Weil Frauen und Mädchen es doppelt und dreifach wert sind!
Und weil filia Sie gewinnen möchte, als neues Förderkreismitglied oder als Erstspender_In!
Grußwort der Senatorin für Justiz und Gleichstellung Jana Schiedek zum 10-jährigen Jubiläum von filia.die frauenstiftung am 17. Juni 2011 im Baseler Hof
Sehr geehrte Frau Peper,
sehr geehrte Frau Bosch,
sehr geehrte Frau Prof. Henschel,
sehr geehrte Frau Schelper,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
es ist mir eine große Freude, heute – unmittelbar im Anschluss an meine Rückkehr von der Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister der Länder – zu Ihnen sprechen zu dürfen. Im Namen des gesamten Senats gratuliere ich Ihnen, liebe Stifterinnen, herzlich zum zehnjährigen Jubiläum.
filia – die Tochter: laut der Gründungstifterinnen ist filia.die frauenstiftung eine Tochter der Frauenbewegung. Sie ist zudem Tochter jeder ihrer Stifterinnen, ihrer Förderkreismitglieder, der Spenderinnen und Spender sowie all derjenigen, die ihr durch zeitliches Engagement helfen, zu gedeihen. Ihnen allen möchte ich ausdrücklich für Ihren intensiven Einsatz für die längst überfällige Gleichstellung von Mann und Frau danken.
Meine Damen und Herren,
Als Senatorin für die Justiz und für die Gleichstellung bin ich in der glücklichen Lage bei Ihrer Veranstaltung gleich doppelt angesprochen zu sein. Sie, sehr geehrte filia-Frauen, und mich verbindet neben dem Bemühen um die Gleichstellung auch das Stiftungswesen.
Seit 2003 übt die Justizbehörde die Stiftungsaufsicht aus und führt das Anerkennungsverfahren für neue Stiftungen durch. Eine vor 10 Jahren liberalisierte Gesetzgebung und weiterhin anwachsende Privatvermögen haben zu einem Anstieg der Zahl der Stiftungen auf 1204 beigetragen. Allein in Hamburg wurden im vergangenen Jahr 31 neue gemeinnützige Stiftungen errichtet und haben somit die Eigenschaft Hamburgs als Stiftungshauptstadt weiter verfestigt.
Stiften hat in Hamburg eine lange Tradition: Die älteste Stiftung „Hospital zum Heiligen Geist“ wurde bereits 1227 von Bürgern der Hamburger Neustadt rund um das Kirchspiel St. Nicolai gegründet. Als älteste deutsche Stiftung gilt allerdings die Hospital-Stiftung zu Wemding in Bayern – und diese wurde von einer Frau im Jahre 917 gegründet.
Die erste Stiftung, deren Wirken ausdrücklich auf Frauen zielt, ist das 1227 gegründete „Katharinen- und Weißfrauenstift“ in Frankfurt am Main. Der Stiftungszweck lautet: „Der ausschließliche Zweck der Stiftung ist die unmittelbare Unterstützung und Versorgung bedürftiger Frauen durch Gewährung von Jahresrenten und Schaffung von Heimunterkunft. Die zu betreuende Person soll in der Regel christlichen Glaubens sein und seit mindestens einem Jahr ihren Wohnsitz in Frankfurt am Main haben.“ Wie quicklebendig diese Stiftung noch immer ist, kann im Internet nachvollzogen werden.
Meine Damen und Herren,
nach der Stiftungsumfrage 2010 des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen wurden 24% der Stiftungen ausschließlich von Frauen und 41,3% ausschließlich von Männern gegründet. Männer haben hier also noch die Nase vorn. Kein Wunder, verdienen doch hierzulande Frauen 23% weniger als Männer, besetzen dafür über 70% der Minijobs. Sie kommen somit seltener in die Lage, Vermögen anzusammeln, das in Stiftungen angelegt werden kann. Dennoch gründeten neun von Ihnen 2001 mit einem Startkapital von 260.000 Euro diese Stiftung.
Und damit sind wir beim zweiten Thema, sehr geehrte filia-Frauen: die Gleichstellung. Ihr Ziel war und ist die weltweite Umsetzung von Chancengleichheit und Menschenrechten im Interesse von Frauen. Entgeltungleichheit, Altersarmut, geschlechtsspezifische Gewalt, fehlende Teilhabe von Frauen in zentralen gesellschaftlichen Feldern – Themen, denen Sie sich als einzige deutsche Stiftung weltweit widmen. Auch der Hamburger Senat hat diese Themen auf seiner Agenda. Wie schon bei der Konferenz der Justizministerinnen und -minister habe ich mich auch bei der Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister für die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote in Führungspositionen stark gemacht. An einem Gesetzentwurf arbeiten wir derzeit.
Unter Ihrem Motto „Geld verwandeln, Frauen stärken und die Welt verändern“ verbinden Sie, meine Damen, ihr philanthropisches Engagement mit feministischen Zielen. Diesen Ansatz verfolgen Sie nachhaltig, wertschätzend, Freiräume nutzend und transparent. Sie engagieren sich überall auf der Welt für die Frauen und kämpfen für Ihre Partizipation und Rechte.
Meine Damen und Herren,
Frauen erstarken in Netzwerken. Deshalb ermutigen Sie Frauen, sich zusammenzuschließen. Dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist, bewiesen Sie selbst, indem Sie die Form der Gemeinschaftstiftung wählten. Dieses Konzept ist aufgegangen. Ihre Geschichte, die Geschichte von filia.der frauenstiftung ist eine Erfolgsgeschichte: Die Zahl der Stifterinnen stieg in 10 Jahren auf rund 50. Noch imposanter ist das Wachstum des Stiftungskapitals auf 15,7 Mio. Euro. Waren es 2001 noch 3 Projekte, die mit fast 18.000€ gefördert wurden, konnten 2009 schon 52 Initiativen mit insgesamt fast 320.000€ unterstützt werden. Außerdem engagieren Sie sich in einem noch größeren Netzwerk, dem International Network of Women’s Fund (INWF).
Empowerment und strukturelle Veränderung bedingen einander. Deshalb sind viele Projekte, die filia unterstützt, Beispiele für sozialen Wandel. Schritt für Schritt – ob in der Mongolei, Georgien, Tschetschenien, Serbien, Südafrika oder bei uns. Ein thematischer Schwerpunkt bei Ihnen sind dabei die Frauen, die Mehrfachdiskriminierungen ausgesetzt sind. Schwarze Frauen in der EU, lesbische Frauen in Südafrika oder Frauen mit Behinderungen. Ihnen gilt Ihr besonderes Engagement.
Die von filia unterstützten Projekte setzten auf Nachhaltigkeit. Geld verwandeln Sie, meine Damen, weltweit in Hilfe zur Selbsthilfe. Sie nehmen andere Frauen und Mädchen ernst und investieren in sie. Die so erfahrene Wertschätzung lässt die betroffenen Frauen ihr Potenzial erkennen – und wiederum erstarken.
Meine Damen und Herren,
lassen sie mich zum Abschluss festhalten: Hamburg ist stolz darauf, dass Sie mit Ihrer Stiftung hier bei uns ansässig sind und mit ihrem Ansatz die Hamburger Stiftungslandschaft bereichern. Bleiben Sie Ihrem Motto treu – dann werden Sie, da bin ich ganz sicher – tatsächlich Schritt für Schritt die Welt verändern und vor allem für Frauen verbessern. Dafür wünsche ich Ihnen größtmöglichen Erfolg.
Vielen Dank.
(Rede vom 17.06.2011 anläßlich des filia Jubiläums)