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filia Stifterinnen

Stifterin: Dr. Heike Pfitzner

Gisela du Mont

1. Einige Angaben zu Ihrem biographischen Hintergrund
Geboren am 13. April 1965 in Radebeul bei Dresden, DDR.
Also – groß geworden in einem kleinen Dorf in der Oberlausitz zwischen Bautzen und Görlitz. Meine Eltern waren beide Lehrer und beide sind Kinder von durch den 2. Weltkrieg aus Schlesien vertriebenen Familien. Diese Nachwirkungen des Krieges haben zu Hause immer eine Rolle gespielt. Vor allem mein Vater hat sich sehr in der Pflicht gesehen, die Gräueltaten der Nazis auf seine Art und Weise wieder „gut“ zu machen. Insofern war ich als seine große Tochter oft in der Außenseiterrolle im Dorf. Unter anderem auch dadurch, dass ich gern Russisch lernte und die „Sowjets“, wie das bei uns zu Hause hieß, bewunderte.
Dazu passt, dass ich früh in den Kinder- und Jugendorganisationen der DDR aktiv war. Ob bei den Pionieren oder in der FDJ – ich sang im Singeclub vor den Arbeitern des Waggonbaus, malte im Zeichenzirkel Bilder zum Vietnamkrieg, trat als Rezitatorin auf Jugendweihefeiern auf dem Land auf und kommandierte zwei Jahre lang als Freundschaftsratsvorsitzende auf den Appellen die ganze Schule.
Als ich dann in der 10. Klasse durch meinen Vater erfuhr, dass ich im sozialistischen Ausland studieren könne, da war mir gleich klar, dass ich das machen will.
So war ich von 1983 bis 1988 in Moskau und studierte parallel zur Perestroika Vorschulpädagogik und Kinderpsychologie an der berühmten Lomonossow-Universität.
Aus dieser Zeit kommen meine tiefe Verbindung zu dem großen Russland. Seit über 25 Jahren beobachte das Land sehr kritisch, vor allem die Lage der Frauen hat sich in den letzten 20 Jahren nicht gerade verbessert.
In den 90-er Jahren warf es mich durch die Wende ordentlich um. Für mich war das eine große Erschütterung – privat, beruflich und gesellschaftlich. Eine der großen Veränderungen, die mit mir geschahen, war mein Coming out als lesbische Frau. Eine weitere – dass ich mich nach einigen Jahren der Orientierungslosigkeit als Trainerin selbständig machte.
Anfang der 2000`er Jahre begann mit Katrin Wolf und Andrea Hapke eine sehr intensive Zeit der Trainingsarbeit. Wir arbeiteten mit Akteurinnen der Zivilgesellschaft aus Russland und der Ukraine zusammen, bauten Strukturen mit Frauen dort auf. Wir führten Trainings zur Organisationsentwicklung, gewaltfreien Konfliktbearbeitung durch und bildeten Trainerinnen aus.
Damals lernte ich auch Taita Junusowa aus Tschetschenien kennen, deren Arbeit ja heute auch durch filia unterstützt wird. Das ist eine enge Verbindung zwischen meinem eigenen Engagement und dem, was ich bei filia so toll finde.

2. Wie haben Sie von filia erfahren?
filia kenne ich seit langem. Ganz am Anfang habe ich selbst mich mal als Geschäftsführerin bei filia beworben und damals einige der Gründerinnen während meiner beiden Vorstellungsgespräche kennen gelernt.
Und dann war ich auf einigen der jährlichen sommerlichen Projekt-Parties, die seit 2007 bei filia jedes Jahr gefeiert werden. So konnte ich mich informieren, was alles bei filia passiert.
filia ist also sozusagen seit vielen Jahren ein Teil meiner frauenpolitischen Aktivität in Hamburg.

3. Was hat Sie motiviert, bei filia Stifterin zu werden?
Das schließt an den biographischen Punkt an. Da mein Herz als Ostfrau sehr stark für den Osten schlägt und ich mich auch 20 Jahre nach der Einheit stark mit den Veränderungen in diesen Ländern identifiziere, war ich sehr froh, dass sich filia als einen Förderschwerpunkt auf Mittel- und Osteuropa spezialisiert hat.

