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Bis zum 1. März 2012 nimmt filia Anträge mit Ideen und Plänen für Projekte für Mädchen und junge Frauen entgegen.
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filia Stifterinnen

filia-Gründungsstifterin: Susanne Bächer

"Keine Almosen verteilen, sondern Veränderung und Gerechtigkeit fördern"

Susanne Bächer

Mit meinem Mann zusammen habe ich einen Sohn; mit einer Gruppe von Frauen zusammen habe ich eine Tochter: filia, die frauenstiftung.

Anfangs war die Frauenstiftung eine Idee, die wir bei tagelangen Treffen diskutierten. Dann bastelten wir von Fachleuten unterstützt eine Satzung, dann überwiesen wir unser Geld. Die offizielle Gründung von filia war am 6. Juni 2001. In den ersten zweieinhalb Jahren hatte die Stiftung ihren Sitz in Wiesbaden, filia hatte dort eine Bürogemeinschaft mit Marita Haibach, die selbst auch filia-Gründerin ist. Zum Jahresbeginn 2004 stellten wir Christiane Grupe als erste hauptamtliche Geschäftsführerin ein und filia zog nach Hamburg. Vor kurzem, nach zweieinhalb Jahren "am Felde", hat filia ein schönes, eigenes Büro bezogen, und es gibt ein ganzes Team von engagierten Frauen, die dort arbeiten. Unser Fördervolumen ist in dieser Zeit auch gewachsen. 2005 konnten wir bereits 25 Projekte fördern.

An dieser (über) fünfjährigen Entwicklung war ich intensiv beteiligt, bisher gehörte ich immer dem filia Vorstand an. Ich habe viel gelernt beim Aufbau der Stiftung. Ich setze mich gerne für filia ein und stecke mein Herzblut, mein Hirnschmalz und meine Zeit in diese Arbeit.

Ansonsten: Ich bin Künstlerin und Autorin. Ich habe sehr unterschiedliche Bücher herausgebracht: "Wandelwald" besteht aus Bildern und Versen, "Kellerkult" ist ein Roman, der in der Altstadt von Tübingen spielt, "Für Sterbliche" ist ein Sachbuch mit Hinweisen und Gedanken zum Tod. Vor ein paar Jahren bin ich zusammen mit einem Partner in die Spiele-Produktion eingestiegen, wir haben ein Memory-artiges Spiel über Tübingen und ein weiteres über Konstanz produziert. Viele kennen die Filuschkas, die kleinen bunten Figuren, die ich von Zeit zu Zeit fertige und die in ihrer Vielgestaltigkeit ein Symbol für filia sein sollen. Sie werden den Zustifterinnen von filia überreicht und sind außerdem auf den Postkarten, die filia verschickt, abgebildet.
Bis vor zehn Jahren war ich Kunsterzieherin am Gymnasium, Studienrätin.

Ich war eine engagierte Lehrerin und habe diese Arbeit lange Zeit gerne gemacht. Ich habe Ausstellungen mit Schülerinnen und Schülern zusammengestellt, habe mit ihnen Theater gespielt und mir allerlei für sie ausgedacht. Mühsam war, dass die Klassen so groß waren und dass ich jede nur einmal in der Woche sah.

Wahrscheinlich hätte ich nicht gekündigt, wenn ich nicht durch eine Erbschaft abgesichert wäre. Meine Familie besitzt Anteile an einer mittelgroßen Firma. Die Familie ist vielköpfig und hat viele Meinungen. Für mich war das Erbe mit einer ganzen Reihe von Konflikten verbunden; zeitweise habe ich das Thema auch einfach ausgeblendet.  

Nachdem ich aus dem Schuldienst ausgetreten war, musste ich mich aber damit auseinandersetzen. Eines war klar: Ich wollte das, was mir ohne mein Zutun zufließt, solange die Firma gut läuft, nicht allein für mich und meine Kleinfamilie nutzen. Mir schwebte vor, eine Stiftung zu gründen. Nicht um Almosen zu verteilen, sondern um gesellschaftliche Veränderung, Gerechtigkeit zu fördern. Aber wie sollte das gehen?

Ich begann, mich zu informieren, besuchte Tagungen und sprach mit kompetenten Menschen. Eine dieser Tagungen hatte Marita Haibach mit einigen andern speziell für Erbinnen organisiert. Ich traf dort Frauen, die sich mit ähnlichen Fragen herumschlugen wie ich, Frauen; die wie ich an eine Stiftungsgründung dachten.

Es war überaus sinnvoll, sich zusammenzutun! Andernfalls hätten wir vielleicht neun deutlich kleinere Einzelstiftungen gegründet. Dass es uns nach einem gemeinsamen Prozess gelungen ist, filia auf die Welt zu bringen, empfinde ich als ein großes Glück. Überhaupt war es eine Freude, einander kennen zu lernen und sich auszutauschen. Wir wollten diese Chance auch anderen Frauen, die sich mit einem Erbe auseinandersetzen müssen, bieten und planten neben der Stiftungsgründung im Jahr 2000 eine erste Tagung von Erbinnen für Erbinnen.

Die Initiativgruppe von uns neun Frauen gründete also nicht nur filia, die Frauenstiftung, sondern auch Pecunia, das Erbinnen-Netzwerk. Dieses veranstaltet seitdem jährlich eine solche Tagung. Weil mir der Austausch von Erfahrungen und Plänen ein besonderes Anliegen ist, habe ich die meisten der bisherigen Tagungen mit vorbereitet, mit organisiert, mit geleitet und mich auch sonst für das Netzwerk betätigt. Inzwischen ist Pecunia ein eingetragener Verein und seine Verwaltung ist von filia unabhängig. Eine ganze Reihe von Frauen, die dem Erbinnen-Netzwerk angehören, haben auch eine Stiftung gegründet oder sich filia angeschlossen.

Mir gefällt es, dass wir mit filia eine Gemeinschaftsstiftung geschaffen haben. Das heißt, filia ist keine Stiftung im traditionellen Sinne (Eine stiftende Person bestimmt über ihren Tod hinaus, was mit gewissen Erträgen geschehen soll...), sondern hat auch einen demokratischen Charakter; Zustifterinnen können Einfluss nehmen. Damit bleibt filia flexibel und kann auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren. Der Grundgedanke, dass filia Frauen fördert, ist für alle Ewigkeit festgelegt. Aber wie das in fünfzig Jahren geschehen soll, das werden die Frauen, die dann in den Gremien sitzen, bestimmen. 

Mir gefällt es, dass wir (bereits heute) kompetente, erfahrene Frauen in unseren  Gremien haben und dass unser Büroteam so motiviert ist. Auch im Büro arbeiten neben den bezahlten immer wieder ehrenamtliche Kräfte.

Mir gefällt es, dass wir Frauengruppen stärken, die etwas verändern wollen an der bisher ungerechten Welt; Frauengruppen, die eine ermutigende Wirkung auf andere haben.

Mit Freude sehe ich, dass sich immer mehr Frauen und Männer uns anschließen, dass filia wächst und dass wir in Zukunft mehr Frauenprojekte fördern können!

Susanne Bächer (Sommer 2006)

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