"Jedes einzele Ziel, das wir erreichen, birgt in sich eine Chance für Veränderung" Biljana Stankovic, Novi Sad Lesbian Organisation, Serbien

In Tschetschenien sind die Erlebnisse und Folgen der zwei Kriege, die in jeder einzelnen Familie zu spüren sind, ein Tabu. Weder öffentlich noch an Schulen und Universitäten gibt es einen Raum für Debatten und Austausch. Tschetschenien ist nun eine russische Unterrepublik, Teil eines Landes, das kein Interesse daran hat, eigene Menschenrechtsverletzungen vor, während und nach den beiden Kriegen zu thematisieren. Grundlagen für eine friedlichere, gewaltfreiere und auch frauenfreundlichere Gesellschaft zu schaffen – darum geht es Taita Junousova und ihrem Team von „Zhivaja nit‘“ („Lebensfaden“). Sie unterstützen und begleiten Kinder dabei, ihre traumatischen Kriegserlebnisse zu bearbeiten und sich im heutigen russischen Tschetschenien für ihre Rechte einzusetzen.

Belgrad, 8.März 2008
„Die Feier des 100. Internationalen Frauentags, vorbereitet von den Frauen in Schwarz, wurde von der Polizei verboten. Nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo im Februar 2008 bewirkte die Welle der autorisierten Gewalt in Serbien eine Art öffentliche Selbstzensierung.
Daraufhin gab es heftigen Protest durch die Aktivistinnen und ihre Verbündeten.
Belgrad, 8.März 2009
Auch 2009 gingen die Feministinnen in Serbien auf die Straße. „Der besondere Grund für die Kundgebung: Das Parlament hatte die Diskussion über das Anti-Diskriminierungsgesetz von der Tagesordnung genommen. Die orthodoxe Kirche hat einen großen Einfluss in unserem Land und Druck auf die Regierung ausgeübt, das Gesetz nicht anzunehmen, weil darin die Diskriminierung von LGBT-Personen verboten wird.
Also organisierten feministische Gruppen und Menschenrechtsgruppen den Protestmarsch.
Tbilissi, 8.März 2009Ein politischer Feiertag soll der 8.März wieder werden, kein Tag der offiziellen Propaganda wie in Zeiten des Sowjetregimes verordnet oder danach als „Muttertag“ oder „Valentinstag“ verbrämt. Der Women’s Fund in Georgia rief daher lokale Frauengruppen zu einem Wettbewerb auf: „100 Erfolge“ hieß die Aktion, die Frauen und ihre Taten laut bunt und kreativ der Öffentlichkeit präsentierten sollten.

„Sie sind unauffällig, nett und sozial engagiert… die neuen national gesinnten Frauen.“ Mit der Filmkamera in der Hand machten sich Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren innerhalb ihres Bundeslandes Brandenburg im Osten Deutschlands auf, um herauszufinden, welche Rolle Frauen und Mädchen in rechtsradikalen Gruppierungen einnehmen. Ihr Anteil innerhalb der rechten Szene wächst, das Frauenbild geht von „der Mutter“ über „die Hausfrau“ bis hin zur „alleinstehenden Multifunktionärin einer rechtsradikalen Partei“. Hinter die Fassade sollte geschaut werden auf verschiedene Weise:Die Mädchen besuchten die KZ Gedenkstätte Ravensbrück, um aus der Geschichte zu lernen. Sie trafen sich mit Zeitzeuginnen und sprachen mit Expertinnen des mobilen Beratungsteams aus Berlin und Brandenburg, um die Gegenwart besser zu verstehen.

1. Erfolgreicher Alternativbericht
Die UN-Konvention CEDAW (Convention on the Elimination of all Forms of Discrimination against Women, 1979) ist eine Errungenschaft der weltweiten Frauenbewegung. Sie definiert den Tatbestand der Diskriminierung in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und benennt explizit die Menschenrechte von Frauen.
Mit der Ratifizierung von CEDAW 1985 (DDR 1980) hat die Bundesrepublik Deutschland sich verpflichtet, aktiv Maßnahmen zu ergreifen, um die volle Gleichberechtigung von Frauen durchzusetzen.
Alle vier Jahre müssen die Vertragsstaaten dem CEDAW-Ausschuss über die Menschenrechtssituation von Frauen in ihrem Land und über ihre Maßnahmen berichten. Der Ausschuss analysiert diese Berichte und spricht Empfehlungen aus.
Die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) erstellen Alternativberichte. Hier wird die menschenrechtliche Situation von Frauen regierungsunabhängig dargestellt.
2. Das eigene Geschlecht ist ein Menschenrecht
Die Allianz der Frauenorganisationen hat sich strategisch entschlossen, zur Situation von transsexuellen und intersexuellen Frauen zwei ergänzende Berichte zu erstellen.„Wie ein Land zu den Menschenrechten steht, was Menschenrechte einem Land wirklich bedeuten, erkennt man am besten an seinem Umgang mit Minderheiten. Transsexuelle Menschen sind eine solche Minderheit“, heißt es im Bericht von ATME zur menschenrechtlichen Situation transsexueller Menschen in Deutschland. Transsexuelle Frauen haben sich 2008 zu dem Verein „Aktion Transsexualität und Menschenrecht“ (ATME) zusammengeschlossen.

