filia nimmt Anträge für Impuls- und Eilförderung entgegen!
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Seit 2006 realisiert OWEN e.V. (Mobile Akademie für Geschlechterdemokratie und Friedensförderung e.V.) ein einmaliges Projekt in der Krisenregion des Kaukasus: Das Projekt Omnibus 1325 hat es geschafft, Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen beteiligten und verfeindeten Regionen des Nord- und Südkaukasus zu einem langfristigen Arbeitsprozess zusammen zu bringen.
Gemeinsam arbeiten sie seit 3 Jahren an einem Ziel: Sie wollen erreichen, dass Frauen als Akteurinnen in friedensfördernden Prozessen auf allen Ebenen unterstützt werden und vor allem mitbestimmen können. So ist es auch in der UN Resolution 1325 formuliert, die 2000 verabschiedet wurde - ein wichtiger Meilenstein für die feministische Friedensarbeit.
In länderübergreifenden Kursen wurden Trainerinnen und auch einige Trainer für Gender- und Friedensarbeit ausgebildet. Aus den Ideen, die in den Trainings entwickelt wurden, sind mittlerweile viele konkrete Initiativen und Projekte vor Ort realisiert geworden. So gründete sich ein informelles gesamtkaukasisches Netzwerk „Internationales Netzwerk für Friedenserziehung“, es haben sich neue NGOs gegründet, unter anderem in Beslan (wo sich 2004 das schreckliche Geiseldrama ereignet hat) die Jugendorganisation „Zeit“ (Wjemja) und in Baku, Aserbaidschan eine Friedensorganisation „Dialog für Frieden“ für die aserbaidschanisch-armenische Verständigung. Im Herbst 2009 finden an 4 verschiedenen Orten des Gesamtkaukasus Seminare statt, die von gemischten Teams geleitet werden. Auch hier geht es um Friedensarbeit und Bewusstseinsbildung für Genderfragen.
Was wurde aus diesem Prozess gelernt, welche Erfahrungen können weitergegeben werden? Innerhalb eines gemeinsamen Workshops „Gender in der Friedensbildung“ von 45 Friedens- und Menschenrechtsaktivistinnen aus dem Kaukasus und Deutschland wurden TeilnehmerInnen aus Lateinamerika mit einbezogen. Im Oktober 2008 in Lenzen (Brandenburg) wurden die Perspektiven des Südens, des Osten und des Westens miteinander in Verbindung gebracht, eine eher seltene, ungewöhnliche Möglichkeit.
„An dem Trialog teilzunehmen, war eine Herausforderung. Vom ersten Tag, an dem mich die Einladung erreichte, war ich voller Erwartungen. Wie würden diese Frauen sein?“, schreibt Julieth Tamayo von der Gruppe Casa Cultural Tejiendo Sororidades in Cali, Kolumbien.
Eine Herausforderung war die Diversität der Teilnehmenden hinsichtlich des Alters – es nahmen Menschen zwischen 30 und über 60 Jahren teil – und hinsichtlich ihres kulturellen und ethnischen Hintergrunds. Begriffe wie „Macht“, „Feminismus“, „Unterdrückung“ und „Gender“ wurden von den Teilnehmenden vor dem Hintergrund ihrer unterschiedlichen Traditionen und Erfahrungen sehr verschieden verstanden.
Die Aktivistinnen aus dem Kaukasus leben in kleinen, voneinander isolierten postsowjetischen Gesellschaften und gehen hohe persönliche Risiken mit ihrer Friedensarbeit ein. Die Aktivistinnen aus Lateinamerika haben Diktatur und Gewalt erfahren, stehen aber auch auf den Schultern emanzipatorischer sozialer Bewegungen. Die deutschen Teilnehmenden suchen nach Alternativen zur eurozentristischen Sichtweise, zur westlichen Deutungshoheit. Ihre Schwierigkeiten, sich mit ihrer Nationalität zu identifizieren, befremdet die Kaukasierinnen. In Workshops konnten die Teilnehmenden die friedenspädagogische Arbeitsweise der anderen kennen lernen und beispielsweise an Themen wie „Bilder von Frauen und Männern in den Medien“, „Gender und Erziehung“, „Toleranz – Versöhnung und Macht“ gemeinsam arbeiten.
Der Lernprozess war gegenseitig, wie Julieth Tamayo beschreibt: „Anfangs fühlte ich mich ein bisschen frustriert, wegen der Sprachbarriere. Aber dann spürte ich eine wirkliche Kommunikation mit den Frauen aus dem Kaukasus. Wir teilten den Schmerz des Krieges: die Vertreibung, die Verluste unserer Kindheit, unserer geliebten Menschen, unserer nicht realisierten Träume, unsere Ängste, unsere Sehnsüchte. Ich fand die gemeinsamen Zeichen von dem, was wir Frauen gegenüber dem Krieg getan haben und tun: wir gehen von unserem Körper, unseren Wünschen und unserer Liebe aus, um daraus Alternativen zu schaffen, in jedem unserer Völker. Wir Frauen arbeiten von der Basis aus, ausgehend vom Lebensalltag unseren Gemeinschaften. Ich würde gern diskutieren, wie aus den alltäglichen Szenarien der Arbeit für den Frieden strategische Entwürfe werden können, denn wir Frauen sollten auch in den großen Ligen mitspielen.“
filia unterstützte die kaukasischen Teilnehmenden mit Reise- und Unterbringungskosten für ihren Aufenthalt in Deutschland.