind. filia hat nicht die Rechte dafür – aber wir arbeiten daran. Immer mal auf unsere Webseite schauen…
Unsere Partnerinnen: SOVLAB, HBS Südkaukasus, Bücherhalle Hamburg, Weltmusik-Chor

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6_„BOLD IS BEAUTIFUL“- Kampagne: Gemeinsam mit Benefit Cosmetics für MEHR Mädchenpower

Kosmetik und Feminismus. Wie passt das zusammen? Für Benefit Cosmetics jedenfalls ist Schönheit nicht nur eine rein oberflächliche Angelegenheit. Seit 2015 tragen die Töchter und Nichten der amerikanischen Gründerinnen Jean & Jane Ford ihren Glauben an starke und unabhängige Frauen hinaus in die Welt: Mit ihrer Bold is Beautiful-Kampagne, unterstützt das Unternehmen weltweit Organisationen, die Mädchen und Frauen stark machen, indem sie ihnen Zugang zu Bildung, Wohlbefinden und finanzielle Unabhängigkeit ermöglichen.

„Empowering big dreams and bold moves“: So konkret geht „Bold is Beautiful“:In bislang 19 Ländern investiert Benefit alle Erlöse aus ihren Brow Waxing-Behandlungen des Monats Mai in zwei lokalen Partnerorganisationen, die zu ihrem Empowerment-Ansatz passen. Die Einnahmen aus den Spendenaktionen verbleiben also in den jeweiligen Ländern. Über 11 Millionen USD konnte Benefit bislang an gemeinnützige Organisationen ausschütten.
Im Mai 2018 launchte das Unternehmen seine Kampagne erstmals in Deutschland. Benefit-Chefin Deutschland Claudia Seeck und Marketing-Managerin Christina Selig suchten dafür die Kooperation mit filia.die frauenstiftung, um gemeinsam mehr Handlungsspielräume für starke Mädchen und junge Frauen zu schaffen. Als selbstbestimmte Akteurinnen. Als verantwortungswillige Entscheiderinnen, die in Führung gehen möchten und ihre Stimme in unsere Gesellschaft einbringen.
50 % der Erlöse aus der BOLD IS BEAUTIFUL-Aktion fließen daher in das Mädchen-EmpowermentProgramm von filia.
Die andere Hälfte geht an die zweite Partnerorganisation Balu und Du, die damit ihr Mentorenprogramm für Grundschulkinder weiter ausbauen und gezielt mehr weibliche Tandems fördern können.
Für filia eröffnet die Kooperation mit Benefit Cosmetics eine große Chance, mehr Ressourcen einzusetzen.
In den Jahren 2018/2019 können wir daher

  • mehr Projekte von und für starke Mädchen/jungen Frauen fördern
  • den Mädchenbeirat als innovatives Modell für Eigenverantwortlichkeit und Partizipation konzeptionell weiterentwickeln
  • die Sichtbarkeit von Mädchen und jungen Frauen als Sprecherinnen in der Öffentlichkeit erhöhen und Netzwerke ausbauen

Mehr zum MädchenEmpowermentProgramm hier

Peer-Learning: Benefit Cosmetics meets filia & Balu und Du
Bei Redaktionsschluss dieser filia-news lagen uns noch keine Zahlen zu der Mai-Aktion vor, aber das Team von Benefit Cosmetics, Balu und Du und filia haben in den vergangenen Monaten gemeinsam schon Außerordentliches bewegt:
Benefit brachte in 8 Städten Deutschlands ihre Mitarbeiterinnen mit Vertreterinnen von filia.die frauenstiftungen und Vertreter*innen von Balu und Du zusammen.
Ziel dieser Veranstaltungen war, dass die Funken auf die Benefit-Mitarbeiterinnen überspringen und sie an ihren Verkaufs-Tresen den Kundinnen von filia berichten können. Insgesamt konnten dadurch ca. 200 Multiplikatorinnen erreicht werden. Für die 13 filia-Vertreterinnen (vor allem Mädchenbeirätinnen, Förderpartnerinnen, Stifterinnen) eine besondere Gelegenheit mit den Benefit-Mitarbeiterinnen über Diskriminierungen, selbstschädigende Schönheitsideale etc. ins Gespräch zu kommen. Die Mitarbeiterinnen konnten sich auch biografisch in vielen unserer Projekte wiederfinden. Die persönlichen Begegnungen haben geholfen, auf beiden Seiten Berührungsängste abzubauen und wurden als sehr empowernd empfunden.
Mädchenbeirätin Tuja Pagels berichtete aus Berlin: „Es hat total Spaß gemacht und wir sind super ins Gespräch gekommen…Die Salesmanagerin hatte voll gut verstanden, was filia so macht und sie hat sich neben mich gesetzt und mich toll unterstützt“.
Die Vorstellung des MädchenEmpowermentProgramms auf den zwei Presse-Events in Hamburg und in München übernahmen die ehemaligen Mädchenbeirätinnen Audrey Nyirenda und Maya Marie Neumeier. Die Gespräche mit Redakteurinnen (u.a. Mädchen, Popcorn) nahmen sie als sehr empowernd wahr.
So warten wir mit Spannung auf die Ergebnisse. In jedem Fall geht heute schon ein ganz herzliches Dankeschön an alle Akteurinnen von Benefit-Cosmetics, filia.die frauenstiftung und von Balu und Du. Danke für Euren wundervollen Einsatz! Natürlich geht unser Dank auch an alle, die pro Brauen-Behandlung 22 € in BOLD IS BEAUTIFUL investiert haben!

