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Förderungen in Mittel-Ost-Europa

Strategische Partnerschaften

„Mittel-Ost-Europa ist gewachsener regionaler Förderschwerpunkt von filia. filia stärkt mit 50% der Fördermittel kraftvolle Frauenorganisationen, die daran arbeiten, Strukturen für die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe und für ein Leben ohne Gewalt für Frauen und Mädchen zu schaffen.
Wandel braucht Zeit. Und Frauenorganisationen brauchen verlässliche Unterstützung, um nachhaltig Einfluss nehmen zu können. Deshalb arbeitet filia mit ausgewählten Partnerinnen über einen längeren Zeitraum zusammen.“
(aus filias Gesamtförderstrategie)

Georgien
Association Merkuri / Gender Network of Samegrelo
www.merkuri.ucoz.org
Projekt „Prevention Campaign of violence in Samegrelo Region“
„Wenn wir zusammenarbeiten, erreichen wir mehr“, schreibt Nana Todua vom Gender Netzwerk. In der bergigen Konfliktregion an der Grenze zu Abchasien, wo viele Flüchtlinge immer noch provisorisch leben, hat es die Organisation „Merkuri“ mit filias Unterstützung in den letzten beiden Jahren geschafft, 14 Frauenorganisationen in einem Netzwerk zu verbinden. Die Frauengruppen stärken sich gegenseitig in ihrem Einsatz für ein Leben frei von Gewalt und für die volle Achtung der Menschenrechte von Frauen. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist großes Problem, hat eine Umfrage des Netzwerks unter Frauen vor Ort ergeben. Eine breitangelegte Kampagne soll in den kommenden Jahren das öffentliche Bewusstsein verändern, politische Entscheidungsträger_innen in die Pflicht nehmen und die Lebenssituation betroffener Frauen verbessern.
Summe: 20.000 € (im ersten Jahr der strategischen Förderung)
Thema Freiheit von Gewalt

Serbien
Reconstruction Women‘s Fund
www.rwfund.org
Förderprogramm „Women‘s Initiatives“
Die Frauenstiftung in Serbien versteht sich selbst als „Backup für die feministischen Aktivistinnen“. Die Autonomie der Frauenorganisationen in Serbien zu wahren und ihre Arbeit zu ermöglichen ist das Ziel ihres Förderprogramms. filia unterstützt das Programm „Women’s Initiatives“, das flexibel auf die Bedarfe der Frauengruppen reagiert und besonders marginalisierte Frauen und Mädchen (Roma, lesbische Frauen u.a.) im Blick hat. Der Reconstruction Women’s Fund gibt als Mittler filias Fördergelder weiter und fügt seine Feldkenntnis, seine guten Kontakte und seine  Begeisterung für frauengeleiteten Wandel hinzu. Feminismus im Verständnis des RWF wendet sich auch gegen Militarismus, Nationalismus und Rassismus.
Summe: 20.000 € (im ersten Jahr der strategischen Förderung)
Thema Partizipation und Freiheit von Gewalt

Tschetschenien
Zhivaja Ni’t (Lebensfaden)
Projekt „Mädchen ohne Fesseln“
„Wann kommt ihr denn zu uns? Wir wollen auch lernen, welche Rechte wir haben“, mit diesen Worten klopften die drei kleinen Mädchen an die Tür des Klassenzimmers. Dort lernten und erprobten gerade ältere Schülerinnen auch mit spielerischen Methoden, sich für ihre Rechte einzusetzen und Konflikte konstruktiv zu bewältigen. Nicht selbstverständlich in dem Nachkriegsland Tschetschenien, wo unter der Flagge des Islam Schritt für Schritt die Rechte von Frauen im öffentlichen und privaten Raum nach der Überschrift „moralisch-ethische Erneuerung“ extrem eingeengt werden. Mit filia‘s Unterstützung wurden inzwischen mehrere hundert Mädchen und jungen Frauen auch in abgelegenen Bergdörfern befähigt und ermutigt, eigene Vorstellungen für ihr Leben zu entwickeln und sich dafür stark zu machen. Die Strategische Förderung geht ins dritte Jahr.
Summe: 8.000 €
Thema Freiheit von Gewalt

Bosnien-Herzegowina
Frauennetzwerk „Veliko Srce“
Die Strategische Förderung für das Frauennetzwerk „Veliko Srce“ ging ins dritte Jahr. Im Netzwerk Veliko Srce („Großes Herz“) haben sich 28 Frauengruppen mit insgesamt über 4000 Mitgliedern aus dem serbischen und dem konförderativen Teil Bosniens zusammengeschlossen. Die Frauengruppen mobilisieren und aktivieren Frauen vor allem aus dem ländlichen Gebiet. filia unterstützt die Infrastruktur des Netzwerks für ein weiteres Jahr mit einem Schwerpunkt auf dem Aufbau des Fundraisings.
Summe: 10.000 €
zusätzlich 1.800 € von der Stiftung Natur Mensch Kultur
 
www.natur-mensch-kultur.de
Thema Partizipation

Veliko Srce in Hamburg im November 2011: Anschaulich beschreibt Almasa Huskic den erfolgreichen Weg ihrer Organisation.

