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filia_news_2017_3

Liebe Leserinnen und Leser,

nach dem Wahlergebnis vom letzten Sonntag ist uns hier im filia-Büro etwas bange zu Mute. Man kann den Eindruck gewinnen, dass es zu wenig um Zukunftsgestaltung ging. Die großen Visionen sind ausgeblieben. Von einer Partei wurde aggressiver Unmut verbreitet und hat damit offensichtlich Zulauf organisiert.
Deshalb möchten wir an dieser Stelle aus unserer Gründungspräambel zitieren, die die Gründerinnen 2001 verabschiedet haben: „(…) In besonderer Weise fühlen wir uns den Frauen verpflichtet, die nicht nur aufgrund ihres Geschlechts, sondern auch wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer sexuellen Orientierung Diskriminierungen ausgesetzt sind. Wir wünschen uns eine Gesellschaft, die Migrantinnen willkommen heißt und auf ihre lebendige Teilhabe setzt. Wir setzen uns besonders auch für Frauen ein, die in ihren Heimatländern religiös oder politisch motivierten Repressionen ausgesetzt sind und denen durch materielle Armut die wichtigsten Lebensgrundlagen genommen sind. (…)“

Für filia als Frauenstiftung gehört dazu, Frauen und Mädchen dabei zu unterstützen, selbstbestimmt, gewaltfrei und mit allen Möglichkeiten der Mitbestimmung zu leben. Deshalb schauen wir mit einem Genderblick auf Parteiprogramme, auf Medienberichte, auf die Verteilung von Ressourcen. So engagiert sich Sonja Schelper seit geraumer Zeit im Bundesverband deutscher Stiftungen, dass der Verband sowie seine Mitglieder ihre Arbeit auch durch die Genderperspektive betrachten und auswerten. Für filia ist dieses Engagement Teil ihrer Advokatinnen-Rolle: 5_Advokatin: filia mischt sich ein, filia unterstützt
filia wirkt in der Welt und geht in die Welt: Wir wirken in Bosnien und Herzegowina, wo die Organisation KAS mit unserer Unterstützung ein Projekt mit erfreulichen Folgen durchführen konnte: 4_Leben – frei von täglichen Behinderungen. Das Projektbeispiel KAS.!
Wir wirken in Deutschland, wo fast 30 Prozent der Menschen, die 2015 und 2016 hier Zuflucht gesucht haben, Frauen waren. Leider fehlt auch bei der Unterbringung und Betreuung der geflüchteten Menschen die Genderperspektive. So kommt es, dass die existentiellen Bedürfnisse von Frauen und Mädchen oft keine Berücksichtigung erfahren. Dass es auch anders geht, beweisen die Projekte, die wir Ihnen in 3_Tee und getönte Scheiben: Das Thema „Frauen und Flucht“ bei filia vorstellen.
Mit dem Projekt Masakhane geht filia in die Welt hinaus und zwar in die Länder des südlichen Afrikas. Zusammen mit dem Projektpartner LSVD besuchte filia im Juni die südafrikanische Projektpartnerin Coalition of African Lesbians (CAL) und reiste bis nach Botswana, um Projektteilnehmer_innen kennen zu lernen: 1_„Es ist eine Bewegung entstanden…“. Der Projektbesuch bei der Coalition of African Lesbians in Südafrika und Botswana. Wir sind sehr beeindruckt von den Ergebnissen und motiviert, dieses Projekt fortzusetzen.
In diesem November wird filia in Kiew gemeinsam mit dem Ukrainian Women’s Fund und dem Women’s Fund in Georgia die internationale Tagung „Back to the Future“ ausrichten: 2_Zurück in die Zukunft: „Warum ist Feminismus für mich so wichtig, jeden Tag?“.
Zum Schluss ein paar Worte in eigener Sache: filia braucht mehr! Damit die Stiftung die beeindruckenden Projekte aus aller Welt unterstützen, und mit ihren Themen in unserer Gesellschaft, unserer Welt weiter wirken kann, brauchen wir Sie und Ihre Spende. Obwohl unser fest angelegtes Stiftungskapital nicht gering ist, kann filia von den sehr niedrigen Renditen nicht die vielen Frauen und Mädchen unterstützen, die es verdient und nötig haben. Verdient, weil sie die richtigen Ideen haben, ihre Situation zu verändern. Nötig, weil sie nicht den entsprechenden Zugang zu Geld und Einfluss haben. Am 11. Oktober 2017, dem Internationalen Mädchentag, startet unsere Spendenkampagne „filia wünscht sich…“. Wir wünschen uns vor allem Ihre zahlreiche und zahlenreiche Unterstützung, denn nur zusammen können wir auch 2018 weiter etwas bewegen.

