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Liebe Leserinnen und Leser,

filia bringt junge und ältere Frauenbewegte zusammen. Nachhaltig. Auf dem Foto sehen Sie die Beteiligten bei der Jahresversammlung 2017: Förderinnen, Mädchenbeirätinnen, Frauen aus dem Vorstand, Stiftungsrat und der Geschäftsstelle. „Herzlich, inspirierend und unverzichtbar“, findet M. O. die Jahresversammlung bei filia. Und obwohl das Jahr 2016 finanziell schwierig war, konnten wir die Fördersumme von über 2,5 Mio EURO feiern. Diese Summe hat filia bis Juni 2017 an 397 Projekte in 39 Ländern vergeben.

Alles zur Jahresversammlung 2017 finden Sie hier: 4_Von der Entmystifizierung des Geldes bis hin zum ‚Mythos Jungfernhäutchen‘…. Soviel wie noch nie: Vor fünf Jahren begann mit der Einrichtung des Mädchenbeirates ein Austausch zwischen jungen und älteren Frauen in der Stiftung. Zahlreich reisten die Mädchenbeirätinnen* 2017 zur Jahresversammlung an, brachten an den Thementischen ihre Sicht mit ein. Für diese filia_news haben sie über ihr Mädchenbeiratswochenende geschrieben. Lesen Sie darüber unter 1_MädchenEmpowermentProgramm 2017, Teil I: Der Mädchenbeirat.
Die Kurzbeschreibung aller Mädchenprojekte, die der Beirat auf diesem Treffen beschlossen hat, finden Sie hier. 2_MädchenEmpowermentProgramm 2017, Teil II: Die Mädchenprojekte.
Das Thema ‚Nachhaltigkeit‘ beschäftigte uns auf der jährlichen öffentlichen Projektpräsentation aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Der Titel „Geld nachhaltig verwandeln“ rief im Vorfeld Irritationen hervor. Dabei wird bei filia Geld auf unterschiedliche Weisen ‚verwandelt‘: 3_“Geld ist ein Gestaltungsmittel.”
Internationale Vernetzung steht ganz oben auf der filia-Agenda. Die vielfältigen guten Gründe dafür lesen Sie hier: 5_International inspiriert: Warum internationale Vernetzung so wichtig für filias Arbeit ist, Sonja Schelper und Rebecca Bartusch waren auf zwei wichtigen Treffen in Warschau.
Wir bedanken uns bei den Vielen, die den Mädchenbeirat unterstützt haben für ihren „klick“. Es hat zwar nicht für den Emotion Award gereicht, aber für zahlreiche positive Rückmeldungen zur Arbeit des Mädchenbeirates.
Unser Stiftungsrat ist wieder komplett! Mit großer Freude wurde Jeanna Krömer auf der Jahresversammlung begrüßt, die ihre Osteuropa- und Medienkompetenz einbringen wird. Auch die 68. Stifterin wurde mit Urkunde und großem Applaus geehrt. Herzlich willkommen!
Was Sie 7_Nicht verpassen! dürfen, finden Sie am Ende der filia_news.
Welche Schwierigkeiten scheinbar bürokratischer Art wir und vor allem unsere Partnerinnen in manchen Regionen überwinden müssen, lesen Sie unter 6_„Das Wort ‚Förderung‘ erzeugt in Aserbaidschan Allergien.“

Ein Grund mehr, sich nachhaltig bei filia zu engagieren.

Ihre Katrin Wolf und das filia-Team

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1_MädchenEmpowermentProgramm 2017, Teil I: Der Mädchenbeirat

Zum ersten Mal seit Bestehen des filia-Mädchenbeirats wurde das Beiratswochenende Anfang Mai von vier „Cocos“ (Ko-Koordinator*innen) gemeinsam vorbereitet und geleitet: von zwei frühere Mädchenbeirätinnen* und zwei filia-Frauen. Der Beirat selbst besteht in diesem Jahr aus zwölf Mädchen und jungen Frauen. Sie sind Schwarze junge Frauen, junge Frauen of Color, mit Handicap, lesbische Mädchen und junge Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung. Vom Wochenende berichten die neugewählten Sprecherinnen des Mädchenbeirats Malina, Zilan und Tuja:

„Nun ist der Mädchenbeirat schon wieder eine Woche her. Die Wirkung ist geblieben und wir blicken mit einem Lächeln auf ein tolles Wochenende mit vielen neuen Eindrücken und neuen Menschen zurück. Es war ein Wiedersehen aber auch Begrüßen von neuen, spannenden Menschen, denn dieses Jahr waren es sechs neue und sechs "alte" Mädchenbeirätinnen. Wir waren von der ersten Sekunde an sehr herzlich zueinander, so als würde man sich schon seit langer Zeit kennen; als wäre man irgendwie miteinander verbunden.