4. Wie sehen Sie die Situation von Frauen heute? / Haben Sie selbst Benachteiligungen erlebt?
Noch lange gehört uns nicht die Hälfte – nicht unserer Lebenszeit, nicht der politischen Mitsprache, nicht der wirtschaftlichen Ergebnisse. So gesehen – erlebe ich wie Millionen anderer Frauen Benachteiligungen auf diesen Gebieten täglich. Die Nachrichten und Berichterstattungen in solchen Medien wie „Freitag“ oder der „taz“ zum diesjährigen 100. Jahrestag des Internationalen Frauentags haben diese Situation sehr klar dargestellt. Wenig Lorbeeren zum Ausruhen…

5. Was bedeutet für Sie sozialer Wandel aus der Sicht von Frauen, was sollte dieser Wandel bewirken?
Ich bin sehr inspiriert von der Vision von Prof. Frigga Haug, die sie die „Vier-In-Eins-Perspektive“ nennt. Gern zitiere ich hier aus dem Klappentext ihres Buches, weil es so klar beschrieben ist: „Im Fokus von Frigga Haug‘s „Vier-in-einem-Perspektive“ steht die Utopie einer gerechten Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gemeinwesensarbeit und Entwicklungschancen. Sie entwickelt einen Kompass, der die vier Bereiche auf einen Zusammenhang orientiert und in dieser Bündelung zugleich "realpolitisch" und emanzipatorisch-gesellschaftsverändernd wirken soll.“
Was das bewirken sollte?
Eine gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums, mehr Beteiligung vieler Menschen am Gemeinwesen und genug Zeit für die eigene Entfaltung der kreativen Anlagen. Das wäre doch ein tolles Leben! Wo eine genießen kann, mit Freude tätig ist und Geld wirklich nur Mittel zum Zweck ist, nicht das Ziel. Und wahrscheinlich bräuchte die Menschheit dann auch nicht mehr so viele Ressourcen und die Umweltprobleme würden sich leichter lösen lassen…
Eben eine Vision.

6. Gibt es bestimmte Projekte, die filia fördert, die Sie für besonders sinnvoll halten?
Besonders freut mich, dass filia die mutigen Frauen um Frau Basajewa und Taita Junusowa in Tschetschenien unterstützt.

7. Sie waren im Juni bei Ihrer ersten Stifterinnenversammlung mit dabei. Was war Ihr Eindruck? Was ist für Sie das Wichtigste an filia.die frauenstiftung?
Bunte Mischung an Frauen aus sehr verschiedenen Hintergründen.
Wichtig; dass es eine Gemeinschaftsstiftung ist und nicht nur eine Frau im Mittelpunkt steht, sondern so ein solidarisches Prinzip erkennbar ist – wer viel hat, darf/kann auch gern viel geben. Dabei wird der Beitrag der normal berufstätigen Frauen ebenso geschätzt – ob finanziell oder als Arbeit und Expertise, wie bei den Gremienfrauen. Das finde ich wichtig. Kein Einheitsbrei, sondern Vielfalt. Lesbe neben Hetera, Ostfrau neben Schwäbin, Millionärin neben Angestellter usw..

8. Was würde Sie motivieren, weiterhin gern bei filia zu spenden bzw. zuzustiften?
Der Erfolg der Projekte und eine super Öffentlichkeitsarbeit, damit ich auch stolz anderen davon erzählen kann. Da ich Wandel will, müssen davon viele wissen, dass er auch so befördert werden kann.
Dafür wäre es toll, wenn es mehr Feste und öffentliche freudbringende Veranstaltungen gäbe – in der Verbindung von Verantwortung und Freude sehe ich eine gute Möglichkeit, auch jüngere Frauen anzuziehen.

9. Ein Ergebnis der SV 2009: zukünftige Stifterinnen möchten von Stifterinnen angesprochen werden. Würde Sie so eine Botschafterin für filia sein wollen? Haben Sie in Ihrem Bekanntenkreis evtl. bereits an konkrete Frauen oder auch Männer (Spender) gedacht?
Ja, mache ich bereits.

10. filia wird 2011 10 Jahre alt. Welchen Glückwunsch möchten Sie filia mit auf den Weg geben?
Ich spiele mal Fee: Ich habe drei Wünsche frei -
Mut zur großen Vision!
Achtsamkeit für die eigenen Ressourcen.
Zeit zum Feiern und Nachdenken.

11. Wie wünschen Sie sich die Entwicklung der Stiftung – filia in 5 Jahren?
Her mit den Millionen!

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