Es lohnt sich, für filia zu spenden.

Ihre Sonja Schelper und das filia-Team

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1_„Es ist eine Bewegung entstanden…“. Der Projektbesuch bei der Coalition of African Lesbians in Südafrika und Botswana

Seit 2014 läuft das Projekt Masakhane zur Stärkung von Lesben, Bi und Trans* im südlichen Afrika. Finanziert wird dieses Vorzeigeprojekt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und von filia. Die Coalition of African Lesbians (CAL) führt das Projekt unter Leitung vom LSVD und filia durch. Vom 14. bis 25. Juni reisten Uta Schwenke (Bundesvorstandsfrau beim LSVD) und Sonja Schelper (filia-Geschäftsführerin) nach Südafrika und Botswana, um sich über die Ergebnisse des nun bald endenden Projektes zu informieren.

Beim Projekt Masakhane schult CAL die Mitarbeiter*innen teilnehmender Organisationen und Aktivist*innen in ihren organisatorischen Kapazitäten. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Teilnehmenden so zu empowern, dass sie ihre Interessenvertretung und Medienarbeit kontinuierlich und strategisch verbessern. Sie sollen ihre Allianzen und Bündnisse ausbauen können, um besser die Entscheidungsträger_innen in Politik und Gesellschaft zu erreichen. Zudem lernen die Teilnehmenden, genauere Daten und Analysen zu Menschenrechtsverletzungen und Erfolgen zu erheben, diese auszuwerten und sie zur Unterstützung ihrer politischen Forderungen zu nutzen.

Schon bei vorherigen Besuchen hatten Uta Schwenke und Sonja Schelper die Chance, in verschiedenen Workshops zur Analyse und Strategieentwicklung viele sehr eindrucksvolle Menschenrechtsaktivist*innen kennen zu lernen. Bei dieser Reise trafen sie in Botswana viele Grassroot-Aktivist*innen und konnten die praktische Umsetzung der Arbeit direkt miterleben.

In Botswana, einem kleinen Land mit zwei Millionen Einwohner*innen und einer der wenigen afrikanischen Demokratien seit nunmehr 50 Jahren – ist Homosexualität verboten und wird mit bis zu sieben Jahren Haft bestraft. Dort besuchten Uta Schwencke und Sonja Schelper ein Treffen bei Legabibo (Lesbians, Gays and Bisexuals of Botswana). Diese kleine Organisation gibt es bereits seit 1998, aber erst 2016 konnte sie ihre Registrierung gerichtlich durchsetzen. Dadurch spielt sie eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von Masakhane in Botswana und verwaltet zum Beispiel die Projektfinanzen.

Eine Gruppe von lesbischen und Trans-Aktivist*innen aus mehreren Organisationen hat sich zu einem Kollektiv zusammengefunden und Medienclips erstellt, Gruppen in sozialen Netzwerken gebildet und erstaunlich große Diskussionsveranstaltungen organisiert. Einen besonderen Schub haben die Aktivitäten der Gruppe – leider – durch einen weiteren negativen Vorfall erfahren: während der Kampagne war eine junge Frau an einer Bushaltestelle in der Hauptstadt Gaborone von Männern überfallen, entkleidet und verprügelt worden, weil sie „unafrikanisch“ gekleidet gewesen sei. Dieser Überfall hatte einen Aufschrei, breite Mobilisierung und eine ungewöhnliche Demonstration zur Folge gehabt, in der nachdrücklich Autonomie gefordert wurde: Wie eine Frau sich kleidet, wen sie liebt, was sie machen will – das entscheidet sie alleine!