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7_Eilförderung: Solidarität mit Frauen in Rojava

Seit 2005 gibt es in Westkurdistan eine organisierte Frauenbewegung. Die Organisation „Kongreya Star“ (Star Congress) setzt sich dafür ein, dass Frauenrechte im gesellschaftlichen System des 2016 neu geschaffenen Rojava verankert sind: „Frauen müssen sich selbst organisieren. Nur dann können sie die bestehenden patriarchalen Strukturen herausfordern und machbare, nachhaltige Alternativen schaffen. Ohne die Freiheit der Frauen ist eine wirklich freie Gesellschaft unmöglich.“

Kongreya Star hat über 1000 Mitglieder unterschiedlichster ethnischer Gruppen. Sie veranstalteten im Rahmen der Kampagne „Women rise up for Afrin" in Nordsyrien diverse Frauenaktionen. Im Mai 2018 traf sich für zehn Tage eine Delegation aus Deutschland mit ezidischen, arabischen und kurdischen Frauen* von Kongreya Star.
filia förderte die Reisekosten der Vertreterin von Flamingo e.V. aus Berlin. Ziel des Zusammentreffens mit Aktivist*innen vor Ort war es, gemeinsam zu planen, was Frauen*organisationen aus Deutschland konkret machen können, um zu unterstützen und Solidarität zu zeigen. Die deutsche Delegierte brachte außerdem dringend benötigte TBC-Medikamente mit.
Die Frauen*, die sich im Netzwerk für geflüchtete Frauen* und Kinder Flamingo organisieren, haben zum großen Teil selbst eine Migrations- oder Fluchtgeschichte. Das “Solidarity Network for Women* in Rojava“ von Flamingo sammelt in wöchentlichen Treffen Ideen für weitere Förderungen und Netzwerkpartner*innen. Durch Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerktreffen in Kooperation und Austausch mit den Aktivist*innen aus Rojava wollen sie deren Forderungen sichtbar machen und unterstützen.

www.facebook.com/flamingos.in.berlin/

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8_„Spiders“ für Frauenrechte – Geflüchtete Frauen werden laut

Wie können geflüchtete Frauen öffentlich in ihrer eigenen Sprache ihre Stimme erheben und mit ihren Forderungen Gehör finden? Women in Exile in Potsdam setzt dafür Spinnen ein. Vom Bla Kollektiv lernten Aktivistinnen, selbst Simultanübersetzungsanlagen, sogenannte „Spiders“, zu bauen. Mit einem solchen Gerät kann Übersetzung für 12 Menschen ermöglicht werden. Bei ihrem Workshop im Mai 2018 bauten die Frauen vier davon.

