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Meinungen und Diskurse

Ise Bosch

Parteiisch für die Interessen von Mädchen und Frauen
basierend auf der Ansprache am 22.11.2007 anlässlich der 1. Projekt-Party

„Es ist einfach nicht möglich, Privatvermögen zu neutralisieren!“ - diese Aussage begegnete mir kürzlich bei einer Diskussion über effektives Spenden und Stiften. Gemeint war: die Verantwortung, die mit dem Geld kommt, sollte persönlich wahrgenommen werden, man kann sie nicht „abgeben“. Wer Geld zu verteilen hat, sollte das selbst in die Hände nehmen, alles andere „funktioniere nicht“.
Stimmt das denn? filia.die frauenstiftung behauptet das Gegenteil. Oder auch nicht; denn wir begreifen die Frage anders. Wir sind als Gemeinschaftsstiftung zwar keine wirklich demokratische Einrichtung, aber wir schaffen den Übergang von persönlichem „Vermögen“ Geld-Macht zu einem gemeinschaftlichen, verantwortungsvollen Gebrauch dieser Macht.
Viele Menschen mit Vermögen sind motiviert, etwas davon weiterzugeben. Als Selbstverständlichkeit, weil sie persönlich Not kennen, um zurückzugeben, aus religiösen Gründen. Aber wem geben, wie viel? An dieser Stelle sitzen viel zu viele fest, mit einem vagen „ich sollte eigentlich…“, oder einem drängenden „Du hättest schon lange…“. Und wie anstellen? Bringe ich mich nicht ein, traue ich der Sache nicht. Und um mich adäquat zu kümmern, fehlt die Zeit und Energie.

Was also tun mit der Macht, die mit dem Geld kommt? Müssen alle zu Stiftern und Stifterinnen werden? Und wenn ja, ist damit das Machtgefälle überwunden? Der klassische Typus des Stifters hat zwar sein Vermögen endgültig gemeinnützigen Zwecken gewidmet, hält aber sehr wohl weiterhin die Zügel in den Händen. Stiftungen sind keine demokratischen Einrichtungen. Sie sind im Rahmen des Gemeinnützigkeitsrechtes demokratisch legitimiert, sozusagen als verlängerter Arm des Sozialstaats. Das Volk redet aber nicht aktuell bei Entscheidungen mit; vielmehr haben sie die Aufgabe, den Stifterwillen zu erfüllen. Dieser prägt das Förderprogramm, auf lange Sicht und in alltäglichen Entscheidungen. Auch wenn eine Stiftung professionell arbeitet, mit Respekt und Transparenz für die Bedürfnisse der Anspruchsgruppen - man sitzt nicht im selben Boot. Hier die Geld Gebenden, dort die Geld Suchenden, mit potentiell gegensätzlichen Interessen und allen daraus entstehenden Problemen.
Dieses Muster passt nur schlecht zur Förderung der Frauenbewegung. Die Frauenbewegung ist  eine Bewegung für soziale Gerechtigkeit. Sie fordert einen Bewusstsein für bestehende Machtgefälle und wendet diese Forderung auch auf sich selbst an. Das ist Grundlage ihrer Authentizität: der Weg ist das Ziel. Die Werte der Bewegung - Diversität, Zugang, Transparenz, Respekt - sind das Gegengewicht zur Dominanz der Mächtigen.

Wie bringen wir das also zusammen, Stiftung und Bewegung? Feministische Frauenstiftungen als Gemeinschaftsstiftungen begreifen sich weder als Wohltäterinnen noch als strategische Schaltzentralen. Sie sehen sich als Treffpunkt für die verschiedenen Interessensgruppen - Menschen mit Geld und Frauen mit Ideen und Erfahrung. In ihren Gremien sitzen Fachfrauen aus der Praxis der Bewegung. Das strategisch entscheidende Gremium ist gewählt. Inhaltlich sind sie breit aufgestellt. Sie fördern nach Möglichkeit ohne hohe Hemmschwellen, suchen den Kontakt auf Augenhöhe mit den Geförderten - um nur einige der wichtigsten Werte zu nennen.
Wer hier Geld hineingibt, gibt es der Frauenbewegung - nicht nur was die Ziele der Förderungen anbelangt, sondern auch das WIE der Förderung, und das WER der Entscheidungen. Auch die Geförderten sind Teil des Gefüges. Für sie sammelt die Stiftung das Geld - ohne ihre Berichte an die Stiftung, ohne ihre Anteilnahme am Erfolg der Stiftung geht nichts.

Privatvermögen wird in feministischen Frauenstiftungen nicht „neutralisiert“. Die Macht, die mit diesem Geld verknüpft ist, verpufft nicht. Vielmehr: wer Zustifterin oder Spenderin wird, AKTIVIERT dieses Geld für die Interessen von Mädchen und Frauen - parteiisch, nach gemeinsam ausgehandelten Regeln, in einem kontinuierlichen, reflektierten Prozess."

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