"Ohne die Teilhabe von Frauen wird der Prozess der Demokratisierung erfolglos bleiben" Marina Tabukashvili, Stiftung Taso, Georgien
Die Verantwortlichkeit der ‘Mütter’. Genderdiskurse von Frauenfriedensorganisationen im Nordkaukasus/ Russland*
Die Bedeutung der Kategorie Gender in Gewaltkonflikten wird in dem vorliegenden Artikel am Beispiel der Diskurse von Frauenfriedensorganisationen im Nordkaukasus diskutiert. Die zu Russland gehörige Region[1] ist seit der Auflösung der Sowjetunion von Gewaltkonflikten geprägt. Tief erschüttert wurde die Region seit Mitte der 1990er Jahre durch den Tschetschenienkrieg. In diesen militarisierten Gewaltkonflikten stellen Diskurse über ‚Mutterschaft’ und die `Verantwortung der Mütter` eine wichtige Grundlage für die Friedensarbeit von Frauen dar. Sie ermöglichen es Friedensaktivistinnen aus unterschiedlichen Kontexten, sich auf lokaler und überregionaler Ebene zu organisieren und über tiefe politische Gräben hinweg gemeinsame politische Forderungen und Aktivitäten zu entwickeln.
* Der Artikel ist auf englisch erschienen: „The Responsibility of ‚Mothers’. Gendered Discourses of Women’s Peace Organisations in the North-Caucasus/ Russia” in: Eifler, Christine/ Seifert, Ruth (ed.): Gender Dynamics and Post-Conflict Reconstruction. Peter Lang Verlag. Frankfurt a. M. 2009.
[1] Zum Nordkaukasus zählen die sieben Republiken Dagestan, Tschetschenien, Inguschetien, Nordossetien, Kabardino-Balkarien, Karačaj-Čerkessien und Adygeja sowie die Gebiete Rostov, Krasnodar und Stavropol. Diese Republiken und Gebiete gehören alle zur Russischen Föderation und werden administrativ als Subjekte der Russischen Föderation bezeichnet. Die Gebiete Rostov, Krasnodar und Stavropol sind Gebiete mit mehrheitlich russischer Bevölkerung. In den Republiken leben Menschen verschiedener nichtrussischer Ethnien zusammen. Die Region zeichnet sich durch eine große ethnische Vielfalt aus. Zur Situation im Nordkaukasus siehe z.B. Proskurjakov 2006
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Für manche ist Diversität eine Frage des Überlebens.
Auszüge aus einem Essay von Claudia Bollwinkel
„In besonderer Weise fühlen wir uns den Frauen verpflichtet, die nicht nur aufgrund ihres Geschlechts, sondern auch wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer sexuellen Orientierung Diskriminierungen ausgesetzt sind.“
filia ist eine Tochter der Frauenbewegung. Damit verbunden ist ein Bewusstsein für bestehende Machtgefälle – auch in der eigenen Tätigkeit. Will man Frauen stark machen, ist das Wie genauso wichtig wie das Was, ist die Art der Kommunikation mit den geförderten Frauen ebenso entscheidend wie die Inhalte der unterstützten Projekte. Was bedeutet es, feministisch zu fördern? Zunächst heißt es, leicht ansprechbar zu sein. Die bürokratischen Schwellen für Antragstellerinnen sollen niedrig sein, damit sich möglichst unterschiedliche Menschen ermuntert fühlen, Anträge einzureichen. filia bemüht sich, den Betreiberinnen der Projekte gründlich zuzuhören. Was genau sind die Bedürfnisse? Wenn nötig, wird die Förderstrategie verändert. Neben Geld sind Vertrauen und Wertschätzung die wichtigsten Zuwendungen, um Menschen zu stärken. Sie merken, dass jemand auf ihre Kraft und Kompetenz vertraut. filia verzichtet deshalb möglichst auf kontrollierende Kommunikation. Die Förderung mit kleinen Summen bis zu 10.000 Euro funktioniert ähnlich wie das Mikrokreditsystem: Sie erreicht Basisgruppen, die mit wenigen Mittel viel bewegen können. Und ähnlich wie bei den Mikrokrediten geht das nur sehr selten schief. Das Vertrauen, das filia in ihre Partnerinnen setzt, beantworten sie mit Transparenz und Sorgfalt. Die Idee funktioniert.

Parteiisch für die Interessen von Mädchen und Frauen
basierend auf der Ansprache am 22.11.2007 anlässlich der 1. Projekt-Party
„Es ist einfach nicht möglich, Privatvermögen zu neutralisieren!“ - diese Aussage begegnete mir kürzlich bei einer Diskussion über effektives Spenden und Stiften. Gemeint war: die Verantwortung, die mit dem Geld kommt, sollte persönlich wahrgenommen werden, man kann sie nicht „abgeben“. Wer Geld zu verteilen hat, sollte das selbst in die Hände nehmen, alles andere „funktioniere nicht“.
Stimmt das denn? filia.die frauenstiftung behauptet das Gegenteil. Oder auch nicht; denn wir begreifen die Frage anders. Wir sind als Gemeinschaftsstiftung zwar keine wirklich demokratische Einrichtung, aber wir schaffen den Übergang von persönlichem „Vermögen“ Geld-Macht zu einem gemeinschaftlichen, verantwortungsvollen Gebrauch dieser Macht.
Viele Menschen mit Vermögen sind motiviert, etwas davon weiterzugeben. Als Selbstverständlichkeit, weil sie persönlich Not kennen, um zurückzugeben, aus religiösen Gründen. Aber wem geben, wie viel? An dieser Stelle sitzen viel zu viele fest, mit einem vagen „ich sollte eigentlich…“, oder einem drängenden „Du hättest schon lange…“. Und wie anstellen? Bringe ich mich nicht ein, traue ich der Sache nicht. Und um mich adäquat zu kümmern, fehlt die Zeit und Energie.
Was also tun mit der Macht, die mit dem Geld kommt? Müssen alle zu Stiftern und Stifterinnen werden?
Im September 2000 haben sich alle Mitgliedsstaaten der UNO auf acht Entwicklungsziele – die Millenniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDGs) geeinigt, um eine zukunftsfähige und nachhaltige Weltentwicklung zu gewährleisten. Reiche und arme Länder verpflichteten sich darin, alles daran zu setzen, die Armut radikal zu reduzieren, die menschliche Würde und Gleichberechtigung zu fördern und Frieden, Demokratie und ökologische Zusammenarbeit zu verwirklichen. Die Staats- und Regierungschefs haben sich erstmals auf genau definierte Ziele und einen Zeitplan bis 2015 festgelegt.