„Für mich war das eindrucksvollste Erlebnis die Teilnahme an einer Diskussionsveranstaltung in einer größeren Garage. Mehr als 40 Menschen, die aus sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und Gruppen kamen, sind dort zusammen gekommen und haben über das Verhältnis von Kultur und Tradition für die Selbstbestimmung von Frauen diskutiert – leidenschaftlich und unter Beteiligung von fast allen, kraftvoll und bewegend – so was habe ich seit den 70er Jahren in Deutschland nicht mehr erlebt“, berichtet Sonja Schelper.

Beim Projektbesuch zeigte sich so viel Engagement, Aufbruchsstimmung und Power, dass wir von Masakhane sehr überzeugt sind und uns mit allen Kräften um eine Fortsetzung bemühen. Bei Erfolg, könnten die Aktivist*innen aus Botswana ihre Erkenntnisse und Erfolge in andere Länder tragen und dort als Mentor*innen wirken und die Bewegung weiter voranbringen. Das ist unsere Hoffnung.

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2_Zurück in die Zukunft – „Warum ist Feminismus für mich so wichtig, jeden Tag?“

filia befindet sich auf Zeitreise in die Gegenwart. Die letzte Etappe des Trialog-Projektes, die große Abschlusskonferenz in Kiew, steht bevor. Ziel des Projekts ist es, einen feministischen Dialog zwischen Frauen verschiedener Generationen anzuregen. Seit April 2017 realisieren Frauenorganisationen in den beteiligten Ländern spannende Projekte, jeweils drei in Deutschland und Georgien, in der Ukraine sogar vier. In zehn Gruppen tauschen sich die Aktivistinnen zu Fragen aus, die sie in die Vergangenheit wie in die Zukunft schauen lassen.

Fotostrecken, Podcasts, Performances, Trainings für junge Aktivistinnen, Videos, Sticker, feministische Tagebücher werden erstellt. Was sie zeigen? „Den Weg junger Aktivistinnen zur Frauenbewegung“ (ein ukrainisches Projekt) oder wie „ein feministischer intergenerativer Dialog initiiert und gestaltet werden kann“ (ein deutsches Projekt) oder „über die Entwicklung des Feminismus seit Anfang des 20. Jahrhunderts“ (ein georgisches Projekt).
Am 25. November, dem Internationalen Tag der Beseitigung von Gewalt an Frauen und Mädchen, findet in Kiew die Abschlusskonferenz des Trialogs statt. Aus jedem der teilnehmenden Länder kommen zehn Frauen (je Projekt zwei bis drei Aktivistinnen). Dort stellen sie ihre „Produkte“ vor. Diese „Produkte“ werden dort zum Ausgangspunkt für eine Verständigung darüber, wie Frauen und Mädchen in Zukunft leben wollen. Der Austausch soll Brücken bilden, Türen öffnen und Sichtbarkeit herstellen – und der Frage ‚Warum Feminismus jeden Tag?‘ näher kommen.
Geplant ist eine Videodokumentation der Tagung.

Eine Kurzbeschreibung aller 10 Projekte finden Sie auf unserer Webseite: Projekte des Trailogs 2017

Das Trialog-Projekt wird vom Auswärtigen Amt gefördert.

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3_Tee und getönte Scheiben: Das Thema ‚Frauen und Flucht‘ bei filia

Geflüchtete Frauen und Mädchen haben besondere Bedarfe, die allerdings bei z. B. der Unterbringung oder in Unterstützungsangeboten oft nicht mit bedacht werden. Fast alle Hilfsleistungen sind auf Männer zugeschnitten. Seit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen in 2015 hat filia in Deutschland mit 18.538 Euro vier Initiativen gefördert, in denen Frauen und Mädchen für geflüchtete Frauen und Mädchen aktiv werden. Alle Projekte standen vor einer Herausforderung: geschützte Räume für die geflüchteten Frauen und Mädchen zu schaffen.

Projektbeispiele aus Deutschland
Die Mädchen von Girlz4Girlz, von denen die meisten selbst of Colour sind, wollten mit unbegleiteten minderjährigen Mädchen in Flüchtlingsunterkünften gemeinsam HipHop-Kurse machen. Die wöchentlichen Workshops konnten jedoch nicht in der Erstaufnahmeeinrichtung Bayernkaserne angeboten werden, da es dort keine geschlechtshomogenen Räume gab. Es wurde mit „Willkommen in München“ eine Alternative in der Nähe gefunden und dort in den Räumen der Mädchenwohngruppe gearbeitet.