Am Samstag hatten wir zuerst Besuch von Mona, einer Stiftungsrätin filias. Sie erklärte uns den Aufbau der Stiftung. Danach standen die Diskussionen zu den finalen 19 Projektanträgen an. Es gab Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen, aber um 18 Uhr hatten wir uns mithilfe unserer Ranking-Liste für unsere Favoriten-Mädchenprojekte entschieden, wir hatten es geschafft! Den Abend ließen wir dann fröhlich ausklingen.

Sonntag hatten wir einen ganz besonderen Gast. Paloma hat mit uns eine Schreibwerkstatt gemacht. Paloma war 2015 und 2016 auch im Mädchenbeirat und ist unter anderem YouTuberin: „Paloma in Action“. Sie ermutigte uns dazu, einfach zu schreiben und nicht darüber nachzudenken, wie wir schreiben. Jede*r kann schreiben! So haben wir alle unsere Gedanken zu Papier gebracht und dann haben wir sie miteinander geteilt. Wir sind so verbunden gewesen wie noch nie.

Wir sind sehr dankbar für diese Erfahrung und das wunderschöne Wochenende!“

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2_MädchenEmpowermentProgramm 2017, Teil II: Die Mädchenprojekte

64 Anträge sind in diesem Jahr für unser MädchenEmpowermentProgramm eingegangen. 64 interessante und kreative Projekte, von Mädchen und jungen Frauen, für Mädchen und jungen Frauen. Eine Auswahl von 19 Anträgen wurde auf dem Mädchenbeiratswochenende – einzeln und ausführlich – diskutiert. Anschließend haben die Mädchenbeirätinnen Punkte an ihre Favoritinnen verteilt. So entstand die Rankingliste der Projekte, die am 11. Juni vom Stiftungsrat bewilligt wurde. Insgesamt erhalten acht Projekte zusammen 30.279 Euro.

Empowerment – Kunst
anyway e.V. Köln
Junge Lesben machen Streetart! Sechs Monate lang treffen sich wöchentlich 20 Mädchen* und junge Frauen* zwischen 14 und 27 Jahren aus Köln und Umgebung, um gemeinsam künstlerisch zu arbeiten und ihre eigenen Ideen umzusetzen. Sie berichten davon auf einem Blog und werden zum Internationalen Mädchentag öffentlich sichtbar. Das ist das erste Kunstprojekt von anyway, einem Raum für LGBT*I Jugendliche. (Mit dem * wird ausgedrückt, dass auch Trans*Menschen gemeint sind.)
Summe: 4.991 €
Thema: Freiheit von Gewalt
www.anyway-koeln.de

„MehrWert“
IFMGZ Holla e.V. Köln
„Wer ist MehrWert?“ – Eine Plakatkampagne zu dieser provozierenden Frage stellt Schubladendenken bezüglich Religion, Sexualität, Aussehen und anderem in Frage. In einem Workshop beschäftigen sich 20 Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 23 Jahren gemeinsam mit Normierungen, die eine freie Entfaltung von Menschen behindern. Die dahinterstehenden Bewertungen machen sie auf Plakaten sichtbar: Je zwei Fotos werden einander gegenübergestellt, z. B. eine Dicke und eine Dünne, eine Geschäftsfrau und eine Punkerin, eine Sportlerin und ein Mädchen mit Down-Syndrom.
Summe: 5.000 €
Thema: Freiheit von Gewalt
www.holla-ev.de

„Lass mich mal ran!“
Laninger Wandervogel Mädchenfahrten e.V. Borgholzhausen
Die „Hafentöchter Gefährtenschaft“ der 2006 gegründeten reinen Frauengemeinschaft der Wandervögel besteht aus acht Mädchen und jungen Frauen zwischen 15 und 27 Jahren mit verschiedenen Herkünften und Hintergründen. Sie wollen selbst die Batterie ins Auto einbauen, das Regal an die Wand dübeln und die kaputte Bank schweißen. An fünf Wochenenden lernen 20 Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 30 Jahren Techniken der Holz- und Metallverarbeitung, der Auto- und Fahrradreparatur – und Selbstverteidigung.
Summe: 4.950 €
Thema: Partizipation
www.laninger-wandervogel.de