Das Teilen von Wissen als einen Weg der Selbstermächtigung ist eine der Strategien von Women in Exile. Das Wissen, das geflüchtete Frauen sich in Empowerment-Workshops oder bei Besuchen von Aktivistinnen in den Lagern aneignen, geben sie an andere Frauen weiter – seien es Informationen zur Gesetzgebung und aktuellen Abschiebepraxis, oder wie man einen Knoten in der Brust ertasten kann. Denn in einem neuen dreijährigen Projekt, das von Aktion Mensch finanziert wird, geht es um das Recht auf Gesundheit.
Der zunehmende Rechtspopulismus macht den Aktivistinnen von Women in Exile die Arbeit schwer. Es kommt zu wesentlich mehr Übergriffen und Attacken auf geflüchtete Menschen und zu gewaltsamen Abschiebungen. Die Sommerbustour, bei der die Aktivistinnen durch Deutschland fahren und Frauen in Flüchtlingslagern besuchen, geht in diesem Jahr nach Bayern: „Wir haben uns entschieden, in den Süden zu fahren, um den dort Aktiven unsere Solidarität zu zeigen. Seit vielen Jahren ist die Situation in den Lagern und bezüglich Abschiebung in Bayern besonders prekär. Die neuen “Anker” (Ankunfts-, Entscheidungs- und Rückführungszentren) sollen als Modelle für die ganze Bundesrepublik dienen und isolieren Geflüchtete absolut von der deutschen Gesellschaft und jeglicher Unterstützung: KeineRechtsberatung, kein Besuch, keine Deutschkurse, keine Arbeit, keine Schule
für die Kinder“, schreibt uns Joanna Nelles aus dem Büro in Potsdam. In Kooperation mit Divida unterstützt filia die Sommerbustour und die Arbeit von Women in Exile in einer zweijährigen Förderung.

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9_Rede zum Internationalen Frauentag

Rede von Audrey Nyirenda

In unserer letzten filia-News berichteten wir bereits über den großartigen Auftritt unserer langjährigen Mädchenbeirätin Audrey Nyirenda am 06. März 2018 in der Handelskammer Hamburg. Geladen hatte der Landesfrauenrat zum Anlass des Internationalen Frauentages am 08. März. Audreys Rede zu diesem Anlass beeindruckte so sehr, dass sie gleich von der 1. Vorsitzenden Cornelia Creischer (Foto rechts stehend) gebeten wurde nur zwei Tage später zum Internationalen Frauentag selbst noch eine Rede zu halten. Darin fragte sie sich: „Was bedeutet das Wort Frau? Bzw. was bedeutet es eine Frau zu sein in der heutigen Zeit?“ Das Ergebnis möchten wir hier sehr gerne teilen.

Was bedeutet das Wort Frau? Bzw. was bedeutet es eine Frau zu sein in der heutigen Zeit?

  • Lang geschwungene Wimpern oder einen roten Kussmund zu haben?
  • Sind es die langen und vollen Haare die es ausmachen?
  • Ist es Röcke zu tragen und sich elegant wie eine Katze auf Stöckelschuhen zu bewegen?  
  • Sind große Brüste und ein wohlgeformter Hintern das, was uns als Frau ausmacht?
  • Heißt es, so attraktiv für Männer zu sein, dass sie nicht widerstehen können; Frau zu sein?
  • Diese Fragen habe ich mir schon oft gestellt und manchmal stelle ich sie mir immer noch.
  • Also was bedeutet es nun eine Frau zu sein?


Ich bin in einer Kultur aufgewachsen wo Frau sein bedeutet:

  • Zuhaue zu bleiben,
  • Mich um den Haushalt zu kümmern,
  • Essen auf den Tisch zu bringen,
  • Saubermachen,
  • Kinder zeugen und auf sie aufpassen.
  • Sich dem Mann nicht zu widersetzen
  • Und wenn man das Glück hat zu arbeiten, dann nur in den Bereichen, die für eine Frau „angemessen“ sind.  


Das ist alles. Wenn man das kann, ist man die perfekte Frau in Zimbabwe. (Nichts mit Emanzipation.)

Erst nachdem ich nach Deutschland kam änderte sich das Bild einer „typischen“ Frau für mich. Mir fiel auf, dass die meisten Frauen und Mädchen sich freier bewegten. Sachen anhatten, die ich mir im Leben hätte nie erträumen können in den Straßen von Afrika zu tragen. Sie arbeiteten und hatten eine Stimme - was ein riesiger Mind-Blow für mich war.

Aber umso älter ich wurde, realisierte ich langsam, dass dieses Konzept der „freien Frau“ doch nicht so verlief wie ich es mir gedacht habe. Mir ist eine systematische Unterdrückung der Frau aufgefallen, die überall in der Welt gleich verläuft.

In vielen neokolonialen Ländern ist die Frauenunterdrückung brutaler und massiver als in wirtschaftlich entwickelten Ländern. Aber auch in den wirtschaftlich entwickelten Ländern leiden alle Frauen unter einer Form der Unterdrückung. Sei es:

  •  Häusliche Gewalt
  •  Sexismus im Alltag
  •  Frauenhandel etc.