Der EmpowerVan in Hamburg, für den filia Anschubfinanzierung gab, ist ein mobiler Beratungsbus, der die verschiedenen Unterkünfte in der Stadt direkt anfährt. Im Bus, der getönte Scheiben hat, können die Frauen frei sprechen. Allein in dem halben Jahr zwischen Juni 2016 und Januar 2017 erreichte der EmpowerVan etwa 1.000 geflüchtete Frauen und Mädchen. Interessierte Frauen kamen anfangs eher einzeln, zunehmend zu zweit oder in kleinen Gruppen. Es wurde Musik mitgebracht, Tee getrunken, Geschichten geteilt, Erfahrungen mit dem Ankommen besprochen. Mittlerweile werden den Frauen für ihre Treffen auch Räume in den verschiedenen Unterkünften bereitgestellt.

Die Fachberatungsstelle Jadwiga in Nürnberg nutzte Tee ganz gezielt für den ersten Kontakt: Sie luden Frauen und Mädchen mit mehrsprachigen Aushängen in den Gemeinschaftsunterkünften der Stadt zu Frauencafés in den jeweiligen Unterkünften ein. Währen dieser Zeit hatten Männer keinen Zutritt zu den Räumen. Bei den Cafés kamen Frauen miteinander ins Gespräch und informierten sich zu ihren Rechten und Hilfsangeboten.

Was will filia erreichen?
filia möchte Frauen und Mädchen, die auf ihren Fluchtwegen in Deutschland ankommen, nicht nur unterstützen, sondern sie auch als selbstbestimmt Handelnde stärken. Im Projekt von Maisha, der Selbsthilfeorganisation für Afrikanische Frauen in Frankfurt, ging es in der ersten Phase um das Kennenlernen. Was möchten die jungen geflüchteten Frauen machen? Wie können die Frauen von Maisha sie dabei unterstützen? Das Ergebnis des Prozesses ist eine Veröffentlichung von kurzen Geschichten über die Fluchtwege und Gewalterfahrungen der jungen Frauen.

In filias Arbeit geht es immer wieder um die Selbstartikulation: Frauen, die Marginalisierung erleben, sprechen mit eigener Stimme und werden mit ihrem Wissen und ihrer Perspektive sichtbar und hörbar. Für Nour Adrah, seit 2016 in Deutschland lebende Syrerin und seit diesem Jahr Mitglied in filias Mädchenbeirat, hat beispielsweise das Wort „Flüchtling“ einen unangenehmen Beigeschmack: „Die Flucht ist doch nur ein Aspekt von mir. Das Wort reduziert mich.“

Als Mädchenbeirätin entschied Nour Adrah im Förderzyklus 2017 über die Förderung für neue Mädchenprojekte mit. Wieder sind zwei Projekte für junge geflüchtete Frauen dabei. In Berlin-Treptow findet zum Beispiel mit filias Unterstützung ein Tanztheaterprojekt des Jugendzirkus Cabuwazi statt. Achtzehn Mädchen zwischen 7 und 16 Jahren aus den Notunterkünften und Willkommensklassen im Kiez können im tänzerischen Darstellen bei sich selbst ankommen.

Es geht filia auch darum, mehr Sichtbarkeit und Ressourcen für frauenspezifische Unterstützung zu schaffen. Bei Jadwiga in Nürnberg und beim EmpowerVan in Hamburg folgten auf filias vergleichsweise kleine Förderungen höhere Investitionen durch öffentliche Geldgeber: Anstelle der geplanten neun Frauencafés konnten durch die Mittelzuschüsse des Sozialreferats der Kommune Nürnberg 22 Frauencafés im gesamten Stadtgebiet stattfinden. Der EmpowerVan fährt mittlerweile nachhaltig finanziert durch die Mittel der Stadt Hamburg.   

Gemeinsam mit dem World Future Council und UN Women Deutschland hat filia 2016 mit der Broschüre „Geflüchtete Frauen und Mädchen vor Gewalt schützen“ eine Sammlung guter Praxisbeispiele vorgelegt. Mit der Broschüre wollen die Herausgeberinnen auch konkrete Politikempfehlungen geben. Die guten Ideen und Ansätze sind da, jetzt braucht es „nur noch“ den Willen, sie flächendeckend umzusetzen.

