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Ergebnisse und Erfolge

Nachhaltige Stärkung von Aktivistinnen in Algier: unerwarteter Schneeballeffekt

„Was ich wirklich mochte war, als wir diesen Nachmittag anfingen, von den Lösungen zu sprechen. Ich mochte es zu hören, dass es Hoffnung gibt.“ So drückt Damia (21) aus, was das Training zu kollektiver Intelligenz für sie bedeutet hat. Zusammen mit 18 anderen jungen Frauen nahm sie im März 2013 in Ain Benian, Algerien am einwöchigen Auftakttraining teil. filia unterstützte das Modellprojekt unserer Schwesterstiftung Mediterranean Women’s Fund. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die Widerstandskraft von Frauen zu stärken gegen „Kräfte, die sie hinter Wänden und Schleiern verbergen wollen“ (Gründerin Caroline le la Brac Perriere).

Was ist Herrschaft? Gleichberechtigung? Gender? Feminismus? Frauenbewegung? Theoretische Fragen wurden in einer wertschätzenden Form und mit kreativen Methoden behandelt und spielerisch in praktisches Handeln ungesetzt.
Gemeinsam dachten die jungen Frauen über die Verbindungen zwischen Frauen und der Welt auf individueller und kollektiver Ebene nach. Sie schauten sich die Mechanismen der sozialen Systeme an, denen sie angehören und auch die Bewegungen, die Veränderungen bewirken – wie die Frauenbewegung.

In den Abendstunden führten sie lange Gespräche mit älteren Aktivistinnen. Das bestärkte sie in ihrer Identität als Feministinnen. „Wir haben eine Tür für die jungen Frauen aufgemacht. Ihre Freude, ihr Stolz und ihre Kreativität waren ein Geschenk für uns… Dieses Projekt hatte einen unerwarteten Schneeballeffekt“, so Caroline.
Mit der Förderung unterstützte filia gleich zwei neue Ideen: Das Modellprojekt hat sich bewährt und wurde bereits mehrfach auf ähnliche Weise durchgeführt – und der Mediterranean Women‘s Fund geht neue Wege in der Evaluation in Form von Videointerviews mit den Teilnehmerinnen.
Houria (26): „Das ist das erste Mal, dass ich Licht in meinem eigenen Leben erkennen kann. Ich kann es nicht erklären… Es tut gut. Wie eine Familie.“

Mediterranean Women’s Fund
www.medwomensfund.org


Strategische Förderung in Mittel-Ost-Europa

Frauennetzwerk „Veliko Scre“ in Gradacac (Bosnien Herzegowina)
Der Weg entsteht beim Gehen – eine Prozessgeschichte

1997: Der Krieg hat die Infrastruktur in dem wirtschaftlich ursprünglich starken Kreis Gradacac zerstört. Etwa zwanzig Frauen aus allen Bevölkerungsgruppen – Musliminnen, Katholikinnen, Serbinnen, Bosnierinnen – schließen sich zu einer Frauengruppe zusammen. Sie sorgen wechselseitig für Unterstützung, Solidarität und Feuerholz.

2005: filia unterstützt erstmals die Frauenarbeit der Gruppe. Drei Frauengruppen gründen gemeinsam das Netzwerk „Veliko Srce“. Veliko Srce heißt „Großes Herz“ – Frauen aller Konfessionen und Ethnien feiern ihre Gemeinsamkeiten. Die Frauen überschreiten Grenzen und stiften Frieden. Christinnen kochen für muslimische Frauen zum Fastenbrechen ein festmahl.

2006: Das Netzwerk wächst schnell: ein Jahr später sind es schon 29 Gruppen mit insgesamt über 4000 Frauen. filia finanziert die Stelle der Koordinatorin Halida Jahic. Außerdem unterstützt filia die Mädchenvolleyballgruppe des Netzwerks, die sich zum Dank den Namen „EC Filia“ gibt.

2007: Das Netzwerk erarbeitet einen Verhaltenskodex, in dem demokratische Spielregeln für alle Mitglieder verbindlich festgelegt werden. In öffentlichen Vorträgen und Runden Tischen schaffen die Frauen Bewusstsein zu Gewalt gegen Frauen und Frauenrechten. Frauengruppen stellen biologische Produkte her und verkaufen sie zunächst lokal auf Messen.

2008: Mit der zunehmenden Professionalisierung und kontinuierlichen Koordination durch das von filia finanzierte Büro wird Veliko Srce zu einer politischen Stimme in der Region. Gemeinsam mit der OSZE Bosnien macht Veliko Srce eine Kampagne zur politischen Beteiligung von Frauen: „Wir wollen auf Stadtratsversammlungen vertreten und beteiligt sein und unsere Ideen und Meinungen einbringen“, schreiben sie auf ihr Plakat.

