Ergebnisse und Erfolge 2007

Nicht gegen meinen Willen

Aserbaidjan
Social Union "Khatun" Assistance for Women´s Social Problems, Sumgait

In einigen ländlichen Regionen Aserbaidjans wird die Tradition, sehr junge Mädchen aus der Schule zu nehmen und zu verheiraten, wieder zunehmend praktiziert. Diese Mädchen von 13 oder 14 Jahren haben das gesetzliche Alter für die Heiratsfähigkeit noch nicht erreicht; die Ehen haben keinen legalen Status; die sehr jungen Frauen und ihre Kinder sind somit rechtlos. Die Frauen der Organisation "Khatun" gehen gegen diese Menschenrechtsverletzung
strategisch vor und arbeiten auf unterschiedlichen Ebenen:
In Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen und NGOs starteten sie zunächst eine Umfrage unter Lehrerinnen, Lehrern und Familien. So konnten sie einschätzen, wie viele Mädchen und Frauen von dieser Art der Zwangsverheiratung bedroht und betroffen sind. Die Ergebnisse der Umfrage wurden am 31.03.2008 im International Media Center in Baku der Öffentlichkeit vorgestellt.
Um diese Zwangsehen wirklich verhindern zu können,arbeiten die Frauen daran, eine neue Form der sozialen Kontrolle zu installieren: Über einen Zeitraum von 6 Monaten organisierten sie - von filia gefördert - 24 Seminare für Eltern von Schülerinnen und für die betroffenen Mädchen in Sumgait, Lankaran, Shamakhi und anderen ländlichen Orten. Hier erfahren immer mehr Menschen von den verheerenden Folgen für die jungen Mädchen und werden
gleichzeitig über die Gesetzeslage aufgeklärt. Dadurch werden sie ermutigt und mobilisiert, Fälle von Zwangsheirat zu melden anstatt sie zu dulden. Auf diese Weise wird ein Perspektivwechsel angestrebt mit dem Ziel, die traditionelle Praxis zu überdenken und zu verändern. Zwei Mädchen haben nach solchen Seminaren ihre Verlobung gelöst und sind zurück an die Schule gegangen.
21 Personen haben sich außerdem im Zeitraum von Januar bis Juli 2008 an die parallel zu den Seminaren eingerichteten Hotline von "Khatun" gewendet, darunter 7 Mädchen im Alter zwischen 15 und 16 Jahren. Sie berichteten, dass ihre Eltern sie von der Schule nehmen und verheiraten wollen.
"Khatun" nahm Kontakt zu ihren Familien auf und gab die Daten an die Behörden weiter, die jetzt den Fällen nachgehen.

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