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4_Leben – frei von täglichen Behinderungen. Das Projektbeispiel KAS.

Banja Luka ist nach Sarajewo mit knapp 200.000 Einwohner_innen die zweitgrößte Stadt Bosnien und Herzegowinas. Versucht frau sich, über diese Stadt zu informieren, so bekommt sie schnell den Eindruck, dass es dort offenbar immer noch sehr wichtig ist, wie viel Prozent der Bevölkerung welcher Ethnie oder Religion angehören. Aber es gibt in Banja Luka auch andere Ansätze – zum Beispiel bei der Organisation KAS, die filia 2016 gefördert hat.

Die Organisation KAS, erst Anfang 2016 von kompetenten Projektfrauen gegründet, arbeitet mit ihrem ehrenamtlichen Team zu Geschlechtergerechtigkeit, Inklusion und Frauenrechten. Mit filias Unterstützung konnte sich die Organisation auf eine besondere Zielgruppe konzentrieren: mit 2.082 Euro förderte filia ein Projekt, mit dem KAS Mädchen und Frauen mit Behinderung stärken wollte. Das Projekt konzentrierte sich auf ihre Bedürfnisse und Herausforderungen im Umgang mit und in der Abwehr von Gewalt in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen.

Vom 17. bis 19. März 2017 lud KAS Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren aus ganz Bosnien und Herzegowina – sowohl aus Städten wie auch den ländlichen Regionen – zu einer Konferenz ein. Die 25 ausgewählten Teilnehmerinnen hatten unterschiedliche Mobilitätsbeeinträchtigungen; sie waren blind oder gehörgeschädigt. Sie kamen aus einem breiten gesellschaftlichen Spektrum: Aktivistinnen, Arbeit suchende Mädchen, Studentinnen, Professorinnen, Psychologinnen, Hausmütter und Journalistinnen.

Das Angebot der Konferenz war groß: Vorträge zu sexueller Gewalt, Empowerment-Workshops, Filmgespräche, Spielaktionen, Ideenbaum und offenes Mikrofon gaben den Teilnehmerinnen viele Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich weiter zu bilden. Für viele war es das erste Mal, dass sie sich mit Genderstereotypen, Diskriminierungsformen und Gleichberechtigung intensiv auseinander gesetzt haben. Den meisten Teilnehmerinnen wurde erst durch den Austausch bei der Konferenz bewusst, dass ihre Erfahrungen kein individuelles Problem darstellen, sondern dass es sich um systematische Diskriminierung und Gewalt handelt. Niemand hatte zuvor eine Vorstellung davon, dass eine blinde Frau und ein gehörloses Mädchen vergleichbare diskriminierende und gewaltvolle Erfahrungen teilen. Diese Erkenntnis, so bedrückend sie einerseits ist, hat den Teilnehmerinnen und den Veranstalter_innen einen Motivationsschub gegeben, sich noch intensiver mit diesen Problemen zu befassen. KAS war es außerdem ein wichtiges Anliegen, das Schweigen in puncto Gewalterfahrungen zu brechen. Die Geschäftsführerin von KAS, Draga Gajic, berichtet: „Einige der Teilnehmerinnen haben sich vor der Konferenz geschämt, über ihre persönlichen Erfahrungen als Mädchen bzw. Frau mit Behinderung zu sprechen.“

Draga erzählte in einem Skype-Gespräch Anfang September 2017, dass 90 Prozent der Teilnehmerinnen im Anschluss an die drei Tage im März sehr aktiv geworden sind: Sie organisieren in ihrem Umfeld Infoveranstaltungen, tauschen sich lebhaft in sozialen Netzwerken aus und nehmen an weiteren Treffen teil. Einige helfen bei der Organisation einer Folgekonferenz mit. Einige wenden ihre erlernten Handwerkszeuge gleich an und arbeiten an einem gebärdensprachlichen Theaterstück über Gewalterfahrungen.

filia fördert mit so genannten Impulsförderungen, einmaligen Summen bis 8.000 €, kreative und außergewöhnliche Projekte in Mittel-Ost-Europa. Organisationen wie KAS beweisen uns immer wieder, wie wichtig selbst der kleinste Impuls ist, um eine Bewegung zu starten.