Das Frauennetzwerk in Bosnien war die erste strategische Förderung bei filia. Über 4000 Frauen sind in dem Netzwerk verbunden.
So zahlreich sind die Aktivitäten und Erfolge, dass wir hier nur zwei herausragende Projekte nennen wollen:

1. Nach Kriegshandlungen steigt die Rate häuslicher Gewalt deutlich an, das ist durch Studien belegt, und bestätigt sich auch durch Umfragen von Veliko Srce. Das bosnische Frauennetz reagierte auf unterschiedlichen Ebenen. Sie bauen ein Beraterinnennetzwerk auf, leisten Aufklärungsarbeit und brachten Gesetzesänderungen ein. Sie haben erreicht, dass ein gewalttätiger Mann innerhalb von 12 Stunden durch eine einstweilige Verfügung die Wohnung verlassen muss, und je nach Gefährdungsgrad bis zur Gerichtsverhandlung in Untersuchungshaft kommt.
Ein beispielloser Erfolg ihres unermüdlichen Engagements und strategischen Vorgehens.

2. Die hohe Arbeitslosigkeit hat viele Frauen wieder in ihren Gärten aktiv werden lassen. Veliko Srce initiiert und koordiniert Projekte des ökologischen Landbaus und führte 2011 die erste Biomesse in Bosnien durch. Sie haben erreicht, dass das Landwirtschaftsministerium die Zertifikate bezahlt, die entsprechende Institute vergeben. Im März 2012 wird es die zweite Messe mit Produkten aus biologischem Anbau geben.
Zunahme an Entscheidungsmacht ist bei filia ein Kriterium für erfolgreiche Förderprojekte. In dieser Region von Bosnien hat Veliko Srce inzwischen eine politische Stimme errungen, die gehört werden muss von Ministern und Bürgermeistern.


Am 19. November hatte filia zum Projektbrunch in das FLAKS, Zentrum für Frauen in Altona eingeladen: zum gemeinsamen Frühstücken, Austausch und Diskutieren mit fünf Frauen aus der Region um Gradacac.
Zu Gast waren die beiden Hauptamtlichen von Veliko Srce, Halida Jahic, Almasa Huskic und drei junge Frauen, die als ehrenamtliche Beraterinnen Fortbildungen zum Thema Gewalt gegen Frauen bosnienweit durchführen, Nevena Tost, Merima Jahic, Selma Klopic.
Veliko Srce („Großes Herz“) wurde seit Gründung von filia strukturell unterstützt.
Was sie erreichen konnten, kann sich sehen und hören lassen: Begonnen hat es damit, dass sich Frauen schützend vor die Busse von Rückkehrer_innen nach den Kriegshandlungen stellten. Sie stellten sich bewaffneten – teilweise ihren eigenen - Männern entgegen, die die Rückkehrenden zum Umkehren zwingen wollten. Aus diesen Erlebnissen entstand ein Zusammenhalt, der bis heute das Netzwerk trägt.
Zunahme an Entscheidungsmacht ist bei filia ein Kriterium für erfolgreiche Förderprojekte. In dieser Region hat Veliko Srce inzwischen eine politische Stimme errungen, die gehört werden muss von Ministern und Bürgermeistern.
Ihre Erfolge stellten die Frauen wie nebenbei dar. Auf Nachfrage kam diese Antwort: Wir Bosnier_innen gelten als bescheiden und hartnäckig. Für dieses selbst verbreitete kulturelle Stereotyp scheinen sie ein lebendiges Beispiel zu sein. Das Publikum war beeindruckt und spendete viel Beifall.

Eine erste Reaktion zu unserer Veranstaltung:
Ich glaube, dass ihr durch eure Art der Gesprächsführung andere - und zwar genauere und nähere - Informationen bekommt, als wenn ihr zu starke Distanz einhaltet. Ich glaube auch, dass die eigene (die deutsche) Motivation steigt, sich für Frauenanliegen einzusetzen, wenn frau so arbeitet, und zwar nicht nur in Hinsicht auf das eingeladene Land.
(Hanna Bürger, evangelisches Frauenwerk Lübeck-Lauenburg)

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