UNIted
Erzählwerk e.V. Potsdam
Bei einem gemeinsamen Erzählfest auf dem Campus der Freien Universität Berlin begegnen sich fünfzehn Mädchen zwischen 6 und 17 Jahren aus Flüchtlingsunterkünften, zwei Erzählerinnen und mehrere Studentinnen und Mitarbeiterinnen des Arbeitsbereichs Neuere Geschichte. Die Mädchen erleben, dass die Universität auch ein Ort für junge Frauen ist, die aufgrund ihrer Herkunft, Familienverhältnisse oder Sprachkenntnisse benachteiligt sind. Sie hören beim Erzählen einander zu und werden selbst gehört.
Summe: 660 €
Thema: Partizipation
https://erzaehlwerk.jimdo.com/

Willkommen im Tanz
Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi, Treptow
Die Mädchengruppe SHEE startet ein Tanztheaterprojekt mit geflüchteten Mädchen aus den Notunterkünften und Willkommensklassen im Kiez. Beim tänzerischen Darstellen kommen die achtzehn Mädchen zwischen 7 und 16 Jahren bei sich selbst an – unabhängig von Kulturzugehörigkeit, davon welche Klamotten sie tragen und was sie später werden wollen. Für ein halbes Jahr wöchentlich für zwei Stunden geht es zum Beispiel um Gleichgewichtssinn, Empfinden und Erleben, Selbstwertgefühl und Vertrauen in die eigenen Impulse. In einer Performance zeigen die Mädchen am Ende anderen, was sie dabei entdeckt haben.
Summe: 4.240 €
Thema: Freiheit von Gewalt
www.cabuwazi.de

Theaterclub der Anonymen
Institut für Neue Soziale Plastik e.V. Berlin
Mädchen und Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind, haben Grenzen überwunden und Erfahrungen von Gewalt und Ausbeutung überstanden. Ihre Stärke und ihre Perspektive stehen im Mittelpunkt des Theaterclubs, den die jungen Frauen  (unter 18 bis 27 Jahren) gemeinsam mit Sozialarbeiterinnen und Künstlerinnen bilden: „Wir sind eine Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissensbeständen. Manche dieser Wissensbestände sind zertifiziert, andere tabuisiert.“ Wöchentliche Proben und mehrere Probenwochenenden münden in zwei Aufführungen.
Summe: 5.000 €
Thema: Freiheit von Gewalt
www.neue-soziale-plastik.org

KÖMIC – Körper im Comic
Mädchen_kulturhaus_MKH Bremen / Bund Deutscher Pfadfinder_innen Landesverband Bremen-Niedersachsen e.V.
Unsere Körper sind unser individueller Zugang zur Welt und werden dabei von unterschiedlichen äußeren Machtverhältnissen geprägt. In selbstermächtigenden Wochenendworkshops bekommen jüngere (12-16 Jahre) und ältere Mädchen (18-25 Jahre) einen respektvollen Raum für künstlerisch erforschende Prozesse, bei denen Comics zum Thema Körper entstehen, jenseits von Sexismus und der Norm der Zwei-Geschlechtlichkeit.
Summe: 500 €
Thema: Freiheit von Gewalt
www.bdp-mkh.de

Podcastwerkstatt – Support your local feminist structures!
Frauenzentrum Mainz e.V.
In der offenen Podcastwerkstatt können junge Frauen of Color oder mit Fluchterfahrung hörbar werden, ohne sichtbar zu sein – frei von beurteilenden und abwertenden Blicken. Hier steht ihnen zur Verfügung, was man für einen Podcast braucht: technisches Equipment, Knowhow und Gesprächspartnerinnen. Über die Themen entscheiden sie selbst und bringen sie ins Netz.
Summe: 4.938 €
Thema: Partizipation
www.frauenzentrum-mainz.de

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3_“Geld ist ein Gestaltungsmittel.“

Wie es seit zehn Jahren Tradition ist, organisiert filia am Vorabend ihrer Jahresversammlung eine öffentliche Veranstaltung, um unsere Arbeit und eine (oder mehrere) ihrer Projektpartnerinnen vorzustellen. In diesem Jahr hatten wir Natalia Karbovska, die Direktorin für strategische Entwicklung des Ukrainian Women’s Fund eingeladen. Die Arbeit der ukrainischen Frauenstiftung bildete allerdings nur die eine Hälfte eines spannenden und lehrreichen Abends.