Menschen aus den Projekten
Draga Gajic wurde 1988 in Banja Luka (Bosnien und Herzegowina) geboren. Sie hat einen Bachelorabschluss in Politikwissenschaft sowie zwei Masterabschlüsse, Politikwissenschaft und Gender Studies. Sie ist die Autorin dreier Bücher. Ihre Hauptinteressen sind die Geschichte und das Erbe der Frauen, Gender und Kunst, Gender und Behinderungen. Seit über zehn Jahren ist sie Aktivistin für Frauenrechte, Gendergerechtigkeit und Frauen-Empowerment. Als Ehrenamtliche arbeitet sie mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung, vor allem gehörlose und schwerhörigen, zusammen.
Seit Januar 2016 ist Draga die Geschäftsführerin von „Udruženje za kulturu, afirmaciju i savjetovanje‚ KAS‘“, eine Organisation die von Frauen gegründet und geführt wird. „Udruženje, KAS‘“ hat bereits viele erfolgreiche Projekte zu Frauenrechten, Frauen-Empowerment, dem Erbe von Frauen, geschlechterspezifischer Gewalt, Inklusion sowie Gender und Behinderungen implementiert.

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5_Advokatin: filia mischt sich ein, filia unterstützt…

filia versteht sich nicht nur als Förderin sondern auch als Advokatin von Frauenrechten. Wir bringen wichtige feministische Themen in die Öffentlichkeit, in die Institutionen, mit denen wir zusammen arbeiten und in die Netzwerke, in denen wir aktiv sind. So arbeitet Sonja Schelper seit Jahren daran, das Thema „Gender“ stärker in den Fokus des Bundesverbands deutscher Stiftungen zu rücken. Mit Erfolg! Ebenso unterstützt filia wichtige neue Initiativen, wie zum Beispiel die erste European Lesbian* Conference.

Mitdenkrunde zu Gendergerechtigkeit und Vielfalt
filia bemüht sich seit Jahren im Arbeitskreis „Frauen und Stiftungen“ und auf Stiftungstagen darum, Gender als wichtiges Kriterium für eine nachhaltige Stiftungsarbeit stärker in den Fokus zu rücken: Wie viele Mittel deutscher Stiftungen kommen Frauen und Mädchen zu Gute? Wie viele Frauen sind an den Entscheidungen zur Mittelvergabe beteiligt? Klare Daten helfen. Sie sind grundlegend zur Verbesserung der Situation – nur müssen sie zuvor erstmal erhoben werden. Eine Studie von Mama Cash1 aus dem Jahr 2011 über die europäische Stiftungslandschaft zeigt, dass trotz vieler Äußerungen, wie wichtig Gleichberechtigung sei, weniger als 5% der Mittel direkt in Gruppen zufließen, die sich dafür einsetzen. filia befürchtet, dass es bei den 22.000 deutschen Stiftungen ähnlich aussehen wird.
Jetzt ist es erstmalig gelungen, dass der Generalsekretär des Bundesverbandes deutscher Stiftungen zu einer Mitdenkrunde eingeladen hat, um Bewegung in die Sache zu bringen: Am 20.9.2017 trafen sich in Berlin 20 engagierte Männer und Frauen zum Denken und Austauschen. Die Welt in ihrer sexuellen und kulturellen Vielfalt bildet sich in den Stiftungen nicht ab – da waren sich alle einig. Vorschläge reichten von besserer Vernetzung von Frauen im Stiftungswesen und Mentoring über die Erweiterung der Grundsätze guter Stiftungspraxis, gezielte Fortbildungen, mehr Öffentlichkeit in der StiftungsWelt und auf Stiftungstagen, Reflexion der eigenen Befangenheiten, Erhebung zur Förderpolitik, Handreichungen mit Tools zu Gender und Diversität bis zu festen Quoten. Ideen sind viele da. Entscheidend wird sein, was davon umgesetzt werden kann. filia wird den Prozess weiter begleiten.
1Link zur Mama-Cash-Studie: Untapped Potential

