Bis zum 1. März 2012 nimmt filia Anträge mit Ideen und Plänen für Projekte für Mädchen und junge Frauen entgegen.
Frauenorganisationen aus der ganzen Welt können bei filia eine schnelle Förderung aus dem Möglichkeitsfonds beantragen.
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Für manche ist Diversität eine Frage des Überlebens.
Auszüge aus einem Essay von Claudia Bollwinkel
„In besonderer Weise fühlen wir uns den Frauen verpflichtet, die nicht nur aufgrund ihres Geschlechts, sondern auch wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer sexuellen Orientierung Diskriminierungen ausgesetzt sind.“
Aus der Gründungsurkunde 2001
“We feel particularly obliged towards women who are discriminated not only because of their gender, but also because of the colour of their skin, their origin or their sexual orientation.”
Certificate of the Declaration of a Foundation
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Feministische Stiftungen sind Allianzen derer, die Geld haben und derer, die Geld benötigen. Es entsteht eine Verbindung Unterschiedlicher, die in einen Austausch treten, der im besten Fall nach beiden Seiten hin offen ist. filia als Gemeinschaftsstiftung schafft den Übergang von persönlichem Vermögen und Geldmacht zu einem gemeinschaftlichen, verantwortungsvollen Gebrauch dieser Macht. Laufend kommen neue Stifterinnen hinzu. Auf diese Weise ist das Kapital seit 2001 von 250.000 Euro bis Ende 2008 auf 15,677 Millionen Euro angewachsen. Es wird, gemäß den Stiftungszielen, nach sozialen, nachhaltigen und ökologischen Kriterien angelegt. Der Stiftungsrat ist ein „diverses“ Gremium mit Frauen unterschiedlicher Berufe, Abstammungen und Meinungen. Auch intern ist Vielfalt ein wichtiger Wert.
filia ist eine Tochter der Frauenbewegung. Damit verbunden ist ein Bewusstsein für bestehende Machtgefälle – auch in der eigenen Tätigkeit. Will man Frauen stark machen, ist das Wie genauso wichtig wie das Was, ist die Art der Kommunikation mit den geförderten Frauen ebenso entscheidend wie die Inhalte der unterstützten Projekte. Was bedeutet es, feministisch zu fördern? Zunächst heißt es, leicht ansprechbar zu sein. Die bürokratischen Schwellen für Antragstellerinnen sollen niedrig sein, damit sich möglichst unterschiedliche Menschen ermuntert fühlen, Anträge einzureichen. filia bemüht sich, den Betreiberinnen der Projekte gründlich zuzuhören. Was genau sind die Bedürfnisse? Wenn nötig, wird die Förderstrategie verändert. Neben Geld sind Vertrauen und Wertschätzung die wichtigsten Zuwendungen, um Menschen zu stärken. Sie merken, dass jemand auf ihre Kraft und Kompetenz vertraut. filia verzichtet deshalb möglichst auf kontrollierende Kommunikation. Die Förderung mit kleinen Summen bis zu 10.000 Euro funktioniert ähnlich wie das Mikrokreditsystem: Sie erreicht Basisgruppen, die mit wenigen Mittel viel bewegen können. Und ähnlich wie bei den Mikrokrediten geht das nur sehr selten schief. Das Vertrauen, das filia in ihre Partnerinnen setzt, beantworten sie mit Transparenz und Sorgfalt. Die Idee funktioniert.
Diversität und Differenz werden im Alltagsbewusstsein oft mit Hierarchien verbunden: oben/unten, besser/schlechter, mehr wert/weniger wert. Diejenigen vom Zugang zu Macht und Ressourcen auszuschließen, die abgewertet wurden, ist Diskriminierung. filia unterstützt gezielt besonders diskriminierte und marginalisierte Gruppen. Dabei hat sie die Erfahrung gemacht, dass die betroffenen Frauen und Gemeinschaften die nachhaltigsten Lösungen selbst finden. Empowerment ist am machtvollsten, wenn es von den Betroffenen selbst ausgeht.
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Mit einer Gruppe von Menschen, die selbst unter den Diskriminierten noch diskriminiert werden, arbeitet das Projekt LesMigraS, getragen von der Lesbenberatung in Berlin. Im Mittelpunkt stehen lesbische Migrantinnen und Schwarze Lesben. Sie gehören nirgendwo ganz dazu: In der Gemeinschaft der deutschen Lesben stehen sie abseits aufgrund ihrer anderen kulturellen Hintergründe. In den Migrantinnengemeinschaften können sie sich mit ihrer anderen sexuellen Orientierung oft nur unter Schwierigkeiten zeigen. N., eine türkische lesbische Frau erzählt: “Du musst es heimlich halten, du gewöhnst dich daran, dass es so ist, dass du damit leben musst. Und auch wenn du es dann nach außen trägst, gibt es wieder eine Trennung, dann gibt’s Leute, denen kannst du es nicht sagen und anderen nur deshalb, weil sie deine Eltern und Familie nicht kennen.“
LesMigraS unterstützt lesbische Migrantinnen und ihre Familien in diesem Niemandsland. Das Zitat entstammt einer Reihe von Broschüren, die LesMigraS veröffentlicht hat, in denen Lesben, die aus dem Iran, aus der Türkei, aus Russland stammen und in Deutschland leben, zu Wort kommen, ihre Erfahrungen schildern, ihre Wünsche und Forderungen formulieren. Die Broschüren sind zweisprachig, neben deutsch auch arabisch, russisch, türkisch – gedacht als Brücken, die von beiden Seiten begehbar sind.
Eine solche Brücke besteht manchmal aus einem Menschen. LesMigraS startete mit Geldern von filia ein Projekt mit dem Ziel, in den Frauenorganisationen von Migrantinnen in Berlin für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung zu werben. Die Berührungsängste mit diesem Thema schienen am Anfang unüberwindlich. Mitra Sadatgousheh, eine Mitarbeiterin von LesMigras, bemühte sich telefonisch um Kontakte. Ohne Erfolg. Erst als sie persönlich bei den Organisationen erschien, kam es zu Gesprächen. Nun sind Themenabende zu sexueller Selbstbestimmung geplant, die Filme dazu kommen von der Lesbenberatung. Auf einem gemeinsamen Plakat steht: „Du hast ein Leben, bestimme selbst .. ganz gleich wer du bist, ganz gleich welcher Herkunft, Religion, ob lesbisch, transsexuell oder hetero.“ Mit ihren Logos auf dem Plakat setzen die Organisationen ein wichtiges Zeichen für Toleranz. Entworfen wurde das Plakat übrigens von einer deutsch-türkischen Designerin.
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Diversität ist für filia deshalb ein so hoher Wert, weil die Frauen in der Stiftung wissen, dass Vielgestaltigkeit die Chance für Wachstum und Kreativität in sich trägt.
Weil sie davon überzeugt sind, dass Menschen zwar verschieden, aber alle gleichwertig sind. Und weil es reich macht, die Welt mit den Augen der anderen immer wieder neu zu sehen.
Trendbuch 01: Diversity
Peter Felixberger / Michael Gleich (Hg.)
Culture Counts
Wie wir die Chancen kultureller Vielfalt nutzen können
Trendbuch 01: Diversity
220 Seiten, Hardcover mit Sonderausstattung, vierfarbig
ISBN 978-3-430-20066-0
19.90 Euro
Econ Verlag, Berlin 2008/2009
Unternehmensedition: 1. Oktober 2008
Buchhandelsausgabe: 1. Januar 2009