Den ersten Vortrag des Abends hielt Silke Stremlau, Expertin für nachhaltiges Investment, die wir neben Natalia Karbovska am 9. Juni in die Hamburger Räume der GLS-Bank eingeladen hatten, zum Thema „Geld nachhaltig verwandeln“ zu sprechen. Nachhaltigkeit ist ein Thema, das viele Menschen in unserer Gesellschaft beschäftigt. Als Stiftung, die ihr Kapital aus Überzeugung nachhaltig und ethisch-ökologisch anlegt und investiert, ist es uns ein Anliegen, einen Beitrag zu dieser gesellschaftlichen Debatte zu leisten.

Auf nachvollziehbare Weise erklärte Silke Stremlau die Mechanismen der Finanzmärkte und an welchen Stellen Verbraucher_innen mit ihrem Geld und ihren Entscheidungen auf mehr Nachhaltigkeit bei Investitionen und Geldanlagen hinwirken können. In ihrem Vortrag betonte sie immer wieder die Gestaltungsmacht, die eine jede in diesem Bereich hat – auch diejenigen, die kein Geld in Aktienpakete investieren. Denn schon die Auswahl der Bank, der wir unser Geld anvertrauen, hat Einfluss auf den Finanzmarkt bzw. das Bankenwesen. Wie bei allen anderen Bereichen unserer Wirtschaft haben Konsument_innen eine entscheidenden Macht – wenn sie sie denn wahrnehmen.

Natalia Karbovska, die aus Kiew angereist war, stellte im Anschluss dar, was Frauenstiftungen wie filia mit den Erträgen ihrer nachhaltig investierten Geldanlagen für Frauen und Mädchen bewegen. Den Ukrainian Women’s Fund und filia verbindet eine langjährige Förderpartnerschaft. Gegenwärtig unterstützt filia in ihrer strategischen Förderung das Projekt „First Steps to Success”. Das langjährige Programm stärkt den Aktivismus von Mädchen und jungen Frauen und eröffnet ihnen Möglichkeiten, an der demokratischen Entwicklung der Ukraine teil zunehmen. Ein Anzeichen für den Erfolg dieses Programmes: Vielerorts wird es inzwischen von ehemaligen Teilnehmerinnen umgesetzt und geleitet. Ein gutes Beispiel für die nachhaltige Wirkung langjähriger Förderung.

Was braucht es, um sozialen Wandel bewirken zu können? Natalia Karbovska gab uns aus ihrer Erfahrung heraus eine ganz klare Antwort: „Passion, People, System, Support and Trust“ (*). Es sind ‚Support und Trust‘, die wir mit nachhaltiger Förderung geben. Das Versprechen, dass wir auch morgen nach da sein werden. Dass wir unsere Projektpartnerinnen auf ihrem Weg begleiten wollen. Denn letztlich ist es ja auch unser Weg, hinzu einer besseren, weil menschenwürdigeren Welt.  
(*Leidenschaft, Menschen, System, Unterstützung und Vertrauen)

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4_Von der Entmystifizierung des Geldes bis hin zum ‚Mythos Jungfernhäutchen‘…

…ging das thematische Spektrum des Jahresversammlungswochenendes von filia, wie eine der Teilnehmerinnen zum Abschluss feststellte. Insgesamt waren 55 Förderinnen, Stifterinnen, Darlehensgeberinnen, Gremienmitglieder und Mitarbeiterinnen am 10. Juni in Hamburg zusammen gekommen, um sich über die Arbeit des letzten Jahres zu informieren. Gleichzeitig wurden Ideen ausgetauscht, wie filias Unterstützer_innen-Basis weiter wachsen kann und noch mehr Menschen zu uns finden können.


Zu Beginn der Versammlung wurde unsere 68. Stifterin sowie unsere neue Stiftungsrätin Jeanna Krömer begrüßt. Jeanna Krömer wurde 1980 in Belarus geboren. Sie ist Journalistin und Deutschtrainerin, Aktivistin und Feministin.


Der weitere Vormittag stand im Zeichen von filias Förderarbeit. An vier Thementischen diskutierten die Teilnehmerinnen über: Mädchenempowerment, Frauen und Flucht, Intergenerativer Dialog sowie Gender und Klimawandel.

An ihrem Thementisch berichteten die Mädchenbeirätinnen nicht nur über ihre Arbeit sondern stellten die von einem Förderprojekt frisch erschienene Broschüre ‚Jungfernhäutchen gibt es nicht‘ vor. Da gab es auch bei vielen älteren Teilnehmerinnen ein großes Erstaunen. Wer sich näher informieren möchte, findet die Broschüre unter www.holla-ev.de.