Das ist zumal das Ergebnis ihrer ungleichen Stellung in der Arbeitswelt. Aber auch, wie in allen Ländern, tragen Frauen hier immer noch die Hauptlast der Hausarbeit, obwohl sie zur Arbeit gehen. In vielen Fällen sind wir immer noch die „Sklavinnen von Sklaven“.
In Ländern, in denen sich die Arbeiterklasse und die Armen, die zeitsparenden Arbeitsmittel wie Waschmaschinen, Kühlschränke, Staubsauger usw. nicht leisten können, ist die Belastung der Hausarbeit für Frauen erdrückend.

Bei der Mehrheit der Frauen ist die Unterdrückung ein Resultat ihrer Verpflichtungen in der Familie.

Meine Cousine Hilary ist 20. Sobald sie laufen konnte musste sie im Haushalt aushelfen. Sie wurde mit 4 Jahren schon ausgebildet, die perfekte Hausfrau zu sein. Mit 4 Jahren!!!

Die Wurzel ihrer Unterdrückung ist die fortgesetzte Existenz der Haussklaverei. Die Aufgabe, die Kinder zu versorgen und den Haushalt zu erledigen, führt bei ihr und den meisten Frauen dazu, dass es ihnen nicht möglich ist, eine volle und gleichwertige Rolle in der sozialisierten Welt zu haben. Frauen sind entweder ausgeschlossen vom sozialen Leben, eingeschlossen im Haushalt, oder wenn sie in die gesellschaftliche Arbeit einbezogen werden, geschieht das oft in Bereichen, die eng mit der häuslichen Wirtschaft und den dazugehörigen Fähigkeiten verbunden sind.

Der Kapitalismus hat Frauen im Vergleich zu anderen Klassengesellschaften generell einen gewissen geschichtlichen Fortschritt gebracht. Doch das hat sich nun weitgehend erschöpft. Der Kapitalismus des 21. Jahrhunderts verringert die häusliche Belastung der Frauen nicht. Im Gegenteil. Die massiven Einsparungen bei öffentlichen Dienstleistungen in allen wirtschaftlich entwickelten Ländern zerstören Kinderbetreuung, Altenpflege und andere Einrichtungen, die vorher die Belastung der Arbeiterklasse, insbesondere der Frauen, teilweise gelindert haben.

Und das ist traurig.

Aber in der jetzigen Generation und den Generationen unter mir ist nicht mehr die Unterdrückung durch Männer das schlimmste, sondern ein weitaus schlimmeres Problem.

Wir unterdrücken uns selber. Wir sind uns unserer selbst nicht mehr bewusst.

Jungen Frauen wie mir oder meiner Cousine wird nicht beigebracht, was es bedeutet eine moderne Frau des 21. Jahrhunderts zu sein.
Es wird weder zuhause noch in den Schulen und erst recht nicht im Freundeskreis angesprochen.

Das ist ein Problem!
Wie können diese Frauen also Emanzipation verlangen, wenn sie noch nicht mal wissen was für eine Rolle sie in der Gesellschaft haben und was ihnen für Rechte zustehen.

Wir müssen so früh wie möglich ein Bewusstsein dafür erschaffen, dass es Ungleichheiten gibt zwischen Mann und Frau, diese aber ungerechtfertigt sind und das NICHT OKAY ist..

Viele Frauen heute glauben, dass wir schwächer und weniger wert sind als Männer. Was dazu beiträgt das wir uns selbst noch mehr unterdrücken. Die meisten Frauen sind noch nicht von ihrer Stärke und ihrer Würde überzeugt. Sie glauben wirklich, dass sie viele Dinge nicht so gut können wie Männer, dass es schon seine Ordnung hat, wenn die Männer die Welt regieren und Politik und Wirtschaft dominieren.

Das ist FALSCH.

Unsere Aufgabe sollte es sein, Frauen klarzumachen, dass es um viel mehr geht als um die Gleichstellung. Es geht um die weibliche Freiheit und dass die weibliche Kultur wertgeschätzt und wichtig gefunden wird, denn das bedeutet Feminismus für mich.

