Bis zum 1. März 2012 nimmt filia Anträge mit Ideen und Plänen für Projekte für Mädchen und junge Frauen entgegen.
Frauenorganisationen aus der ganzen Welt können bei filia eine schnelle Förderung aus dem Möglichkeitsfonds beantragen.
>> zu den Förderrichtlinien und zum Antragsformular

Mit diesen Worten erinnerte die deutsch-türkische Autorin Necla Kelek die ca. 200 Frauen und Männer, die am grauen Dienstagvormittag des 16.12.2008 in Hamburg auf Initiative von Terre des Femmes zum Gedenken an Morsal Obeidi zusammengekommen waren, an demokratische Werte, die wir oft als ‚selbstverständlich‘ ansehen. filia hat die Veranstaltung mit einer Eilförderung unterstützt.
Frau Obeidi wurde am 15.Mai 2008 aus „Gründen der Ehre“ von ihrem Bruder brutal erstochen – mit Billigung ihrer Ursprungsfamilie, die den „westlichen“ Lebensstil der Tochter und Schwester als krassen Gegensatz zu ihren eigenen Normen und Werten ansah. Die junge deutsch-afghanische Frau lebte unabhängig von ihrer Familie und beanspruchte eine eigenständige Entwicklung für sich hier in Deutschland. Ihrer wurde gedacht, für sie sang Tina Brandl „steh auf Schwester“, und vor ihr Foto wurden viele weiße Rosen gelegt. Zahlreiche Frauen aus dem Umfeld von filia nahmen daran teil.
Genau zur selben Zeit fand im Oberlandesgericht der erste von zehn Verhandlungstagen gegen den Bruder statt. Die Frage von Nazanin Borumand (Sprecherin der Initiative gegen „Ehrenmorde“ „Vergesst niemals Hatun!“) klingt noch nach: „Was unternimmt der deutsche Staat um Frauen und Mädchen zu schützen und stärken, die sich hervorragend integrieren und mit den westlichen Werten leben?“
Im Schneeregen, mit Kerzen und Bild von Morsal fanden sich einige Frauen zwei Monate später, am 13.02.2009, bei der 2. Mahnwache anlässlich der Urteilsverkündung wieder vor dem Gerichtsgebäude in Hamburg ein. Sonja Schelper, Geschäftsführerin von filia, war dabei und berichtet: „Weil es vorher schon große Debatten um die Anerkennung einer Gutachterin gegeben hatte, befürchteten viele ein ‚mildes‘ Urteil, wegen Totschlags im Affekt. Aber es kam anders. Lebenslänglich wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen.“
„Morsals Unglück war, dass sie eine Frau war“, sagte der Richter bei der Urteilsbegründung. Er argumentierte, dass die Tötung eines Menschen aus Gründen der sogenannten Ehre dann nach den Vorstellungen der Rechtsgemeinschaft in Deutschland als Mord aus niedrigen Beweggründen gilt, wenn der Täter mit den deutschen Rechts- und Wertvorstellungen vertraut ist. Dies trifft auf den Angeklagten zu, der bereits viele Jahre in Deutschland lebt.
Im Anschluss an die Urteilsverkündung randalierten einige Angehörige.
Sonja Schelper berichtet: „Durch Pressevertreter gewarnt, konnten wir uns rechtzeitig ein Stück zurückziehen, bevor der Vater der Ermordeten und des Mörders wutschnaubend die Gedenkkerze auf die Straße warf und das Bild seiner Tochter mitgehen ließ. Danach großer Presserummel, Bilder, Interviews und viele Debatten auf der Straße, in der U-Bahn. Dank der guten Öffentlichkeitsarbeit von Terres des Femmes weiß jede/r in Deutschland von diesem Fall. Das eindeutige und klare Urteil wird hoffentlich einen Beitrag dazu leisten, dass sich solche grausamen Taten gegen Frauen nicht wiederholen.“
www.frauenrechte.de