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    Zeitgeschehen, 11./12.09.10 Geld macht Sinn: Warum Millionäre stiften

    Ise Bosch sieht auffällig unauffällig aus. Zu Geburtstagen verschenkt sie schon mal Selbstgebasteltes, auf ihrer Hochzeit haben Freunde Kuchen gebacken und gegrillt, im Urlaub schläft sie gerne bei Bekannten statt in teuren Hotels. Keiner würde auf die Idee kommen, dass diese bodenständige Frau, die gerade ihren Wohnsitz nach Nordwestmecklenburg verlegt hat, ein Vermögen geerbt hat.
    Aber das ist auch nicht das Besondere an der 45-Jährigen. Das Besondere ist ihr Umgang damit, denn sie tritt ganz in die Fußstapfen ihres Großvaters Robert Bosch. Der hatte 1937 in seinem Testament verfügt, dass die Erträge des Unternehmens Bosch in eine Stiftung fließen und gemeinnützigen Zwecken dienen sollen. Enkelin Ise hat in Amerika Musik und Geschichte studiert. Dort wurde sie von einer Erbinnen-Bewegung dazu inspiriert, selbst eine Stiftung zu gründen. Vor neun Jahren rief sie zusammen mit acht anderen Frauen „Filia“ ins Leben, die einzige deutsche Gemeinschaftsstiftung, die in der ganzen Welt Frauenprojekte fördert.
    Natürlich könnte Ise Bosch ihr Geld auch verjubeln, doch das passt so gar nicht zu Lebensstil und Weltsicht der Jazzmusikerin. „Es ist eine Stilfrage“, sagt die Kontrabassistin schlicht. Das bedeute aber nicht, dass sie Geld aus einem schlechten Gewissen heraus weggebe. „Ich finde diese Arbeit enorm bereichernd. Es ist für mich nicht nur ein Ausdruck von Verantwortung, die man hat, wenn man vermögend ist, sondern auch eine einfache Logik. Ich kenne mich aus in der Frauenarbeit und sehe, dass sehr gute Ideen da sind — aber immer wieder scheitert‘s am Geld.“ Oft hört sie die Frage, warum sie gerade Frauenprojekte fördere. Durch ihre Beschäftigung mit Spendenarbeit und Stiftungen weiß sie, dass nur ein Bruchteil der Fördergelder, die durch Stiftungen vergeben werden, Frauen erreichen. „Aber gerade Frauen brauchen Förderung. Denn die allermeisten sozialen Probleme treffen Frauen am härtesten. Armut, Gewalt, Migration, Bildung. Unsere Zukunft sind die Kinder. Und wer Kinder effektiv fördern will, sollte deren Mütter und Erzieherinnen fördern.“ Außerdem findet sie, dass es Männer meist leichter mit dem Geld haben „Aber Frauen sind genial darin, aus wenig viel zu machen.“ Inzwischen wird „Filia“ von 44 Stifterinnen getragen und verfügt über ein Kapital von 15,6 Millionen Euro. Die Stiftung gibt Hilfe zur Selbsthilfe und fördert Lobbyarbeit für Frauen. Warum eine Stiftung und keine Spende? „Das Besondere ist, dass eine Stiftung auf ewig angelegt ist. Man gibt Geld in einen Kapitalstock, die Zinsen können dann jährlich vergeben werden.“ Und steuerlich günstig sei es außerdem.
    Sicherlich gibt es viele Vermögende, die Geld stiften oder spenden, doch Ise Bosch ist der Meinung, dass alle in die Pflicht genommen werden müssen und plädiert für mehr Steuergerechtigkeit, bei der die Reichen stärker zur Kasse gebeten werden.
    Ise Bosch möchte Menschen, die zu mehr Geld gekommen sind, als sie selbst brauchen, anregen, dieses sinnvoll und nachhaltig einzusetzen. In ihrem Leitfaden „Besser spenden“ (Verlag C.H. Beck, 200 S., 12,95 Euro) zeichnet sie unterschiedliche Modelle und Strategien auf.
    Über die Frage, ob spenden glücklich mache, muss sie nicht lange nachdenken. „Gute politische Arbeit macht glücklich. Es ist ja ein riskantes Geschäft. Man gibt Geld raus und hat keine Garantie, dass das Projekt ein Erfolg wird.“ Ansonsten bringe sie Glück nicht unbedingt mit Geld in Verbindung. „Wirklich wichtig im Leben sind andere Sachen.“
    PETRA HAASE

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