Ich hatte das Glück, dass ich mich schon in jungen Jahren damit auseinandergesetzt habe und auf eine Stiftung wie filia gestoßen bin.  

filias Ziel ist es Frauen und Mädchen eine Chance zu geben, gewaltfrei leben und sich den Zugang zu Entscheidungsmacht und gerechter Ressourcenverteilung verschaffen zu können.

Deshalb fördert filia Aktivitäten von Frauen und Mädchen zu den Themen:

Freiheit von Gewalt und Partizipation

Ich bin in dem MädchenEmpowermentProgramm von filia, welches mir geholfen hat zu verstehen, was es bedeutet eine Frau der jetzigen Zeit zu sein und wie ich dies anderen Frauen vermitteln kann.

Uns jungen Frauen muss bewusstwerden, dass:

Ich eine Frau bin.
Ich bin somit die mächtigste Kreatur im Universum.
Ich bin stark aber kann auch sanft und leidenschaftlich sein.
Ich muss mir selbst versprechen, denen auszuweichen, die mich unterdrücken, meine Gutmütigkeit und meinen Wert gegen mich einsetzen wollen.
Ich muss mir stattdessen diejenigen suchen, die mich lenken, mich stützen, stärken und mich erheben.
Meine Kraft als Frau werde ich dafür nutzen, um all die zu stärken und zu erheben, die um mich sind. Es ist das, was ich als meine Aufgabe sehe und an mir bejubele.

Denn...

...ich bin eine Frau und damit bin ich vollständig.

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10_filia hat mich gestärkt!

Text von Friederike von Westernhagen

In den letzten zwei Monaten absolvierte ich ein Praktikum bei filia. Ich bewarb mich bei filia, weil ich mich für die Rechte von Frauen einsetzten wollte und dies nicht nur mit Worten, sondern mit Projekten und Taten. Ich hatte einige Erwartungen an das Praktikum.

Ich hoffte, dass ich nicht nur im Büro sitze, sondern auch an Aktivitäten und Veranstaltungen teilnehmen werde. Außerdem hoffte ich, ein Teil des Teams zu werden und mich im Büro wohlzufühlen. All diese Erwartungen wurden voll erfüllt, sogar übertroffen! Während meiner Zeit bei filia nahm ich an einigen Veranstaltungen teil. Dort lernte ich viele verschiedene Aktivistinnen kennen. Besonders beeindruckt, hat mich die Veranstaltung Frauen im Blick, die im Rahmen des Internationalen Frauentages in der Handelskammer Hamburg stattfand. Es trafen sich ca. 850 Frauen, die sich über verschiedene Frauenorganisationen informierten, unter anderem über filia. Diese geballte Ladung machte mir deutlich, wie viel Power in uns Frauen steckt und ich fühlte mich sehr „mitgerissen“. Während der Veranstaltung betreute ich den Stand filias und plauderte über die Organisation,  als wäre ich eine langjährige Mitarbeiterin. Ich habe die Stiftung während der ersten Wochen gut kennengelernt, dies lag auch daran, dass das Team mich sehr nett aufnahm und integrierte. Ich hatte konkrete Aufgaben, wie zum Beispiel das Sichten und Annehmen von Projektanträgen oder das Sortieren des Fotoarchives. Ich fühlte mich als ein Teil filias. Eine weitere Veranstaltung, die mir sehr gut gefiel, war das Treffen des Mädchenbeirates. Ich war das ganze Wochenende dabei und bin immer noch total begeistert! Die Mädchen integrierten mich voll und wirklich alle waren sehr nett. Wir wurden zu einer dynamischen Gruppe und obwohl es wenig Schlaf gab, war das Wochenende eine Erholung. Wir besprachen verschiedene Projektanträge und trafen eine Auswahl, tanzten zu eigener Musik, lernten etwas über die Stiftungsarbeit filias und führten interessante Gespräche. Ich ging mit einem guten Gefühl nach Hause, denn ich fühlte mich irgendwie gestärkt. Mich hat sehr gefreut, dass ich bei diesem tollen Wochenende dabei sein durfte. Insgesamt hat mir das Praktikum bei filia sehr gut gefallen. Ich habe mich, trotz der kurzen Zeit, verändert. Ich bin selbstbewusster geworden, und kann meine Gedanken und Gefühle besser in Worte fassen. Durch die Arbeit bei filia habe ich Ziele für meine Zukunft, die mir vorher nicht so klar waren. Ich habe das Gefühl ich bin „reifer“ geworden und dafür sage ich: DANKE!

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11_Ihre Daten sind unser Schatz!