Erste European Lesbian* Conference
filia unterstützt die erste European Lesbian* Conference, die vom 6. bis 8. Oktober in Wien stattfinden wird. In den meisten europäischen Ländern sind Lesben* in den vergangenen Jahrzehnten in den vordersten Reihen sozialer und politischer Bewegungen aktiv gewesen. Gleichwohl haben ihre Beiträge und ihre Errungenschaften, die sie in die Bewegungen eingebracht bzw. erreicht haben, nicht die notwendige Sichtbarkeit und Anerkennung erfahren. Das will die European Lesbian* Conference ändern. Ihr Ziel ist es, lesbisches Engagement anzupreisen und zu fördern.
Wir freuen uns, dass auf dieser Konferenz auch filia-Partner_innen vertreten sind. So gestaltet und leitet zum Beispiel die ukrainische Aktivistin Olena Shevchenko (Foto), Leiterin der Organisation insight, drei Sessions auf der Konferenz. Olena ist filias Partnerin innerhalb des georgisch-ukrainisch-deutschen Trialog-Projektes und wird am 25. November auch in Kiew  mit dabei sein, um die Ergebnisse ihres Projektes „365 Tage für Feminismus?“ vorzustellen.

Lesen Sie mehr über die Konferenz: https://europeanlesbianconference.org/
(Webseite ist auf Englisch.)

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6_filia-Prädikat: Besonders lesenswert!

filia will Frauen und Mädchen Raum geben, ihre Stimmen zu erheben, sich Gehör zu verschaffen. Wir wollen ihnen allerdings nicht nur Räume eröffnen, wir wollen ihre Ideen, Gedanken und Forderungen auch weiter verbreiten und immer mehr Menschen damit erreichen. In diesem Sinne nutzen wir diese filia_news, um Sie auf Artikel von Frauen, über Feminismus und andere wichtige filia-Themen hinzuweisen und Sie zum Lesen und Teilen einzuladen.

Eine Gründungsstifterin, die sich traut.
Selten wagen sich Frauen, die „etwas haben“, aus Furcht vor Neid und Missgunst an die Öffentlichkeit. Susanne Bächer gehört zu den wenigen Mutigen: in der taz hat die filia-Gründungsstifterin in einem Artikel ihre Sicht aufs Erben und Teilen dargestellt. Sie spricht über die besonderen Herausforderungen erbender Frauen ebenso wie über ihr Engagement für den sozialen Wandel.
Wir finden: besonders lesenswert! Lesen Sie Susanne Bächers Artikel und leiten Sie ihn weiter: taz-Artikel „Ist erben ungerecht?“ 

Sortierungshilfe
Jeden Tag prasseln viel zu viele Informationen über viel zu viele Kanäle auf uns ein. Wer Sortierungshilfe wünscht und gezielter lesen und hören möchte, kann sich hier helfen lassen: https://www.piqd.de
Ein großes Team von Kurator_innen wählt zu bestimmten Themen (Feminismen, Flucht und Vertreibung, Liebe, Sex und wir, Klima und Wandel, etc.) jede Woche einen Artikel aus und begründet, warum es diesen empfiehlt. Mit einem weiteren Klick kommen Nutzer_innen dann auf den empfohlenen Artikel. Ein tolles Angebot!
Zur Vertiefung der Themen bietet piqd auch Podcasts an: https://podcast.piqd.de/

Frauen, die schreiben – auch abends
„Wir finden, dass unsere Gesellschaft mehr weibliche Stimmen in der Öffentlichkeit braucht. […] Aber wir halten Feminismus für wichtig, weil Gerechtigkeit in der Gesellschaft uns alle angeht“. Ein Autorinnen-Kollektiv bietet bei ZEIT online in der Rubrik 10 nach 8 immer montags, mittwochs und freitags Artikel an. Abonnement absolut empfehlenswert: http://www.zeit.de/10nach8

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7_Nicht verpassen!

9. bis 13. Oktober
Hamburger Stiftungstage

Bereits zum fünften Mal finden die Hamburger Stiftungstage statt, die allen in der Stadt ansässigen Stiftungen die Möglichkeit geben, sich und ihre Arbeit der Öffentlichkeit zu präsentieren und Einblick in das facettenreiche Stiftungswesen der Stadt geben. filia ist auf vielfältige Weise an den Stiftungstagen beteiligt. Zum Beispiel sind wir am 10. Oktober mit einem Stand im Bucerius Kunst Forum vertreten (von17.00 bis 19.00 Uhr). Besuchen Sie uns!