Dass ‚Gendergerechtigkeit und Klimawandel‘ ein elementares Thema ist, brachte Fachfrau und Stiftungsrätin Gotelind Alber anschaulich näher. Sie machte klar, inwiefern aufgrund der Geschlechterrollen und -verhältnisse Frauen vom Klimawandel häufig stärker betroffen als Männer sind. Da Frauen generell wesentlich risikobewusster sind, sind sie Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz wesentlich positiver gegenüber eingestellt. Hierzu passend berichtete Gotelind Alber vom ‚white-male-effect‘, der in den U.S.A. schon vielfach untersucht wurde: Es sind häufig weiße Männer, die in Entscheidungspositionen sitzen und über nationale bzw. internationale Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels bestimmen. Das ist allerdings auch genau die Gruppe, die aufgrund ihrer Privilegien am wenigsten von den negativen Auswirkungen des Klimawandels betroffen ist.  Ein gender-responsiver und auch anderweitig inklusiver Ansatz in allen Bereichen der Klimapolitik ist deshalb notwendig, um die Benachteiligung nicht zu vergrößern sondern stattdessen zu mehr Gerechtigkeit beizutragen.
                       
Im ‚Intergenerativen Dialog‘ treten ältere und jüngere Feministinnen in einen Austausch und realisieren zeitgleich in drei Ländern – der Ukraine, Georgien und Deutschland – Projekte. Das Auswärtige Amt unterstützt das Projekt. Es wird im November 2017 mit einer internationalen Tagung in Kiew zu Ende gehen. Bald gibt es weitere Infos auf unserer Website.
Da die Mittel begrenzt sind, kam es spontan zu der Idee, dass Frauen Patenschaften übernehmen, damit junge Frauen aus dem Mädchenbeirat nach Kiew reisen können. Eine Reise für eine junge Frau kostet 500,00 EURO. Wer Interesse hat, eine Patenschaft zu übernehmen oder dazu einen Beitrag zu leisten, meldet sich bitte bei a.heise(at)filia-frauenstiftung(dot)de.

Das Thema ‚Frauen und Flucht‘ ist wie das Thema Geschlechtergerechtigkeit und Klimawandel Teil des neuen strategischen Plans 2017-2021. filia förderte in der Vergangenheit zum Beispiel den EmpowerVan in Hamburg und einige Projekte aus dem MädchenEmpowermentProgramm. Die von filia geförderten Projekte decken eine Bandbreite an Themen ab: von Beratung über Tanz-Workshops zu Selbstorganisation. Ein Frage, die am Tisch diskutiert wird, ist, wie Projekte an geflüchtete Mädchen und Frauen ‚rankommen‘ können. Die Antwort ist verblüffend einfach: getönte Scheiben und Tee. Um geflüchtete Mädchen und Frauen ansprechen und sie unterstützen zu können, müssen geschützte Räume geschaffen werden. Diese Räume bieten nicht nur Schutz sondern auch Platz sich gegenseitig zu empowern.

Ein paar O-Töne von der Versammlung:

„Dass wir Geld nicht nur nachhaltig investiert haben, sondern durch den Mädchenbeirat generationsübertragende feministische Arbeit nachhaltig sichern und gestalten – finde ich bei filia gut.“
Auch: „Dass das Geld in Frauenhand bleibt und Frauen bestimmen, was damit gemacht wird.“
„Feminismus muss kein Schimpfwort sein und vielleicht musst du es erleben, um es zu verstehen.“
„Und wenn dieser Tag ein Film wäre, wie wäre sein Titel?“ - „Mission Possible.“

Wenn Sie gerne erfahren möchten, unter welchen Voraussetzungen Sie im nächsten Jahr zur Jahresversammlung eingeladen werden können, wenden Sie sich an Annette Heise (a.heise(at)filia-frauenstiftung(dot)de) oder Rebecca Bartusch (r.bartusch(at)filia-frauenstiftung(dot)de).

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5_International inspiriert: Warum internationale Vernetzung so wichtig für filias Arbeit ist.

filia ist Mitglied im Internationalen Netzwerk der Frauenstiftungen, Prospera. Es ist Usus, dass sich die ‚regionalen Gruppen‘ dieses Netzwerks einmal im Jahr treffen, um sich über laufende Projekte und aktuelle Herausforderungen auszutauschen. filia ist Teil der europäischen Regionalgruppe und diese traf sich vom 29. bis 31. Mai in Warschau. Im Anschluss an das eigene Treffen nahm die Gruppe an der jährlichen Konferenz des European Foundation Center teil, die vom 31. Mai bis 2. Juni ebenfalls in Warschau stattfand.