Dieser Schatz erlaubt es filia, Sie regelmäßig über die Entwicklung der Stiftung zu informieren, uns für feministische Themen stark zu machen, weltweit die Projekte von Frauen und Mädchen zu unterstützen.
Danke, dass Sie unseren Newsletter abonnieren. Selbstverständlich können Sie Ihre Einwilligung zur Nutzung der Kontaktdaten gegenüber filia.die frauenstiftung jederzeit widerrufen.
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Oder schicken Sie uns einfach eine E-Mail: newsletter(at)filia-frauenstiftung.de
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12_Spenden statt Geschenke: Teilen Sie Ihre Freude am Geben!

Hochzeit. Geburtstag. Trauerfeier. Es gibt viele Anlässe, sich statt eines Geschenkes eine Spende für filia zu wünschen und Ihre Freude am Geben mit Ihren Lieben zu teilen.
Wir helfen Ihnen gern bei Ihrer persönlichen Spendeneinladung mit Ihrem Stichwort oder schicken Ihnen einen passenden Spendenaufruf zu Ihrer Veranstaltung.
Ganz einfach geht es natürlich auch: Schreiben Sie in Ihre Einladungen:

„Statt Geschenke wünschen wir uns eine Spende für filia.die frauenstiftung“ 

filia.die frauenstiftung
GLS Gemeinschaftsbank eG Bochum
IBAN    DE11 4306 0967 0300 2001 00
BIC    GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Angabe des Anlasses
 
Sprechen Sie mich gern an:
Annette Heise, Fundraiserin
Telefonisch unter  040/380 381 995 oder per Email: a.heise(at)filia-frauenstiftung.de

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13_ Nicht verpassen

23.7.-05.08. 2018
Bundesweite Sommer Tour „Women* Breaking Borders II“
Zwei Wochen Reisen und Spaß gegen Rassismus

Zwischen dem 23.07. und 05.08.2018 reisen die Frauen von Women in Exile mit einem Bus nach Bayern. Sie werden Frauen in Geflüchtetenlagern besuchen und mit ihnen über ihre Situation sprechen. Vor allem aber soll auf dieser Tour mit Zwischenstopps in vielen Städten durch eine Vielfalt an Aktionen auf die Lage von geflüchteten Frauen aufmerksam gemacht werden.
Der Link zum Flyer mit allen relevanten Informationen ist hier zu finden.

29.07. – 02.08.2018
Pride-Week in Hamburg

Nach dem Bürgerschaftsempfang und einer Flaggenhissung am Freitag, den 27.7. beginnt die PRIDE WEEK 2018 offiziell am Samstag, den 28.7. mit der PRIDE NIGHT, der Eröffnungsfeier im Schmidtchen Theater am Spielbudenplatz. Anschließend geht es dort und im gesamten Klubhaus St. Pauli weiter mit einer glanzvollen Party in Kooperation mit PINK INC.
Von Sonntag, den 29.7. bis Donnerstag, den 2.8. öffnet das PRIDE HOUSE seine Türen: im Integrations- und Familienzentrum St. Georg (IFZ) bieten viele queere Vereine und Gruppen ein informationsreiches Programm mit Lesungen, Vorträgen und Diskussionen zu LGBTIQ+-Themen.
Mehr Informationen hier

18. Oktober 2018 in Berlin
filia.die frauenstiftung ist seit vielen Jahren Mitglied im Netzwerk progressiver Stiftungen „Wandelstiften“.
Gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Stiftungen bereiten wir diese Tagung vor:
„Der blinde Fleck“ – Möglichkeiten und Grenzen des Stiftungshandelns
Welche Rolle könnten Stiftungen heute einnehmen in einer sich rasant verändernden Welt
Wo: Im Bundesverband Deutscher Stiftungen, Berlin
Wann: 18.10. 2018 ab 15.30 Tagung, ab 19.00 Uhr Abendveranstaltung
Das Programm finden Sie hier
Anmelden können sich Interessierte hier
Programm bald auch auf unserer Webseite

12. November 2018
100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland

Der 12. November 1918 gilt als die Stunde des Frauenwahlrechts in Deutschland. Grund für zahlreiche Veranstaltungen zum Thema, die über das Jahr in der Bundesrepublik stattfinden. Spannende Informationen zu Geschichte und Akteurinnen der Frauenrechtsbewegung und aktuellen Aktionen zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“ finden sich hier

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