Mongolia / Mongolian Women’s Fund MONES / Ulan Baator
Seit ihrer Gründung im Juli 2000 unterstützt die mongolische Frauenstiftung MONES das Empowerment von Frauen in der Mongolei. Bis heute ist Mones die einzige Institution vor Ort, die für Frauenrechte Gelder bereitstellt. Die Provinz Zavkhan ist eine der „Pilotprovinzen“ der mongolischen Frauenstiftung. Hier unterstützt MONES gezielt Frauenorganisationen und deren Zusammenarbeit, um für Frauen eine nachhaltige Verbesserung ihrer Lebensumstände zu erreichen. Neben häuslicher Gewalt (eine von drei Frauen ist betroffen) ist im Zavkhan Aimag die Unterrepräsentation von Frauen in der Politik ein zentrales Problem. Themen wie Gesundheitsversorgung, Bildung und andere soziale Dienste, die das Leben von Frauen stark betreffen, stehen am Ende der politischen Agenda. Frauen haben keine Möglichkeiten, über ihre Belange mit zu entscheiden.2007 nahmen 55 Leiterinnen von Frauenorganisationen an einem Training zu politischer Partizipation teil. Dieses Ursprungstraining zeigte schnell große Wirkung und weitreichende Erfolge.

„Und wir dürfen nicht vergessen, dass Freiheit immer wieder verteidigt werden muss.“ Mit diesen Worten erinnerte die deutsch-türkische Autorin Necla Kelek die ca. 200 Frauen und Männer, die am grauen Dienstagvormittag des 16.12.2008 in Hamburg auf Initiative von Terre des Femmes zum Gedenken an Morsal Obeidi zusammengekommen waren, an demokratische Werte, die wir oft als ‚selbstverständlich‘ ansehen. filia hat die Veranstaltung mit einer Eilförderung unterstützt.Frau Obeidi wurde am 15.Mai 2008 aus „Gründen der Ehre“ von ihrem Bruder brutal erstochen – mit Billigung ihrer Ursprungsfamilie, die den „westlichen“ Lebensstil der Tochter und Schwester als krassen Gegensatz zu ihren eigenen Normen und Werten ansah. Die junge deutsch-afghanische Frau lebte unabhängig von ihrer Familie und beanspruchte eine eigenständige Entwicklung für sich hier in Deutschland. Ihrer wurde gedacht, für sie sang Tina Brandl „steh auf Schwester“, und vor ihr Foto wurden viele weiße Rosen gelegt. Zahlreiche Frauen aus dem Umfeld von filia nahmen daran teil.

Mitte Januar erreichte uns die Eilanfrage einer Frauenorganisation in Turkmenistan (sie muss leider anonym bleiben*), deren Arbeitsgebiet die Förderung der Zivilgesellschaft und die Stärkung von Frauenrechten ist: Unter dem 2006 verstorbenen Staatsoberhaupt Nyazov wurden zahlreiche Wohnviertel zerstört, um Hotel-/Straßenbau zu forcieren. Den ca. 1000 vertriebenen verarmten Familien wurde damals schriftlich zugesichert, Wohnraumersatz zu bekommen, was in vielen Fällen nicht geschah. Der neue Präsident Berdymukhamedov fühlt sich an die Vorgaben seines Vorgängers nicht gebunden und schafft mit der Aussage „Wohnraum, wenn vorhanden“ einen rechtsfreien Raum der Willkür. Frauen der vertriebenen Gebiete wurde zudem die grundrechtlich verankerte Registrierung (propiska) versagt, die Voraussetzung ist, um am staatlichen Schul- und Gesundheitssystem teilnehmen zu können, und auch um polizeiliche und andere Notfallhilfe in Anspruch nehmen zu dürfen. Nachdem 12 betroffene Frauen eine erfolglose Beschwerde gegen dieses Vorgehen vor dem Stadtrat (City Court) eingelegt hatten, wurde mit Hilfe der Frauenorganisation ein Gespräch mit der Leiterin des Turkmenischen Parlaments Akdja Nurberdyeva arrangiert, die zu einer Anrufung des Obersten Gerichtshofs (Supreme Court) riet und den groben Rechtsverstoß anerkennt. Die Frauen folgten diesem Vorschlag und konnten sich mit filias Geldern drei Anwälte nehmen.

Seit 2006 realisiert OWEN e.V. (Mobile Akademie für Geschlechterdemokratie und Friedensförderung e.V.) ein einmaliges Projekt in der Krisenregion des Kaukasus: Das Projekt Omnibus 1325 hat es geschafft, Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus alle beteiligten und verfeindeten Regionen des Nord- und Südkaukasus zu einem langfristigen Arbeitsprozess zusammen zu bringen.Gemeinsam arbeiten sie seit 3 Jahren an einem Ziel: Sie wollen erreichen, dass Frauen als Akteurinnen in friedensfördernden Prozessen auf allen Ebenen unterstützt werden und vor allem mitbestimmen können. So ist es auch in der UN Resolution 1325 formuliert, die 2000 verabschiedet wurde - ein wichtiger Meilenstein für die feministische Friedensarbeit.

Die Zweite Projektparty bei filia – und bereits eine „Institution“ mit klaren Spielregeln und vielen interessierten BesucherInnen.Die filia-Gründungsstifterin Ute Pfeifer war im Juni 2008 die Gastgeberin der Party, die wegen der großen Resonanz im Vorjahr räumlich und zeitlich mit der Stifterinnenver-sammlung zusammen gelegt wurde. So hatten mehr Stifterinnen und auch zahlreiche BesucherInnen die Möglichkeit, eine Frau und ihre Vision kennen zu lernen, die durch filia unterstützt wird.Und was für eine Vision, was für eine Frau! Beatrice Achaleke, Leiterin von AFRA (International Center for Black Women’s Pespectives, Sitz in Wien) hat die Idee eines Europa, in dem alle Stimmen gehört werden, auch die Stimme schwarzer europäische Frauen.