2009: Für ihren Einsatz für die Zivilgesellschaft erhält Halida Jahic 2009 den Preis „Active Citizens of Europe“ der OSZE in Bosnien. Das Landwirtschaftsministerium übernimmt, überzeugt durch die Lobbyarbeit von Veliko Srce, die Kosten für die Bio-Zertifizierung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Erste Produkte werden ins Ausland verkauft. filia bewilligt eine dreijährige strategische Förderung für das Netzwerk.

2010: Der Stadtrat von Gradacac sagt zu, eine Stelle für eine Gleichstellungsbeauftragte zu finanzieren, kann es aber wegen leerer Staatskassen nicht umsetzen. Das Netzwerk veranstaltet Fortbildungen für Polizisten für deren Einsätze bei Häuslicher Gewalt.

2011: Im Juni findet die von Veliko Srce organisierte erste Messe für Bio-Produzent_innen in Bosnien statt. In der ersten Reihe sitzen Halida Jahic und ihre Kollegin Almasa Husic neben dem Landwirtschaftsminister, dem Bürgermeister von Gradacac und einem renommierten Agrarprofessor. Halida Jahic wird als Vertreterin der bosnischen NGOs in eine Kommission der Regierung zur Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft gewählt. Ein anlässlich des Internationalen Frauentags geplantes Frauensymposium in Sarajevo muss wegen Terrordrohungen abgesagt werden.

2012: Die erste Frauenbeauftragte nimmt ihre Arbeit in Gradacac auf. Die zweite Öko-Messe findet statt. Das Frauensymposium zum Internationalen Frauentag wird nach Gradacac verlegt und kann dort unbehelligt stattfinden – leider ohne die Gleichstellungsbeauftragte, die wohl Angst vor unliebsamen Fragen hat. Auf dem Symposium stellt sich das neue informelle Netzwerk „Dunja“ (Quitte) vor, ein landesweiter, organisationsübergreifender Zusammenschluss bosnischer Frauenrechtlerinnen.

2013: Das Netzwerk veranstaltet mit Unterstützung von filia und der Allen & Overy Global Foundation eine landesweite Aufklärungskampagne zu Häuslicher Gewalt, die 50.000 Menschen erreicht. Eine Gruppe von Frauen des Netzwerks, die ehrenamtlich im Kindergarten Integrationsarbeit für Kinder mit Behinderung leistet, wird von der Lokalregierung endlich offiziell anerkannt und mit bezahlten Stellen ausgestattet. Zur dritten Ökomesse kommen über 10.000 Besucher_innen. Brigitte Online veröffentlicht ein Interview mit Netzwerkkoordinatorin Halida Jahic mit dem Titel „Die Frau, die in Bosnien die Zukunft sät“.
brigitte/halida-jahic

Ende 2013: Gerade der Erfolg von Frauenrechtlerinnen kann zu einer gesellschaftlichen Gegenbewegungen führen: „…Die Situation hat natürlich zwei Seiten: einerseits ist es gut, weil alle wissen, wohin sie sich wenden können, wenn sie von Gewalt jeder Art betroffen sind. Aber auf der anderen Seite sind wir ein Dorn im Auge der Politiker, weil wir etwas gegen ihre Machtspielchen machen und sie nicht immer alles tun können, was sie wollen. Jetzt versuchen sie zu vernichten, was wir machen, und haben uns alle finanziellen Mittel gestrichen, die schon bewilligt waren. Die Bürgerinnen und Bürger können im Moment unsere Dienste nicht beanspruchen, denn wir haben kein Büro, Telefon und Internet. Sie werden es aber nie schaffen, unsere Existenz zu vernichten“, schreibt Halida Jahic im Dezember 2013.
Ein neuer Bürgermeister in Gradacac hält bereits bewilligte Gelder zurück und stürzt Veliko Srce in eine existentielle Krise – zeitgleich mit dem Ende der mehrjährigen Strategischen Förderung durch filia.

Januar 2014: Es erreicht uns die Nachricht, dass das Büro wieder mit PC und Internetzugang in Betrieb ist. Durch Zuwendung der Wirtschaftsministerin konnten die Mietschulden teilweise beglichen werden. Halida ist auf der Suche nach Geldquellen. filia kann durch kleinere zweckgebundene Spenden 2014 den Aufbau unterstützen.