11. Oktober
filia-Empfang zum Internationalen Mädchentag

Zum ersten Mal lädt filia zum Empfang zum Internationalen Mädchentag in die Geschäftsstelle ein. Auch diese Veranstaltung findet im Rahmen der Hamburger Stiftungstage statt. Mit Brezeln, filmischen Häppchen und engagierten Mädchenbeirätinnen wollen wir mit Ihnen den diesjährigen Mädchentag feiern. Der Empfang beginnt um 18.00 Uhr. Kommen Sie zahlreich – wir bitten um Anmeldung an veranstaltung(at)filia-frauenstiftung(dot)de.

23. bis 26. Oktober
Biennial Meeting von Prospera – Internationales Netzwerk der Frauenstiftungen

Alle zwei Jahre trifft sich das Internationale Netzwerk der Frauenstiftungen, Prospera, zur allgemeinen Mitgliederversammlung. Die diesjährige Konferenz trägt den Titel "Resistance and Resilience" (deutsch: ‚Widerstand und Widerstandsfähigkeit‘) und findet in Colombo, der Hauptstadt von Sri Lanka, statt. Für filia nehmen Sonja Schelper und Claudia Bollwinkel teil. Wir sind gespannt auf ihre Berichte in der nächsten filia_news.

21. bis 26. November
Geberinnen-Reise in die Ukraine

Wir freuen uns, dass auch in diesem Jahr eine Geberinnen-Reise stattfinden wird. Die Gruppe reist nach Kiew und besucht dort unsere Kooperationspartnerin Ukrainian Women’s Fund und andere wichtige Aktivistinnen. Darüber hinaus sollen noch Mädchenprojekte aus dem Programm ‚First steps to success‘ an anderen Orten angeschaut werden. Zum Abschluss nimmt die Gruppe an der Konferenz „Back to the Future - Intergenerativer Dialog jüngerer und älterer Feministinnen“ teil (siehe unten).
Es gibt noch freie Plätze. Teilnahmebedingung ist eine Spendenzusage in Höhe von 2.500 € an filia für die Projektförderung in der Ukraine 2018. Die Reisekosten betragen 1.100 €. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Sonja Schelper!

24. bis 25. November
Abschlusskonferenz ‚Zurück in die Zukunft – Intergenerativer Dialog jüngerer und älterer Feministinnen‘

Die Konferenz ist gleichzeitig Teil wie Höhepunkt einer weiteren vom Auswärtigen Amt geförderten Kooperation mit der georgischen und ukrainischen Frauenstiftung und Projekten aus Georgien, Deutschland und der Ukraine. Bei diesem Projekt präsentieren sich alle im Rahmen des Trialogs geförderten Projekte. Von filia sind Projektleiterin Katrin Wolf und FR-Frau Annette Heise mit dabei. In der nächsten Ausgabe unserer filia_news wird es einen ausführlichen Bericht zur Konferenz und zu den dort vorgestellten Projekten geben. Wir wünschen eine erfolgreiche Konferenz und erwarten ungeduldig die sicherlich beeindruckenden Geschichten.

22. bis 29. November
filia ist Filmpatin beim Filmfestival FrauenWelten

Wie im letzten Jahr sind wir wieder Filmpatin beim Filmfestival FrauenWelten in Tübingen. Unser Film heißt Girl Connected und ist eine Dokumentation über fünf jugendliche Mädchen, die ihre individuellen Talente einsetzen, um gegen Geschlechterdiskriminierung und geschlechterspezifische Gewalt in ihren Communities zu kämpfen. Die Mädchen stammen aus Bangladesch, Peru, Jordanien, Indien und Kenia und eine jede inspiriert ihre Peers ihr Leben selbstbestimmt zu verwandeln. Mädchen-Empowerment pur!
Sehen Sie sich den Trailer zum Film an: Trailer zu „Girl Connected“
Girl Connected läuft am Sonntag, den 26. November 2017, um 16.00 Uhr. Für den genauen Vorführungsort bitten wir Sie, die Webseite des Filmfestivals zu checken: www.frauenrechte.de/film
filia-Gründungsstifterin Susanne Bächer wird am 26. November dabei sein und eine Einführung zu filia geben.

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