Austausch ist wichtig
Wer großes vorhat, tut gut daran, sich Gleichgesinnte zu suchen. – Das ist sicherlich einer der Gründe, warum es Prospera gibt. Der Austausch mit Vertreterinnen anderer Frauenstiftungen ist für die Weiterentwicklung von filias Arbeit unentbehrlich. Wir wollen uns bei filia stärker zum Thema ‚Gender und Klimawandel‘ engagieren? Wunderbar, Mama Cash und Women’s Fund in Georgia sind Teil der Global Alliance for Green and Gender Action und können durch ihre Arbeit in dieser internationalen Initiative berichten, welche Schritte derzeit unternommen werden, um die Umwelt- und Frauenbewegung stärker miteinander zu verknüpfen und Frauen und Frauenrechte stärker in den Fokus der Klimapolitik zu rücken.

Wir teilen innerhalb unserer regionalen Gruppe allerdings nicht nur die Themen und Arbeitsschwerpunkte sondern auch die Herausforderungen. Wie gehen zum Beispiel unsere Schwesternstiftungen in Bulgarien oder Spanien mit der derzeit in ganz Europa aktiven rechtspopulistischen Bewegung um, die sich u. a. gegen das Recht auf Abtreibung oder gegen Gleichstellung nicht-heterosexueller Lebensentwürfe ausspricht? Calala, die spanische Frauenstiftung, hat beispielsweise eine Studie zur Anti-Abtreibungsbewegung durchgeführt, um Beteiligte und deren finanzielle Unterstützung offen zu legen. Die bulgarische Frauenstiftung veranstaltet ‚Feminist Boot Camps‘, um Mädchen und junge Frauen mehr mit der feministischen Bewegung vertraut zu machen und sie dabei zu unterstützen, eigene feministische Projekte auf die Beine zu stellen.

Neben den externen Herausforderungen bieten unsere Netzwerktreffen auch immer Gelegenheit, uns über die internen Schwierigkeiten auszutauschen. Wie gehen wir mit dem täglichen Stress um, mit wenig viel zu erreichen? Welche Ansätze zu mehr Achtsamkeit werden in den einzelnen Geschäftsstellen gepflegt? Wie kommunizieren die anderen mit ihren Stiftungsräten und binden die Gremienfrauen in die Arbeit ein? Ob während der eigentlichen Sitzung oder am Abend im Restaurant der Austausch ist andauernd. Die Fülle der guten Ideen und des wertschätzenden Zuspruches machen das Vernetzt-Sein mit den anderen Frauenstiftungen so wertvoll. Um es mal frei nach Carole King zu singen: „You‘ve got friends...“. Denn wer Großes vorhat, tut gut daran, es gemeinsam mit Freundinnen anzustreben.

Gemeinsam auf großer Bühne
Eine gemeinsame Initiative der europäischen Regionalgruppe ist ‚Knocking on EU’s door‘ (wir berichteten darüber in der letzten filia_news). Sie soll uns Frauenstiftungen und unsere Arbeit und Arbeitsweise im europäischen Kontext bekannter machen. Daher beschlossen wir bereits im letzten Jahr gemeinsam eine Konferenz der großen europäischen Stiftungsnetzwerke zu besuchen. Unsere Wahl fiel auf das European Foundation Center (EFC). Das EFC ist dem Bundesverband deutscher Stiftungen vergleichbar. Es hat ca. 200 Mitglieder aus fast allen europäischen Ländern und vereinigt unter seinem Dach eine Bandbreite an unterschiedlichen Stiftungen (private, Bürger- oder Unternehmensstiftungen, etc.), die zu den unterschiedlichsten Themen arbeiten. Die jährlichen Konferenzen stehen immer unter einem bestimmten Thema. Der Titel der Warschauer Konferenz war: “Courage to re-embrace solidarity in Europe – Can philanthropy take the lead?” (Deutsch: “Mut, um Solidarität in Europa wieder zu stärken – Kann die Philanthropie in eine Führungsrolle gehen?“).

Mama Cash, die niederländische Frauenstiftung, ist seit einiger Zeit Mitglied im Netzwerk und hat es ermöglicht, dass wir Frauenstiftungen eine Session organisieren konnten. Wir gaben ihr den Titel ‚Women’s movements in Europe ‒ Creativity & Courage‘. Gemeinsam mit unseren Teilnehmer_innen wollten wir den sogenannten Backlash (zu Deutsch: Rückschlag) diskutieren, der derzeit Aktivist_innen und Organisationen trifft, die sich für sozialen Wandel und gleiche Rechte einsetzen. Ironischerweise ist unsere Session von diesem Phänomen selbst ein wenig betroffen gewesen: Aus Rücksicht auf die schwierige Situation, in der sich die polnischen Kooperationspartner_innen des EFCs befanden, wurden wir gebeten unseren ursprünglichen Session-Titel zu ändern. Die derzeitige politische Lage in Polen ist leider ein gutes Beispiel dafür, welche Formen der Backlash annehmen kann, gerade dann, wenn er von Seiten der Regierung unterstützt wird. Um die polnischen NGOs, die mit dem EFC kooperierten, nicht in unnötige Schwierigkeiten zu bringen, stimmten wir dem unverfänglichen Titel zu.

Bei der Session selbst wurde allerdings kein Blatt vor den Mund genommen. Als Sprecherinnen hatten wir drei Frauen eingeladen, die sich auf unterschiedlichste Weise mit Backlash beschäftigen und ihn bekämpfen. Elena Zacharenko, eine in Brüssel ansässige Politikberaterin, hat im letzten Jahr eine Studie zur Anti-Abtreibungslobby in Europa veröffentlicht. Sie legte die wissenschaftliche Grundlage für unsere Debatte und erläuterte eloquent, wie gut vernetzt und finanziert die Anti-Abtreibungslobby ist, die letztlich nur ein Teil der größeren Anti-Gender-Bewegung, um nicht zu sagen Anti-Frauen-Bewegung, ist. Es sprachen außerdem noch Joanna Skonieczna von Ponton, eine Gruppe die sexuelle Aufklärungsarbeit in Polen macht, und Carolyn Boyd Tomasović vom Ecumenical Women’s Initiative, unserer kroatischen Schwesternstiftung. Sie brachten nicht nur ihre jeweilige Landesperspektive ins Gespräch ein, sondern auch wie der Backlash ihre Arbeit als NGO bzw. als Frauenstiftung, die NGOs fördert, beeinflusst und streckenweise natürlich auch erschwert. Dass der Backlash allerdings auch wiederum Rückschläge erleidet, bewies Joanna Skoniecznas Bericht vom Schwarzen Montag, einer nationalen Protestbewegung, die tausende polnischer Frauen am 3. Oktober 2016 auf die Straße brachte, um für ihre reproduktiven Rechte zu kämpfen.

Unsere Teilnahme an der EFC-Konferenz sollte uns Frauenstiftungen mehr Sichtbarkeit auf dem europäischen Stiftungsparkett bringen. Dieses Ziel haben wir sicherlich erreicht, schließlich antworteten Gesprächspartner_innen am Ende der dreitägigen Konferenz, wenn wir uns mit einem „Ich arbeite übrigens für die soundso Frauenstiftung“ vorstellten, mit einem „Ja, ich habe schon mitbekommen, dass eine ganze Gruppe von euch hier ist“. Nun fragen sich sicherlich einige, warum ist Sichtbarkeit für uns so wichtig? Zum einen ist sie wichtig, weil Sichtbarkeit der erste Schritt zum Interesse ist. Wir müssen Menschen für uns interessieren, denn nur solche werden uns in einem nächsten Schritt auch unterstützen beziehungsweise mit uns kooperieren. Zum anderen bedeutet Sichtbarkeit für uns, ja auch immer Sichtbarkeit für unsere Förderpartnerinnen, die Aktivist_innen und Organisationen der feministischen Bewegung. Und mit ihnen bekommen die Themen, die Probleme, die sie beackern, mehr Sichtbarkeit. Wir, als Gesellschaft auch über die nationalen Grenzen hinaus, sprechen noch viel zu selten, über diese Probleme. Wir sprechen viel zu selten, über die vielgestaltigen Lösungen, die Aktivist_innen für unsere dringlichsten globalen Probleme erarbeiten. Wir Frauenstiftungen verstehen uns als Megaphon und Scheinwerfer für diese Aktivist_innen und Organisationen. Ihr Engagement auch im Rahmen eines großen europäischen Stiftungsnetzwerkes sichtbarer zu machen, war letztlich Ziel und hoffentlich Erfolg unserer Teilnahme an der diesjährigen EFC-Konferenz.

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6_„Das Wort ‚Förderung‘ erzeugt in Aserbaidschan Allergien.“

„Die Regierung glaubt, dass alle NGOs (non-governmental organisations; zu Deutsch: Nichtregierungsorganisationen), die Fördergelder aus dem Ausland erhalten, Spione sind“, schrieb uns Sudaba Shiraliyeva, Geschäftsführerin des Center Women and Modern World in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku, im November 2016.

Im Rahmen der letztjährigen Ausschreibung für Frauenprojekte aus Mittel- und Osteuropa war ein Projekt des Center Women and Modern World bewilligt worden.  Das Projekt wollte Frauen bei Friedensverhandlungen im Südkaukasus mit an den Tisch bringen. Es sollten lokale Initiativen für Dialoge zwischen den Konfliktparteien Armenien, Aserbaidschan und Karabach gestärkt werden. Am 22. November überwies filia die 8.000 Euro Fördergeld an das Konto des Centers in Baku.

Doch die aserbaidschanische Bank verweigerte die Auszahlung an unsere Förderpartnerin. Begründung: Das nationale Justizministerium hatte nicht zugestimmt. Im Januar 2017 forderte die Behörde, dass Teile des Vertrags zwischen filia und dem Center geändert werden. Nach kurzer Beratung ließen wir uns darauf ein und schickten die geänderte Fassung an die Bank. Ohne Erfolg!

Als nächstes teilte uns Sudaba Shiraliyeva mit, dass ihr Land zum Jahreswechsel eine neue NGO-Resolution erlassen hatte. Nun mussten, um eine Auszahlung des Geldes überhaupt möglich zu machen, filias Gründungsdokumente notariell beglaubigt werden. Außerdem wollte die Behörde wissen, ob filias Geschäftsführerin wirklich unterschriftsberechtigt sei. Diese Forderungen verwunderten uns. Wir kamen den neuen Bedingungen nichtsdestotrotz nach. Wenn dies der Weg war, um unsere Projektpartnerin zu unterstützen, so würden wir ihn gehen.

Die beglaubigten Dokumente schickten wir per Einschreiben nach Baku – nach drei Wochen trafen sie endlich beim Center ein. Zum Vergleich: Ein am selben Tage verschicktes Einschreiben in die Philippinen dauert zwei Werktage.

Mit diesen Papieren ging Sudaba Shiraliyeva am 20. April erneut zum Justizministerium. Doch der Prozess wurde weiter verzögert. Nach ganzen sechs Monaten, am 18. Mai, kam es endlich zur Auszahlung der Fördersumme. Das Projekt konnte endlich  beginnen. Sudaba Shiraliyeva schrieb uns glücklich: „Ich hoffe, es geht euch gut. Endlich konnten wir die Bürokratie überwinden, die eine Entwicklung von NGOs verhindern will. Vielen Dank.“

Seit ihrer Gründung setzt sich filia für den Aufbau von frauengeleiteter Zivilgesellschaft in Mittel-Ost-Europa ein. Der Aufbau einer solchen Zivilgesellschaft braucht einen langen Atem und starke Nerven, wie das oben beschriebene Beispiel uns wieder einmal bewiesen hat. Die Aktivistinnen aus Baku und auch anderen Ländern brauchen unsere Solidarität und sichtbare Unterstützung. Wir bleiben dran!

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7_Nicht verpassen!

14. bis 26. Juni
Projektbesuch bei Masakhane

Unsere Geschäftsführerin Sonja Schelper reist gemeinsam mit Uta Schwenke vom Lesben-  und Schwulenverband Deutschland (LSVD) zu unserer Projektpartnerin Coalition of African Lesbians (CAL) nach Südafrika, um über das gemeinsame Projekt „Masakhane“ zu beraten. Gemeinsam werden sie auch die anderen Projektpartnerinnen in Botswana, Simbabwe und Sambia besuchen. Das Projekt „Masakhane“ ist im vierten und letzten Jahr seiner Förderung. Sonja Schelper wird in der nächsten filia_news über ihre Reise ins südliche Afrika berichten. Wir dürfen gespannt sein!

27. Juni
FEMINISM INSHA`ALLAH: THE STORY OF ARAB FEMINISM

Aufgrund des großen Ansturmes bei der ersten Vorführung dieses tollen Filmes haben filia und ihre Kooperationspartnerinnen, DENKtRÄUME, TERRE DES FEMMES Hamburg und Yalla – Initiative für Freiheit und Demokratie, beschlossen, diese bemerkenswerte Dokumentation ein zweites Mal zu zeigen. Die Veranstaltung wird wieder im Kommunalen Kino Metropolis stattfinden. Beginn ist 19.00 Uhr. Die Tickets kosten normal 7,50 € oder ermäßigt 5,00 € (für Mitglieder der Kinemathek). Sie können reservieren: reservierung(at)metropoliskino(dot)de oder 040/ 342353.
Kommen Sie zahlreich – wir freuen uns auf Sie!

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